Löblich, dass die Deutsche Rentenversicherung auf die Kritik an der mangelnden Verständlichkeit ihrer Rentenbescheide reagiert hat. Seit 2018 sind sie lesbarer. Sie zu verstehen, ist auch notwendig, denn es kann Ihnen eine ordentliche Summe verloren gehen, wenn z. B. Versicherungszeiten nicht richtig erfasst sind.

Die Renteninformation als jährliche Zwischenmeldung

Wenn Sie sich dem Rentenalter nähern, möchten Sie wahrscheinlich wissen, mit wie viel Rente Sie rechnen können. Vielleicht möchten Ihre Kinder auch wissen, ob sie Ihnen zukünftig wohl Elternunterhalt zahlen müssen.

Unter dem Begriff „Rentenbescheid“ kursieren die unterschiedlichsten Informationen, die darauf hindeuten, dass ihre Inhalte unverständlich sind. Es scheint eine Begriffsverwirrung darüber zu existieren, was Renteninformation, Rentenauskunft und Rentenbescheid tatsächlich meinen. Was sie eint: Sie kommen alle von der Deutschen Rentenversicherung, sind aber unterschiedlichen Inhalts und haben nicht die gleiche Relevanz.

  • Die Renteninformation kommt einmal im Jahr und hat den Rang einer Meldung über den Stand Ihrer Rentensachen.
  • Die Rentenauskunft erhalten Sie ab dem 55. Lebensjahr und verlangt Ihre genaue Prüfung. Beide kommen ohne Ihr Zutun.
  • Den Rentenbescheid erhalten Sie wiederum nur auf Antrag, den Sie am Ende Ihres Berufslebens stellen.

Wie sind die Details der Renteninformation zu verstehen?

Man hat es nicht unbedingt auf dem Schirm, aber auch die Rentenversicherung ist eine Form der Lebensversicherung. Wie hoch der monatliche Auszahlungsbetrag schließlich sein wird, wenn Sie das Renteneintrittsalter erreicht haben, darüber informiert Sie die Deutsche Rentenversicherung einmal im Jahr.

Das ist die „Renteninformation“, welche die Deutschen Rentenversicherung verschickt, sobald der Versicherte 27 Jahre alt und mindestens fünf Jahre Beiträge eingezahlt hat. Haben Sie noch nicht so viele Beitragsjahre zusammen, erhalten Sie sie, sobald Sie die Beitragsjahre geleistet haben. Die Renteninformation ist für viele Jahre die einzige Post, die Sie von der Rentenversicherung erhalten.

Sie enthält die wichtigsten Details Ihres Versicherungskontos, die der Deutschen Rentenversicherung vorliegen:

  • das genaue Datum, ab dem Sie Ihre Regelaltersrente erhalten können
  • wie hoch Ihre Rente wäre, wenn Sie eine volle Erwerbsminderung geltend machen würden
  • eine Hochrechnung Ihrer künftigen Rente d. h. so hoch würde Ihre Rente sein, wenn sich Ihr derzeitiger Jahresverdienst fortsetzt
  • welche Rentenbeiträge und Entgeltpunkte bislang angerechnet wurden
  • schließlich der Hinweis auf den jährliche Rentenerhöhung, die jeweils am 1. Juli bekannt gegeben wird.

Können Sie gegen die Renteninformation Widerspruch einlegen?

Gegen die Renteninformation kann kein Widerspruch eingelegt werden. Aber sollte Ihnen eine fehlerhafte Angabe auffallen, ist es sinnvoll, sich mit der Rechtenversicherungsanstalt in Verbindung zu setzen. Denn eine Kontenklärung können Sie jederzeit anregen.

Tipp: Zugang zu Ihrem Versicherungskonto online

Mit einem neuen Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion und einem Smartphone, das über eine NFC-Funktion verfügt, haben Sie gute Voraussetzungen, einige Rentenangelegenheiten online erledigen zu können. Sie laden dazu ein Programm runter und authentifizieren sich. Den Ausweis legen Sie dabei auf das Smartphone. Sie können online auf Ihr Versicherungskonto zugreifen, Änderungen durchführen und Anträge stellen.

