Die Lücke, die entsteht, wenn der Lebenspartner stirbt, wird man kaum schließen können. Doch neben den emotionalen Hürden sind auch finanzielle Angelegenheiten zu klären. Die Versorgungslücke soll die Hinterbliebenenrente zumindest teilweise schließen. Sie hat eine Ersatz- bzw. Zuschussfunktion.

Klärung Ihrer Ansprüche auf eine Hinterbliebenenrente

Wenn Sie eine kleine Rente bekommen, ist es nicht nötig, Überlegungen anzustellen, welche Abzüge es gibt. Es gibt dann keine Abzüge. Sie bekommen zusätzlich zu Ihrer eigenen Rente die Hinterbliebenenrente überwiesen.

Ist Ihre Rente (ohne die Hinterbliebenenrente) also nicht höher

  • als 1.020 EUR in den alten Bundesländern
  • und 979 EUR in den neuen Bundesländern

und haben Sie darüber hinaus kein Einkommen, sollten Sie ohne komplexe Rechnungen auskommen.

Hinweis: Volle Auszahlung im Sterbevierteljahr

Im Monat des Todes sowie den drei folgenden Kalendermonaten wird die Rente des Verstorbenen ohne Abzüge vollständig an den Hinterbliebenen ausgezahlt. Eine Einkommensanrechnung gibt es also erst nach Ablauf des Sterbevierteljahres.

Es gibt die große Witwenrente und die kleine Witwenrente. Die kleine Witwenrente betrifft vor allem junge Hinterbliebene, von denen es glücklicherweise nur wenig Betroffene gibt. Die weitaus größere Zahl der bezogenen Hinterbliebenenrenten erhält die große Witwenrente.

Männer und Frauen sind bei den Hinterbliebenenrente übrigens erst seit 1986 gleichgestellt.

Welche Voraussetzungen gibt es für die Hinterbliebenenrente?

Grundvoraussetzung für beide: Sie erhalten sie, wenn der Verstorbene mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat und Sie mit ihm mindestens ein Jahr und bis zu seinem Tod verheiratet waren. Den Lebenspartner am Lebensende zu heiraten, um ihm die Hinterbliebenenrente zu sichern – das funktioniert leider nicht.

Allerdings: Ob Sie von ihrem Partner getrennt gelebt haben und mit ihm zusammen, hat keine Auswirkung auf den Bezug der Hinterbliebenenrente. Sie erhalten sie in beiden Fällen.

Hinweis: Antrag auf Hinterbliebenenrente

Die Hinterbliebenenrente muss bei der Deutschen Rentenversicherung beantragt werden, unter Beilage der Sterbe- und Heiratsurkunde. Nach Antragstellung wird sie rückwirkend gezahlt (Rückwirkungsfrist maximal bis 12 Monate).

Anträge gibt es auch online auf der Website der Deutschen Rentenversicherung.

Wie viel Rente schließlich gezahlt wird, hängt zuallererst davon ab, welche Rentenansprüche der Verstorbene erworben hat. Der letzte Rentenbescheid bzw. die letzte Rentenauskunft gibt darüber Aufschluss.

Um den Partner schon zu Lebzeiten für den Fall einer schweren Krankheit abzusichern, sollten Sie eine Vorsorgevollmacht erstellen. Alternativ (oder zusätzlich) können Sie eine Patientenverfügung erstellen.

60 % der Rente des Verstorbenen oder 55 %: Was gilt?

Im Jahr 2002 ist Hinterbliebenenrente neu geregelt worden. Seitdem laufen zwei gültige Rechtsanwendungen parallel. Wer vor dem Jahr 2002 mit dem nun Verstorbenen bereits verheiratet war, darf seine Ansprüche noch nach dem „alten Recht“ geltend machen. Für alle anderen greift das „neue Recht“.

  • Altes Recht: Sie erhalten 60 % der Rente des Verstorbenen.
  • Neues Recht: Sie erhalten 55 % der Rente des Verstorbenen.

Für alle gilt: Oberhalb eines festgesetzten Freibetrags werden 40 % abgezogen, also gekürzt.

Die große Witwenrente

Ob Sie Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente haben, ist von den drei folgenden Hauptkriterien abhängig:

  • Sie haben das 45. Lebensjahr vollendet (die Altersgrenze steigt schrittweise bis 2029 auf 47 Jahre).
  • Sie erziehen Kinder.
  • Sie sind erwerbsgemindert.

Ist eines der drei Kriterien erfüllt, haben Sie Anspruch auf die große Witwenrente.

Sofern der überlebende Partner der Ehe ein Kind in den ersten drei Jahren erzogen hat, erhält er einen Kinderzuschlag, der von der Anzahl der Kinder abhängt. Die Höhe des Kinderzuschlags wiederum hängt davon ab, ob der überlebende Partner in einem der alten oder der neuen Bundesländer lebt.

Wie berechnet sich die große Witwenrente?

