Zu schnell, mit dem Handy in der Hand oder bei Rot über die Ampel gefahren. Verkehrsordnungswidrigkeiten gibt es viele. Werden Sie bei einer davon auf frischer Tat ertappt, drohen neben Bußgeldern auch Punkte in Flensburg. Erfahren Sie in unserem Ratgeber, wie Sie unangenehme Konsequenzen vermeiden können.

Das Punktesystem des Kraftfahrt-Bundesamtes

Zuständig für die Verwaltung der Verkehrssünder-Punkte ist das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg. Durch den Sitz des Bundesamtes hat sich im Volksmund die Rede von den „Punkten in Flensburg“ ergeben. Das Kraftfahrt-Bundesamt führt das sogenannte Fahreignungsregister.

Alle Verkehrsverstöße, welche mit Punkten geahndet wurden, werden in diesem Register erfasst, verwaltet und überwacht. Die rechtliche Grundlage dazu findet sich im Straßenverkehrsgesetz und in der Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr. Abhängig von der Schwere Ihres Vergehens erhalten Sie unterschiedliche viele Punkte. Auch Verkehrsverstöße durch Fahrradfahrer werden mit Punkten bestraft.

1 Punkt gibt es für einen schweren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. Dieser liegt vor, wenn durch Ihre Handlung eine Gefährdung im Straßenverkehr begangen wurde und das Bußgeld mindestens 60 EUR beträgt, jedoch kein Regelfahrverbot verhängt wurde. Beispiele:

  • Handynutzung
  • Überfahren der roten Ampel unter einer Sekunde Rotzeit
  • Fahren ohne Winterreifen.

2 Punkte bekommen Sie für einen besonders schweren Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung. Dieser liegt vor bei Ordnungswidrigkeiten mit Regelfahrverbot und mindestens 60 EUR Bußgeld und bei Straftaten ohne Entziehung der Fahrerlaubnis. Beispiele:

  • Alkoholverstöße
  • hohe Geschwindigkeitsverstöße
  • Überfahren der roten Ampel über einer Sekunde Rotzeit.

3 Punkte werden für eine Straftat mit Entzug der Fahrerlaubnis oder mit einer Fahrerlaubnissperre verhängt. Beispiele:

Welches konkrete Vergehen mit wie vielen Punkten bestraft wird, können Sie im sogenannten Bußgeldkatalog unter einsehen.

Die Strafen bei Punkten in Flensburg

Jede Person hat ein eigenes Punktekonto. Auf diesem werden alle Punkte, die zur Strafe verhängt wurden, erfasst. Seit der Reform der Flensburger Punkte im Jahr 2014 führen acht oder mehr Punkte zum Entzug der Fahrerlaubnis. Folgende Tabelle zeigt die einzelnen Stufen auf dem Weg dorthin.

Dementsprechend können Sie sich die verschiedenen Phasen mit den daraus resultierenden Kosequenzen als Ampel-System vorstellen.

Konsequenzen bei Punkten in Flensburg

Das Fahreignungsseminar kommt speziell im Rahmen des Punktesystems zum Einsatz, um bei regelmäßigen Verkehrssündern mit verkehrspädagogischen und verkehrspsychologischen Inhalten eine Änderung des Verhaltens im Straßenverkehr zu erzielen. Mit der Teilnahme an diesen Seminaren können Sie einmal innerhalb von fünf Jahren einen Punkt abbauen, sofern der aktuelle Punktestand nicht über 5 liegt.

Achtung: Kein Punkteabbau bei über 5 Punkten

Liegt der Punktestand bereits über 5 Punkten, ist ein Punkteabbau nicht mehr möglich. Die Teilnahme signalisiert in diesem Fall jedoch, dass Sie Ihr Fehlverhalten einsehen und um eine bessere Fahrweise bemüht sind.

Wie können Sie Ihren Punktestand abfragen?

Ihren aktuellen Punktestand können Sie direkt beim Kraftfahrt-Bundesamt abfragen. Anfordern können Sie dies

  • direkt und persönlich vor Ort (Personalausweis muss vorhanden sein)
  • über den Postweg
  • oder online mit dem neuen Personalausweis und dem dazugehörigen Kartenlesegerät.

Die Homepage des Kraftfahrt-Bundesamtes hält alle wichtigen Informationen dazu bereit. Die Abfrage ist kostenlos.

Das Löschen von Punkten in Flensburg

Die erhaltenen Punkte werden nach bestimmten Fristen wieder gelöscht. Neue Verstöße verlängern diese Fristen nicht, sie werden pro Verstoß einzeln verhängt. Wie lange die Punkte im Fahreignungsregister eingetragen bleiben, ist abhängig von der erhaltenen Punktezahl pro Verstoß.

Die Löschfristen für schwere Vergehen sind sehr lange. Hinzu kommt, dass nach der Löschfrist die sogenannte Überliegefrist greift. Dies bedeutet, dass der Löschvorgang noch ein weiteres Jahr gespeichert wird und damit einsehbar bleibt. Rechtlich hat dies folgenden Hintergrund: Bei der Verhängung von Punkten gilt das Tattagprinzip.