Die Rentenauskunft erhalten Sie ab dem 55. Lebensjahr

Die Rentenauskunft erhalten Sie ab dem 55. Lebensjahr automatisch alle drei Jahre. Im Kern enthält sie Punkte, die Sie schon aus der Renteninformation kennen. Allerdings ist sie wesentlich ausführlicher, denn sie listet alle erfassten Zeiten Ihrer Berufsbiographie – also den Versicherungsverlauf – genau auf.

Der Versicherungsverlauf ist der wesentlichste Teil der Rentenauskunft. Mit ihr findet eine Kontoklärung statt: Die Deutschen Rentenversicherung gibt Ihnen Auskunft über die Daten, die sie über Sie erfasst hat. Es trifft mit der Post also ein ziemlich dicker Umschlag ein, und mit ihm kommt viel Arbeit auf Sie zu. Prüfen Sie nun, ob diese Daten stimmen.

Hinweis: Fehler bei der Rentenberechnung

Fehler unterlaufen vor allem bei den hinterlegten Zeiten für Ausbildung, Kindererziehung und Auslandsaufenthalten, die den Rentenerlös erhöhen würden.

Der Versicherungsverlauf besteht aus Ihren beitragspflichtigen Jahresverdiensten sowie den Beträgen, die Ihr Arbeitgeber eingezahlt hat. Dazu können noch andere geleistete Zahlungen kommen, z. B. von der Krankenkasse bei Arbeitsunfähigkeit oder von der Agentur für Arbeit bei Arbeitslosigkeit. Alle Zeiten sind chronologisch aufgelistet. Mit Ihren eigenen Unterlagen an der Hand können Sie Punkt für Punkt die Richtigkeit überprüfen.

Was ist ein Versicherungsverlauf?

Mit dem Erhalt der Rentenauskunft kommen Sie Ihrem Rentenbescheid schon recht nahe. Der Versicherungsverlauf, wie er sich bis zu Ihrem 55. Lebensjahr der Rentenversicherung darstellt, wird Ihnen schon jetzt beschieden (mit der Überschrift „Bescheid“). Sie haben einen Monat Zeit zu prüfen, ob alle Zeiten korrekt erfasst sind.

Aber keine Sorge, auch wenn die Frist abgelaufen ist, können Sie noch einen Überprüfungsantrag stellen. Wenn Sie nachweisen können, dass die Angaben unrichtig sind, ist es angebracht, sich schriftlich an die Rentenversicherung zu wenden.

Auch Zeiten eventueller Arbeitslosigkeit sind aufgelistet. Achten Sie besonders darauf, ob auch die

  • Ausbildungszeiten
  • Schulbesuch nach dem 17. Lebensjahr
  • Studienzeiten
  • Kindererziehung

aufgeführt sind. Denn diese Zeiten werden angerechnet, obwohl Sie nicht in die Rentenversicherung eingezahlt haben.

Worauf müssen Sie achten, wenn Sie im Ausland gearbeitet haben?

Sofern Sie versicherungspflichtig im Ausland gearbeitet haben, suchen Sie im Versicherungsverlauf, ob diese Zeiten aufgelistet sind.

Wenn nicht, schreiben Sie die Rentenversicherung an und legen Sie Nachweise bei (Immatrikulationsbescheinigungen, Ausbildungsnachweise etc.).

Ferner erhalten Sie Auskunft über die bisher erworbenen Rentenansprüche. Sie erfahren konkret, welche monatliche Rente Ihnen zu Rentenbeginn zusteht. Dabei sind die jährlichen Rentenanpassungen, die bis zum Tag der Rentenauskunft angefallen sind, bereits eingerechnet. Und natürlich erfahren Sie den frühestmöglichen und den regulären Rentenbeginn.

Drei Jahre später erhalten Sie die nächste „Rentenauskunft“. In dieser listet die Deutsche Rechntenversicherung den Versicherungsverlauf noch einmal und ergänzt die Auskunft um den Verlauf Ihrer Jahresverdienste der letzten drei Jahre.

Die Umrechnung in „Entgeltpunkte“

Auch wenn Sie sich alle Begriffe, die in der Renteninformation bzw. der Rentenauskunft auftauchen, erschließen können, mindestens einer bleibt unverständlich: Was soll ein „Entgeltpunkt“ sein? Dabei ist es wichtig, den Begriff zu verstehen.

