Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Lebensalter. Medizin und Fortschritt machen es möglich. Nicht alle kommen dabei jedoch ohne Pflege aus. Angebote der Pflege sind sehr kostenintensiv, daher dient die Pflegeversicherung als Absicherung. Doch welche Leistungen übernimmt diese im Bedarfsfall?

Die Einzahlung in die Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung deckt das Risiko ab, dass Sie aufgrund einer Pflegebedürftigkeit die hohen Kosten alleine tragen müssen. Sie ist direkt an die Krankenversicherung angeschlossen und ist in Deutschland eine Pflichtversicherung.

Sie wurde 1995 eingeführt, ist Bestandteil des Sozialgesetzbuches XI und stellt die fünfte Säule der Sozialversicherung neben Kranken-, Renten-, Arbeitslosen, und Unfallversicherung dar. Aus diesen Versicherungen dieser Art können Sie nicht ohne weiteres austreten – anders als es beispielsweise mit dem Widerruf der Lebensversicherung möglich sein kann.

Die Krankenkasse, bei der Sie versichert sind, ist gleichzeitig Ihre Pflegekasse. Pflichtversicherte Arbeitnehmer sind daher automatisch über Ihre Krankenkasse auch pflegeversichert. Der Arbeitgeber führt bei der Lohnabrechnung entsprechende Beiträge an die Pflegekasse ab. Gleiches gilt für

  • freiwillig versicherte Arbeitnehmer
  • Bezieher von Krankengeld
  • Elterngeld
  • Arbeitslosengeld I
  • oder Sozialleistungen.

Zum 01.01.2019 stieg der Beitrag für die Pflegeversicherung zuletzt auf 3,05 % beziehungsweise 3,3 % für kinderlose Personen über 25 Jahre. Privat versicherte Personen müssen sich auch privat pflegeversichern. Im Bedarfsfall übernimmt die Pflegeversicherung Leistungen für die notwendig gewordene Pflege eines Versicherten.

Die unterschiedlichen Pflegegrade

Die Pflegeversicherung greift, sobald eine Person pflegebedürftig wird. Ob dies tatsächlich der Fall ist, überprüft die Pflegekasse durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) auf Antrag. Stellen Sie einen entsprechenden Antrag, kommt der MDK persönlich zu der vermeintlich pflegebedürftigen Person und macht sich ein Bild von dem individuellen Pflegebedarf. Der MDK trifft dann eine Entscheidung über den Pflegebedarf.

Dies geschieht in Form einer Einstufung in die Pflegegrade 1 bis 5. Je nach Pflegegrad stehen den Versicherten dann unterschiedliche Leistungen mit unterschiedlichen Leistungsbeträgen für die monatliche Grund- und Behandlungspflege zu. Einen Überblick liefert die folgende Tabelle. Die Beträge sind monatliche Leistungen.

Die Leistungen der Pflegeversicherung

Die Geldleistung ambulant greift ab Pflegestufe 2. Die Beträge erhalten pflegende Angehörige, wenn sie die Pflege selbst übernehmen und den Versicherten im häuslichen Umfeld pflegen. Das sogenannte Pflegegeld wird direkt an den Versicherten ausbezahlt. Das ist nicht bei allen Leistungen der Fall.

Was leistet die Sachleistung ambulant?

Nehmen Sie die ambulante Sachleistung in Anspruch, können Sie ab Pflegestufe 2 einen Pflegedienst beauftragen. Der Pflegedienst pflegt den Bedürftigen dann im erforderlichen Umfang im häuslichen Umfeld und erhält dafür den entsprechenden Leistungsbetrag direkt ausbezahlt.

Können Sie Geld- und Sachleistungen kombiniert erhalten?

Die beschriebenen Geld- und Sachleistung kann auch kombiniert werden. Zum Beispiel kann ein pflegender Angehöriger die tägliche Pflege und Versorgung des Pflegebedürftigen übernehmen, aber einmal wöchentlich zum Baden Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. In diesem Fall erhält der Versicherte das Pflegegeld, anteilig gekürzt um die Leistung des ambulanten Pflegedienstes.

Wofür ist der Entlastungsbetrag gedacht?

Der Entlastungsbetrag wurde 2017 mit dem Pflegestärkungsgesetz neu eingeführt. Er soll pflegende Angehörige entlasten. Den Betrag bekommen Sie nicht ausbezahlt, sondern müssen ihn zweckgebunden gezielt zur Entlastung der Angehörigen einsetzen. Dies kann

  • eine permanente Alltagsentlastung
  • die Inanspruchnahme einer teilstationären Tages- oder Nachtpflege
  • die vorübergehende vollstationäre Kurzzeitpflege
  • oder ambulante Pflegeversorgung sein.