Das Prinzip bedeutet, dass der verhängte Punkt rückwirkend ab dem Tag der Tat gültig ist, auch wenn er durch den Verwaltungsablauf verspätet eingetragen wird. Die bereits gelöschten Punkte können entsprechend immer noch von Bedeutung sein und im Extremfall sogar zum Entzug der Fahrerlaubnis beitragen.

Beispiel: Das Tattagsprinzip in der Praxis

Mark hat in Flensburg bereits 6 Punkte. 2 Punkte werden am 15. Mai 2019 gelöscht. Am 13. Mai 2019 wurde Mark mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit erwischt. Er erhält dafür erneut 2 Punkte. Bis zum Eintrag der neuen Punkte in Flensburg, sind 2 der 6 Punkte bereits gelöscht worden.

Aufgrund der Überliegefrist ist die Löschung jedoch noch einzusehen. Damit ist ersichtlich, dass zum Tattag, dem 13. Mai 2019, 6 Punkte vorhanden waren und gemeinsam mit den an diesem Tag neu erhaltenen Punkten der Gesamtpunktestand dann 8 betrug. Es kommt zum Entzug der Fahrerlaubnis.

Der Verkauf von Punkten in Flensburg

Im Zusammenhang mit den Flensburger Punkten taucht häufig die Frage auf, ob es möglich ist, Punkte zu verkaufen. Dabei ist jedoch nicht gemeint, dass man die Punkte gegen die Zahlung einer Geldstrafe löschen lassen könnte. Vielmehr geht es bei diesem illegalen Geschäft darum, dass ein Verkehrssünder eine Person bezahlt, damit diese den Verstoß und die Punkte auf sich nimmt.

Nehmen wir an, eine Person hat bereits 6 Punkte in Flensburg. Nun lässt sich diese erneut mit überhöhter Geschwindigkeit blitzen und erhält einen Bußgeldbescheid mit 2 Punkten. Sobald die Person den Verstoß zugibt, erhält sie die Punkte und es kommt zum Entzug der Fahrerlaubnis.

Im Bußgeldbescheid gibt es neben der Möglichkeit das Vergehen einzuräumen auch immer die Möglichkeit, anzugeben, wer das Fahrzeug tatsächlich geführt hat. Zudem sollten Sie Ihren Bußgeldbescheid prüfen lassen, um mögliche Fehler im Bußgeldbescheid zu erkennnen.

Der Bußgeldbescheid ergeht nämlich immer direkt an den Fahrzeughalter, welcher ja nicht zwingend der Fahrzeugführer an diesem Tag gewesen sein muss. Nun liegt die Idee nahe, eine Person zu finden, welche den Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung auf sich nimmt und damit anstatt des tatsächlichen Sünders die Punkte erhält.

Wer bietet den Verkauf von Punkten an?

Im Internet finden sich Agenturen, über die es möglich ist, seine Punkte zu verkaufen. Diese arbeiten mit Personen zusammen, die bereit sind gegen Geldzahlung Punkte auf sich zu nehmen. Entweder, weil ihr Punktekonto leer ist oder weil sie nicht auf ihre Fahrerlaubnis angewiesen sind.

Pro Punkt können hier schnell 300 EUR Verkaufsgebühr fällig werden. Für schwere Straftaten deutlich mehr. Dieser Punktehandel ist illegal und sowohl der Verkäufer als auch die Agentur und der Käufer nehmen die strafrechtliche Verfolgung in Kauf.

Ist der Punkteverkauf im privaten Umfeld ungefährlicher?

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, im privaten Umfeld Freunde, Bekannte und Familienmitglieder darum zu bitten, den Verstoß auf sich zu nehmen. Diese sind eventuell sogar ohne Zahlung großer Verkaufsbeträge bereit, die Punkte zu übernehmen.

Doch auch hier gilt: die Abwälzung einer Verkehrsordnungswidrigkeit auf einen Unschuldigen ist verboten. Auch, wenn dieser einverstanden ist und selbst unterschreibt Fahrer gewesen zu sein. Eine Strafe müssen auch hier beide Beteiligte befürchten.

Welche Strafen drohen?

Beim Verkauf beziehungsweise bei der Übernahme von Verkehrssünder-Punkten liegt der Straftatbestand der falschen Verdächtigung aus § 164 Strafgesetzbuch vor. Neben einer Geldstrafe kann hier in schweren Fällen auch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren drohen.

Lohnt sich der Punkteverkauf?

Der Handel mit Flensburger Punkten ist höchst illegal und sollte für Sie keine Option sein. Selbst wenn Sie durch den Entzug der Fahrerlaubnis in Schwierigkeiten geraten, ist die Gefahr gegeben sich durch den Handel zusätzlich strafbar zu machen. Insbesondere beim Handel im Internet ist das Kraftfahrt-Bundesamt sensibilisiert und hinterher, um Agenturen und Privatpersonen aufzuspüren, welche mit Punkten handeln. Die empfindlichen Strafen des Deliktes wiegen deutlich schwerer als der Verstoß an sich.

Tipp: Wählen Sie lieber das Fahreignungsseminar

Anstatt sich auf illegale Geschäfte einzulassen, empfehlen wir Ihnen rechtzeitig das Fahreignungsseminar zu besuchen. Sobald Ihr Punktestand 4 oder 5 Punkte beträgt, ist dies sinnvoll und Sie bauen zudem einen Punkt ab. Informieren Sie sie sich vorab über den MPU Ablauf.

 

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