Die Entgeltpunkte werden im Verhältnis zum ermittelten statistischen Durchschnittsverdienst errechnet, Ihre Jahresverdienste also in Entgeltpunkte umgerechnet. Im Jahr 2019, beispielsweise, beträgt das vorläufige Durchschnittsentgelt aller Versicherten 38.901 EUR. Für diesen Betrag wird ein Entgeltpunkt gerechnet. Verdienen Sie mehr, wird der Entgeltpunkt bis auf die vierte Stelle nach dem Komma umgerechnet. Verdienen Sie weniger, erhalten Sie weniger Entgeltpunkte. Verdienen Sie die Hälfte von 38.901 EUR, dann erhalten Sie einen halben Entgeltpunkt.

Bekommen Sie nur Entgeltpunkte, wenn Sie Geld verdient haben?

Die Entgeltpunkte spielen auch dann eine Rolle, wenn Ausbildungszeiten oder Zeiten, in denen Sie arbeitsunfähig waren, in die Rentenberechnung einfließen sollen. Sie haben dann zwar keine Beiträge in die Rentenversicherung eingezahlt, dennoch fließt diese Zeit positiv in die Rentenberechnung ein.

Kindererziehung wird zum Beispiel so gerechnet:

  • für Kinder geboren vor 1992 erhalten Sie zweieinhalb Entgeltpunkte
  • für Kinder nach 1992 drei Entgeltpunkte

Diese Zeiten erhöhen also Ihre Rente, weil sie so gerechnet werden, als hätten Sie in diesem Zeitraum ein durchschnittliches Gehalt bezogen. Pflegezeiten berechnen sich ähnlich : Pflegen Sie einen Angehörigen mindestens zehn Stunden die Woche, zahlt die Pflegeversicherung für Sie in die Rentenkasse ein.

Ist Ihr Ehepartner vor Ihnen verstorben, haben Sie auch Anspruch auf eine Hinterbliebenenrente. Diese wird auf Antrag von der Rentenversicherung gewährt.

Was ist ein Rentenartfaktor?

Der zweite Begriff, auf den Sie treffen, der Ihnen unverständlich sein mag, ist der „Rentenartfaktor“. Dieser ist, nebenbei bemerkt, im Sozialgesetzbuch festgelegt. Bei einer Altersrente ist er mit dem Faktor 1,0 festgesetzt. Haben Sie eine teilweise Erwerbsminderung dann ist der Faktor 0,5. Der Rentenartfaktor ist wichtig für die Errechnung Ihrer Rente.

Was versteht man unter dem „aktuellen Rentenwert“?

Der „aktuelle Rentenwert“ wird jährlich zum 1. Juli ermittelt und erhöht sich seit längerem regelmäßig jedes Jahr. Damit wird sichergestellt, dass die Rente an die aktuelle Lohnentwicklung angepasst wird. Ermittelt wird sie anhand der Rentenanpassungsformel.

Beispiel: Wie errechnet sich Ihre Rente?

Entgeltpunkt: 45

Rentenartfaktor: 1,0

Aktueller Rentenwert: 31,89

Diese drei Werte miteinander multiplizieren: 45 x 1,0 x 31,89 = Summe 1.435,05

In unserem Beispiel kommt am Ende also eine monatliche Rente in Höhe von 1.435,05 EUR heraus.

Der Rentenbescheid am Ende Ihrer beruflichen Laufbahn

Den ultimativen, den wahren Rentenbescheid erhalten Sie erst am Ende Ihres Berufslebens und zwar nachdem Sie ihn beantragt haben. Er wird nicht automatisch zugestellt, wie noch die Renteninformation und die Rentenauskunft. Für die Antragsbearbeitung nimmt sich die Rentenversicherung drei Monate Zeit. Sie erhalten dann die aktualisierten Werte:

  • Höhe Ihrer Rente
  • Start der Rentenauszahlung
  • die Rentenart etc.

Hinweis: Frist für Widerspruch beachten

Für Ihren Widerspruch haben Sie vier Wochen Zeit. Das ist nicht sehr viel, denn Sie stehen in der Beweispflicht und müssen die Nachweise dem Rentenversicherungsträger vorlegen. Gut jeder fünfte Widerspruch führte zuletzt zum Erfolg. Die Bescheide korrigiere die Deutsche Rentenversicherung. Auch nach Ablauf der Widerspruchsfrist können Sie einen Überprüfungsantrag stellen.

Lesetipp der Redaktion

Kostenpunkt Elternunterhalt: Wie viel Geld müssen Kinder für Pflege ausgeben?

Mehr erfahren