Innerhalb eines Jahres können Sie den Betrag aufgesparen und sogar in das nächste Kalenderhalbjahr übertragen.

An wen wird der Leistungsbetrag für die vollstationäre Pflege ausbezahlt?

Den angegebenen Betrag erhalten Versicherte für die Pflegeleistungen bei vollstationäre Unterbringung in einem Pflegeheim. In der Regel zahlt die Pflegeversicherung diesen Betrag direkt an das Pflegeheim.

Weitere Leistungen der Pflegeversicherung

Neben der monatlichen Grund- und Behandlungspflege erhalten Pflegeversicherte bei Bedarf weitere Leistungen aus dem Katalog der Pflegeversicherung. Diese sind im Folgenden aufgezählt.

  • Pflegehilfsmittel in Höhe von maximal 40,00  EUR monatlich für alle Pflegegrade.
  • Verhinderungspflege für die Pflegegrade 2 bis 5 in Höhe von 1.612 EUR jährlich als Ersatzpflegekosten für bis zu 6 Wochen, wenn die Pflegeperson verhindert ist.
  • Kurzzeitpflege für die Pflegegrade 2 bis 5 in Höhe von 1.612 EUR jährlich für Kurzzeitpflegekosten für bis zu 8 Wochen (z. B. nach Krankenhausaufenthalt).

Alternativ zur ambulanten Sachleistung, können auch teilstationäre Leistungen der Tages- oder Nachtpflege in Anspruch genommen werden, zum Beispiel für eine Tagesstätte während der pflegende Angehörige arbeitet. Der Leistungsbetrag entspricht dem der ambulanten Sachleistung.

Empfehlung: Pflegeberatung vereinbaren

Die Leistungen der Pflegeversicherung sind komplex, variabel und kombinierbar und daher lassen sich nicht alle Möglichkeiten in allen Details abbilden. Lassen Sie sich im Einzelfall von einer Pflegeberatung beraten. Auf diese Beratung haben Sie einen gesetzlichen Anspruch. Wenden Sie sich dazu an Ihre Pflegekasse.

Zuschüsse für ambulant betreutes Wohnen und bauliche Maßnahmen

Die Modelle der Pflege haben sich in den letzten Jahren sehr entwickelt. Gab es früher hauptsächlich Seniorenwohnheime, gibt es heute betreute Wohnformen wie

  • Senioren-Wohngemeinschaften
  • Pflegegemeinschaften
  • oder gar Bauernhofmodelle mit ganz individueller Ausrichtung.

Der Gesetzgeber möchte diese Modelle unterstützen und bietet neben der Übernahme von monatlichen Kosten für Grund- und Behandlungspflege in Höhe der ambulanten Leistungen sogar eine Anschubfinanzierung dazu an. In allen Pflegegraden übernimmt die Pflegeversicherung einen einmaligen, maximalen Anschubbetrag von 2.500  EUR pro Person und 10.000 EUR pro Wohngruppe.

Zusätzlich kann jede Person in einer Senioren- oder Pflegewohngemeinschaft in allen Pflegegraden einen monatlichen Zusatzbeitrag in Höhe von 214 EUR beanspruchen. Dieser soll für organisatorische, betreuende oder hauswirtschaftliche Aufwendungen herangezogen werden.

Wie hoch sind die Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen?

Treppenlift, Badvergrößerung, Rampe am Eingangsbereich, Entfernung von Bodenschwellen, Türverbreiterungen. Eine entstehende Pflegebedürftigkeit kann bauliche Maßnahmen in der Wohnung notwendig machen. Um diese finanzieren zu können, leistet die Pflegeversicherung Zuschüsse für Anpassungen im eigenen Wohnraum.

Je Maßnahme ist ein maximaler Zuschuss von 4.000  EUR möglich. Wohnen mehrere Anspruchsberechtigte zusammen, steigt der Zuschuss auf bis zu 16.000 EUR. Den Zuschuss für die Maßnahme sollten Sie im Idealfall vor Baubeginn beantragen.

Tipp: Antrag auf Unterstützung stellen

Haben Sie kein ausreichendes Vermögen oder Einkommen, um den Restbetrag selbst zu bezahlen, lohnt sich ein Antrag auf Unterstützung beim zuständigen Bezirk für Sozialhilfe. Bei entsprechender Bedürftigkeit unterstützt dieser zusätzlich bauliche Maßnahmen.

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