Für die Berechnung der großen Witwenrente ist es wichtig, dass Sie den Rentenbescheid verstehen. Zur Berechnung der Höhe des Kinderzuschlags können Sie darin ersehen, wie viele Entgeltpunkte Sie erworben haben. Die Entgeltpunkte sind umgerechnete Einzahlungen in die Rentenversicherung, die Sie geleistet haben. Für jeden Monat der Erziehungszeit werden Entgeltpunkte gutgeschrieben.

Für die ersten 36 Monate und das erste Kind werden monatlich höhere Entgeltpunkte gewährt, als für die weiteren Kinder.

Die kleine Witwenrente

Die kleine Witwenrente hat einen reinen Zuschusscharakter und betrifft die jungen Hinterbliebenen, die erwerbstätig sind und keine Kinder haben.

Sie beträgt 25 % der Rente des Verstorbenen und wird nur zwei Jahre gewährt. Bedenkt man, dass der jung Verstorbene noch nicht sehr viele Jahr in die Rentenversicherung eingezahlt haben kann, dass ein solider Betrag zustande gekommen wäre, fällt der Betrag meistens klein aus.

Der Freibetrag ist hier der gleiche wie bei der großen Witwenrente. Hat der Hinterbliebene die Altersgrenze erreicht, kann er die große Witwenrente beantragen. Die Rentenversicherung wird nicht von sich aus aktiv.

Welches Einkommen wird angerechnet bzw. verschont?

Das Einkommen wird addiert und alles, was oberhalb des Freibetrages liegt, führt zu einer Kürzung der Hinterbliebenenrente um 40 %. Addiert wird nach altem Recht. Fand die Eheschließung vor 2002 statt und einer der Ehepartner ist vor 1962 geboren, werden folgende Zahlungen addiert:

  • die eigene Rente
  • Erwerbseinkommen
  • Arbeitslosengeld I

Nach neuem Recht (Eheschließung nach 2002) werden folgende Gelder addiert.

  • die eigene Rente
  • Erwerbseinkommen
  • Arbeitslosengeld I
  • Einkommen aus Kapitalerträgen und Vermietung
  • Erträge aus der privaten Rentenversicherung, Betriebsrenten
  • Zahlungen der Unfallversicherung
  • Krankengeld

Verschont werden die folgenden Sozialleistungen

  • Erträge aus Riester-Renten
  • Wohngeld, Blindengeld
  • Elterngeld
  • Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe

Nach dem neuen Recht erhalten Sie einen Kinderzuschlag zu Ihren Gunsten, wenn Sie ein Kind in den ersten drei Lebensjahren betreut haben.

Welche Besonderheiten gibt es bei Minijobs?

Beziehen Sie eine Hinterbliebenenrente und haben dazu noch einen 450 Euro-Job (Minijob), so kommt es zu keinen Abzügen.

Aber: Sind Sie Doppelrentner (eigene Rente und Hinterbliebenenrente), dann kann es anders aussehen, sofern Sie mit dem Minijob den Freibetrag übersteigen. In diesem Fall wird die Hinterbliebenenrente spürbar gekürzt.

Tipp: Minijob bei Arbeitgeber angeben

Geben Sie bei Ihrem Arbeitgeber an, dass der Minijob rentenversicherungspflichtig ist. Dann zahlen Sie zwar einen kleinen Betrag hinzu, der Minijob wird dann aber nicht als abzugsfähiges Einkommen angerechnet.

Rechnungen anhand von Fallbeispielen

Die Ermittlung des konkreten Auszahlbetrags ist kompliziert und hängt von Ihren sonstigen Einkünften ab.

Die Regel: Vom Differenzbetrag oberhalb des Freibetrags werden 40 % abgezogen. Auf den gekürzten Betrag wird dann die Hinterbliebenenrente hinzugerechnet. Dann haben Sie den Endbetrag.

Jedes Jahr, stets am 1. Juli, werden die Renten an die Lohnentwicklung angepasst. Damit steigt auch der Freibetrag für die Hinterbliebenenrente. Der Freibetrag ist der Betrag, von dem Ihnen nichts abgezogen wird: Keine Einkommensanrechnung und keine Kürzungen.

Wie hoch sind die Freibeträge?

Ist der Bezieher einer Hinterbliebenenrente selber Rentner gelten folgende Freibeträge:

Aktuell liegt der Freibetrag

  • im Westen bei 872,52 EUR
  • und in den neuen Bundesländern bei 841,90 EUR pro Monat.

Nettoeinkünfte, die über diese Beträge hinausgehen, werden zu 40 Prozent auf die Witwen- bzw. Witwerrente angerechnet.

Freibetrag für jedes Kind: 185,08 EUR (wird in der Regel jedes Jahr am 1. Juli erhöht).

Achtung: Freibeträge gelten für Nettoeinkommen

Man sollte meinen, dass die Rente, die von der Rentenversicherung an den Rentner überwiesen wird, bereits das Nettoeinkommen darstellt. Das ist aber nicht so. Um das Nettoeinkommen zu ermitteln, werden pauschal und fiktiv 14 % abgezogen – bei Rentenbezug nach 2011. (Bei Rentenbezug vor 2011 sind es 13 %). Diese Beträge werden nicht real abgezogen, sondern nur rechnerisch.

Die Freibeträge müssten also korrekt so lauten: 1020,37 EUR in den alten Bundesländern sowie 978,95 EUR in den neuen Bundesländern.

