Im Jugendarbeitsschutzgesetz sind sämtliche Vorschriften zu Arbeits- und Pausenzeiten, zum Urlaub und zur Abgeltung von Überstunden für jugendliche Arbeitnehmer geregelt. Doch in der Praxis sieht es oftmals anders aus und Arbeitgeber halten sich nicht immer an die gesetzlichen Regelungen.

Arbeiten unter 18: Die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit

Fakt ist, dass das Arbeiten unter 18 in Deutschland erlaubt, aber an strikte Auflagen für den Arbeitgeber gekoppelt ist. Wenn Sie als Minderjähriger ins Berufsleben einsteigen möchten, müssen Sie mindestens 15 Jahre alt sein.

Das Jugendarbeitsschutzgesetz schreibt alle Faktoren fest, an die sich ein Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb halten muss. Sämtliche Vorschriften zur täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit, zu Pausen und zur Schichtarbeit sowie zum Urlaub und der Bezahlung von Überstunden sind verbindlich und staffeln sich nach dem Alter. Sie sollten Ihren Arbeitsvertrag prüfen, ob diese Punkte dort berücksichtigt wurden. Der Gesetzgeber macht übrigens keine Unterscheidung, wie Sie sich richtig krankmelden.

Mit 15 Jahren dürfen Sie nicht mehr als sieben Stunden täglich und 35 Wochenstunden arbeiten. Im Alter von 16 Jahren bis zum 18. Lebensjahr sind acht Arbeitsstunden pro Tag und 40 Arbeitsstunden pro Woche erlaubt. Wenn sich Mehrarbeit in Ausnahmefällen nicht vermeiden lässt, wird diese vom Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb nicht bezahlt. In der Praxis spricht man vom Abbummeln der Überstunden. Sie dürfen also an einem folgenden Arbeitstag früher nach Hause.

Zählt die Berufsschule zur Arbeitszeit?

Der Gesetzgeber hat die theoretische Ausbildung in der Berufsschule klar geregelt. Wenn Sie pro Tag mehr als fünf Stunden Berufsschule haben, wird Ihnen ein voller Arbeitstag angerechnet. Bei Blockunterricht mit mindestens 25 Wochenstunden zählt Ihr Besuch in der Berufsschule als volle Arbeitswoche mit der vertraglich vereinbarten Stundenzahl. 

In einigen Betrieben verlangt der Arbeitgeber, dass Sie nach der Berufsschule noch in die Firma kommen und arbeiten. Auch wenn eine Ablehnung Ihrerseits zur Diskussion führt: Sie sind im Recht und brauchen nach einem Berufsschultag nicht im Ausbildungsbetrieb erscheinen.

Hinweis: Treten Sie selbstbewusst und wissend auf

Die Einhaltung von jugendarbeitsschutzrechtlichen Vorschriften ist nicht in jedem Betrieb eine Selbstverständlichkeit. Wenn Ihr Arbeitgeber oder Ausbilder gegen die Regeln arbeitet, weisen Sie auf Ihr Recht hin und sagen selbstbewusst nein. Wenn Sie einmal nachgeben, werden Sie auch in Zukunft der erste Ansprechpartner für Mehrarbeit sein.

Bei Schichtarbeit: Zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr ist Ruhezeit

Grundsätzlich dürfen Jugendliche unter 18 Jahren nicht im Schichtbetrieb arbeiten. Die gesetzliche Nachtruhe beginnt um 20:00 Uhr am Abend und endet am Folgemorgen um 6.00 Uhr. Doch es gibt einige Ausnahmen, wie zum Beispiel bei einer Ausbildung oder beruflichen Tätigkeit in Bäckereien oder in der Gastronomie. 

Ab 16 Jahren dürfen Sie Ihren Dienst um 5:00 Uhr, ab 17 Jahren sogar um 4:00 Uhr morgens beginnen. Diese Ausnahme gilt aber nicht generell für Branchen im Schichtsystem. So dürfen Sie bis zum Eintritt in die Volljährigkeit in der Produktion nicht im Nachtdienst oder in Schichten, die ins Wochenende reichen, beschäftigt werden.

Ruhe- und Pausenzeiten: Wie lautet die Regelung?

Sie arbeiten im Regelfall mehr als sechs Stunden. Das heißt, dass Ihnen pro Tag eine einstündige Pause zusteht. Bei Arbeitstagen unter sechs Stunden beträgt die gesetzliche Pausenzeit eine halbe Stunde. Eine Teilung der Gesamtpausenzeit ist möglich, doch müssen Sie die erste Pause spätestens viereinhalb Stunden nach Arbeitsbeginn einlegen.

