Kurz mit den Gedanken woanders und schon blitzt es. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung beim Fahren kostet viel Geld. Bevor der Bußgeldbescheid nach Hause kommt, erhalten Sie jedoch grundsätzlich einen Anhörungsbogen. Jetzt kommt es auf das richtige Vorgehen an.

Das ist ein Anhörungsbogen

Ein Anhörungsbogen ist ein spezielles Schreiben, das Sie bei zu schnellen Fahren oder jeder anderen Verkehrsordnungswidrigkeit bekommen. Mit dem Schreiben erhalten Sie grundlegende Informationen und die Möglichkeit, sich zu äußern. 

Welchem Zweck dient der Anhörungsbogen?

Als Betroffener oder Halter des Fahrzeugs erhalten Sie das Schreiben von der zuständigen Behörde. Dieser Bogen ermöglicht Ihnen, sich zum Sachverhalt zu äußern. Schließlich gewährt das deutsche Grundgesetz jedem Deutschen das Recht auf rechtliches Gehör. Vor der Zustellung des Bußgeldbescheids ist es folglich zwingend notwendig, dass Sie die Möglichkeit zur Äußerung haben. 

Hinweis: Keine Anhörung, schnelle Verjährung

Nicht erst der Zugang des Anhörungsbogen unterbricht die Verjährung, sondern bereits die ordnungsgemäße Verfügung in der Behörde, dass dieser erstellt und versendet werden soll. Wenn dieser aber nicht zugestellt wird, kann es sein, dass Ihre Ordnungswidrigkeit schon in Kürze verjährt. Ohne Anhörung sollten Sie immer prüfen, ob Sie das Bußgeld überhaupt noch zahlen müssen. 

Was enthält das Schreiben?

Zunächst enthält der Anhörungsbogen verschiedene Informationen zum Tatbestand. Dabei handelt es sich um den Ort und Zeitpunkt des Verstoßes. Darüber hinaus muss Ihnen dargelegt werden, welchen Verstoß Sie begangen haben. In den meisten Fällen blitzt die Polizei die Autofahrer. Dann steht im Anhörungsbogen, mit welcher Geschwindigkeit sie geblitzt wurden. 

Darüber hinaus bekommen Sie Informationen zum voraussichtlichen Bußgeld. Bereits im Zuge der Anhörung erfahren Sie, wie viel Geld Sie am Ende eines erfolgreichen Bußgeldverfahrens bezahlen müssen. Beim Blitzen enthält der Anhörungsbogen zudem das klassische Blitzerfoto als Beweismittel. 

Sofern nicht klar ist, ob Sie der Fahrer sind, müssen Sie als Halter des Fahrzeuges zunächst einen Zeugenfragebogen ausfüllen.

Den Anhörungsbogen ausfüllen oder nicht

Der Anhörungsbogen dient dem Zweck, dass Sie sich bei der zuständigen Behörde zu den Vorwürfen äußern können. Als Betroffener müssen Sie dies jedoch nicht tun. Sie sind zwar verpflichtet, den Bogen mitsamt Angaben zu Ihrer Person zurückzusenden. Angaben zur Sache sind dagegen nicht verpflichtend.

Was passiert, wenn Sie sich nicht zur Sache äußern?

In Deutschland ist es gesetzlich geregelt, dass sich niemand selbst belasten muss. Folglich besteht keine Verpflichtung, Angaben zur Sache zu machen. Allerdings drohen ordnungsrechtliche Sanktionen, falls Sie wiederholt keine Angaben zur Sache machen. 

Mögliche Folgen der Nichtbeantwortung:

  • Vernehmung bei der Polizei
  • Anhörung in der Bußgeldstelle
  • zukünftige Führung eines Fahrtenbuchs

Ist auch eine persönliche Anhörung möglich?

Nicht immer bekommen Sie einen schriftlichen Anhörungsbogen. Falls Sie die Polizei direkt am Unfallort oder beim Blitzen anhält, kann die Anhörung auch persönlich erfolgen. Bei einer derartigen Anhörung sollten Sie von Ihrem Recht zu schweigen, Gebrauch machen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie sich selbst belasten. 

Tipp: Vor der rechtlichen Beratung keine Angaben zur Sache machen

Wer sich bei einem Rechtsanwalt hinsichtlich der Folgen und Möglichkeiten eines Einspruchs informieren möchte, sollte keine Angaben zur Sache machen. Die zuständige Behörde darf Ihr Schweigen nicht negativ werten. Folglich können Sie nur verlieren. Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Das gilt auch und gerade, wenn Sie einen Anhörungsbogen erhalten. 

Sollten Sie sich äußern, wenn ein Anderer gefahren ist?

Die gesetzliche Situation ist dahingehend eindeutig. Eine Selbstbelastung ist zu keinem Zeitpunkt nötig. Wenn Sie das Auto gar nicht gefahren und lediglich der Halter des Fahrzeugs sind, können Sie mit dem Anhörungsbogen Ihre Unschuld beweisen. Als Halter des Fahrzeugs können Sie dann einfach den tatsächlichen Täter nennen. Allerdings besteht auch dahingehend keine Verpflichtung. 

Die Frist beim Anhörungsbogen

Das ständige Nichtbeantworten und Ignorieren des Schreibens ist keine Lösung. Schließlich wartet die Behörde nicht endlos auf Ihre Antwort. Aus diesem Grund gibt es eine Frist, die für die Beantwortung des Schreibens gilt.

Wie lange haben Sie Zeit zur Äußerung?

Das hängt von dem Schreiben und den rechtlichen Regelungen ab. Auf den meisten Anhörungsbögen steht, dass Sie sich innerhalb einer Woche äußern sollten. In der Praxis lässt Ihnen die zuständige Behörde allerdings häufig mehr Zeit.

Tipp: Anhörung unterbricht die Verjährung ein einziges Mal

Eine Anhörung unterbricht die Verjährung der Verkehrsordnungswidrigkeit lediglich ein einziges Mal. Falls die Polizei Sie bereits persönlich vor Ort angehört hat, führt das Schreiben zu keiner weiteren Unterbrechung. Folglich bestehen gute Chancen, dass die drei Monate ohne Zustellung eine Bußgeldbescheids verstreichen.

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