Beispiel: 1200 EUR Rente in alten Bundesländern

Angenommen Ihr Rentenbezug beträgt 1200 EUR und Sie leben in einem der alten Bundesländer. Der Rentenversicherungsträger setzt diesen Betrag als Bruttoeinkommen. Davon werden 14 % (für Rentner vor 2011 sind es 13 %) abgezogen und also Nettoeinkommen ausgewiesen.

Demnach sind das: 1200 EUR minus 14 % (= 168,00 EUR). Ergibt ein Nettoeinkommen von: 1032,00 EUR.

Dies bedeutet für Rentner in den alten Bundesländern: 1032 EUR minus 872,52 EUR = 159,48 über dem Freibetrag. Davon werden 40 % abgezogen: 63,79 EUR. Dieser Betrag wird Ihnen dann also von der Hinterbliebenenrente abgezogen.

In unserem Beispiel erhält der Rentner: 1200 EUR, plus Hinterbliebenenrente, minus 63,79 EUR.

Hinterbliebenenrente für Erwerbstätige

Ganz anders sieht die Rechnung aus, wenn der Empfänger einer Hinterbliebenenrente noch erwerbstätig ist. Ist er sozialversicherungspflichtig beschäftigt und bezieht noch keine eigene Rente, dann werden pauschal 40 % vom Einkommen abgezogen.

Wie hoch sind die Freibeträge für Erwerbstätige?

Der Freibetrag liegt brutto

  • bei 1.454,20 EUR (alte Bundesländer)
  • bzw. 1.403,17 EUR (neue Bundesländer).

Diese Beträge dürfen Sie verdienen, ohne dass es zu einem Abzug kommt, weil 40 % fiktiv abgezogen werden. Dann kämen Sie wieder auf die Freibeträge 872,52 EUR bzw. 841,90 EUR.

Für Selbständige und freiberuflich Tätige gelten folgende Einkommen, die nicht gekürzt werden:

  • 1449,37 EUR in den alten Bundesländern
  • 1398,51 EUR in den neuen Bundesländern

Auch diese Freibeträge werden jedes Jahr zum 1. Juli an die Lohnentwicklung angepasst.

Liegen Sie über den Freibeträgen, läuft die Rechnung analog zu der obigen, die wir für den Rentner beispielhaft durchgeführt haben. Dann ziehen Sie wieder 40 % ab und auf den Differenzbetrag oberhalb des Freibetrages ziehen Sie abermals 40 % ab.

Was ist eine Erziehungsrente?

Wenn man an die Hinterbliebenenrente denkt, hat man nicht unbedingt auf dem Schirm, dass nach dem Tod des Ehepartners grundsätzlich ein Anspruch auf Erziehungsrente besteht. Wer ein Kind, Stiefkind, Pflegekind oder Enkel eines verstorbenen Ehepartners erzieht, kann über die Hinterbliebenenrente hinaus die Erziehungsrente bei der Rentenversicherung beantragen.

Die Voraussetzungen sind:

  • Die Kinder leben im eigenen Haushalt.
  • Die Kinder sind unter 18 Jahre alt.
  • Und der überlebende Partner der Ehegatten hat selbst fünf Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt, denn die Erziehungsrente wird aus den eigenen Rentenansprüchen bezahlt.
  • Der überlebende Partner der Ehe darf nicht wieder geheiratet haben. Heiratet er wieder, wird die Zahlung der Erziehungsrente eingestellt. Erreicht der überlebende Partner der Ehe das Regelrentenalter erlischt die Leistungsberechtigung ebenfalls.

Die Erziehungsrente ist genauso hoch wie die Rente bei Erwerbsminderung. Sind Sie jünger als 63 Jahre werden prozentuale Abzüge vorgenommen.

Tipp: Antrag auf Erziehungsrente frühzeitig stellen

Beeilen Sie sich mit dem Antrag auf Erziehungsrente bei Ihrer Rentenversicherungsanstalt. Denn Sie wird nur in den ersten drei Monaten nach Antragstellung rückwirkend gezahlt. Sind die drei Monaten verstrichen, wird erst ab dem Antragsmonat gezahlt.

Witwenrente für Geschiedene ohne Kinder

Es ist kaum etwas unkompliziert, wenn es um die Hinterbliebenenrente geht. Bei der Hinterbliebenenrente für Geschiedene ist es nicht anders. Allerdings ist sie ein Auslaufmodell und wird kaum noch beansprucht.

Sie betrifft Ehepaare, die vor dem 01.07.1977 geschieden worden sind. Sollte keiner der beiden Partner der ehemaligen Ehe wieder geheiratet haben, ist sie möglich und kann beantragt werden.

Was aber, wenn der überlebende Partner der Ehe wieder geheiratet hat und diese Ehe dann ebenfalls aufgelöst worden ist? Dann kann die „Witwenrente nach dem vorletzten Ehegatten“ beantragt werden.

In diesem Fall muss der überlebende Ehegatte im letzten Jahr vor dem Tod des geschiedenen Ehegatten Unterhalt von diesem bezogen haben.

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