Als jugendlicher Arbeitnehmer steht Ihnen eine durchgängige Ruhezeit von mindestens zwölf Stunden zu. Wenn Sie zum Beispiel im Handel bis 20:00 Uhr arbeiten, darf Ihr nächster Arbeitstag nicht mit einer Frühschicht mit Arbeitsbeginn um 6:00 Uhr starten. 

Tipp: Klar geregelte Pausenzeiten beachten

In den meisten Betrieben sind die Pausenzeiten klar geregelt. Ist das nicht der Fall, schlagen Sie zum Beispiel einen Pausenkalender mit festgelegten Zeiten vor. So wissen Ihre Kollegen, wann und wie lange Sie in der Pause sind. 

Wochenendarbeit und andere Besonderheiten

Prinzipiell gilt für Sie die Fünf-Tage-Woche. Das heißt, Sie werden von Montag bis Freitag beschäftigt und haben am Wochenende frei. Doch auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, beispielsweise in der Gastronomie, im Friseurhandwerk und in der Hotellerie, aber auch in medizinischen und pflegenden Einrichtungen. Zwei Wochenenden pro Monat müssen Sie dennoch frei haben und die Arbeitswoche mit fünf Tagen darf nicht überschritten werden. 

Beispiel: Ihre Tätigkeit in der Krankenpflege

In Pflegeberufen wird auch Samstags und Sonntags gearbeitet. Da kann es durchaus passieren, dass Sie zum Beispiel für eine erkrankte Kollegin einspringen und ihren Dienst übernehmen müssen. Dafür bekommen Sie am Montag und Dienstag oder an zwei anderen Arbeitstagen der kommenden Woche frei. 

Feiertags arbeiten unter 18 Jahren?

Die gleichen gesetzlichen Vorschriften wie für die Wochenendarbeit gelten bei Beschäftigten unter 18 Jahren für Feiertagsarbeit. Müssen Sie branchenbedingt an einem Feiertag arbeiten, muss Ihnen dafür an einem naheliegenden regulären Arbeitstag freigegeben werden. 

Der Ausgleichstag darf nicht auf die lange Bank geschoben, sondern muss unmittelbar in der selben oder spätestens in der nächsten Woche gewährt werden.

Hinweis: Feiertage fernab der Ausnahmeregelung

In Deutschland gibt es vier Feiertage, an denen Jugendliche auch in Ausnahmebranchen nicht beschäftigt werden dürfen. Sollen Sie am 25. Dezember, am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag oder am 1. Mai arbeiten, können Sie diese Aufforderung Ihres Arbeitgebers ohne Konsequenzen mit Verweis auf das Jugendarbeitsschutzgesetz ablehnen.

Wie viel Urlaub steht jugendlichen Arbeitnehmern zu?

Sind Sie unter 16 Jahre, steht Ihnen ein Mindesturlaubsanspruch von 30 Tagen im Jahr zu. Unter 17 Jahren bekommen Sie laut Gesetzgeber mindestens 27 Tage, unter 18 Jahren mindestens 25 Tage Urlaub. Mindestens zehn Urlaubstage sollten zusammenhängend und ohne jegliche Unterbrechung gewährt werden. In vielen Unternehmen ist es allerdings so, dass die Ferienzeit den Beschäftigten mit Kindern vorbehalten ist. 

Tipp: Bei Urlaub mit Berufsschulunterbrechungen steht Ihnen Zusatzurlaub zu!

Dürfen Sie Ihren Urlaub nicht in den Berufsschulferien nehmen und müssen in der Urlaubszeit zur Schule, steht Ihnen pro Berufsschultag laut Jugendarbeitsschutzgesetz ein zusätzlicher Urlaubstag zu. 

Gefährliche Arbeiten sind unter 18 generell verboten

Prinzipiell gefährliche Arbeiten dürfen von jugendlichen Arbeitnehmern nicht verlangt werden. Das gleiche gilt für die Bedienung von Maschinen, für die eine spezielle und die Volljährigkeit erfordernde Ausbildung nötig ist.

Arbeitgeber tragen die volle Verantwortung zur Unterweisung im Arbeitsschutz. Mangelndes Sicherheitsbewusstsein und eine erhöhte Risikobereitschaft müssen bei Beschäftigten unter 18 Jahren einkalkuliert werden. Einige Tätigkeiten sind daher bis zur Volljährigkeit strikt untersagt.

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