Der Staat fördert mit dem Baukindergeld Familie und Alleinerziehende beim Eigenheimkauf. Sinn und Zweck dieses staatlichen Förderprogramms ist es, Familien mit einem kleinen Einkommen beim Kauf oder Bau eines Hauses finanziell unter die Arme zu greifen.

Das Baukindergeld: Höhe und Antrag

Die Große Koalition hat aufgrund der Wohnraumoffensive das Baukindergeld eingeführt. Das Baukindergeld stellt eine Leistung der staatlichen Förderbank dar, welche nicht zurückgezahlt werden muss. Ziel ist es, die Eigenheimquote zu verbessern, indem Familien und Alleinerziehenden der Bau oder Kauf eines Hauses attraktiver gemacht wird.

Wie hoch ist das Baukindergeld?

Die Höhe des Baukindergeldes richtet sich nach der Anzahl der kindergeldberechtigten Kinder, die mit Ihnen zusammenleben. Pro Kind erhalten Sie von der staatlichen Förderbank zehn Jahre lang 1.200 EUR im Jahr. Insgesamt steht Ihnen somit pro Kind ein Betrag von 12.000 EUR zu. 

Hoehe Baukindergeld

Hinweis: Familien in Bayern haben einen höheren Anspruch 

Das Baukindergeld in Bayern fällt 300 EUR höher aus. Wenn Sie in Bayern leben, haben Sie somit einen Anspruch auf 1.500 EUR jährlich pro Kind. Das Bayerische Baukindergeld Plus müssen Sie bei der Bayerischen Landesbodenkreditanstalt beantragen. 

Einen rechtlichen Anspruch auf das Baukindergeld oder das Bayerische Baukindergeld Plus haben Sie jedoch nicht. Diese staatliche Förderung wird so lange an Familien ausgezahlt, wie Mittel vorhanden sind. Eingeplant wurden für das Baukindergeld 9,9 Milliarden EUR.

Wie wird das Baukindergeld beantragt?

Den Antrag auf Baukindergeld können Sie online bei der staatlichen Förderbank (KfW) beantragen. Den Antrag können Sie jedoch erst stellen, wenn Sie auch tatsächlich in der Immobilie wohnen. Als Nachweis hierfür dient die Meldebescheinigung

Um den Antrag zu stellen, müssen Sie ein Online-Formular ausfüllen. Hier müssen Sie Name, Adresse, Anzahl und Alter der Kinder ausfüllen. Nachdem Sie den Antrag abgeschickt haben, erhalten Sie eine Eingangsbestätigung und die Aufforderung, Ihre Identität nachzuweisen. Zudem müssen Sie alle notwendigen Unterlagen wie 

  • Meldebescheinigung
  • Grundbuchauszug und
  • Einkommenssteuerbescheid 

hochladen. Erst dann kommt es zur Bearbeitung Ihres Antrags auf Baukindergeld.

Wie erfolgt die Auszahlung des Baukindergeldes?

Die Auszahlung des Baukindergeldes erfolgt jährlich. Sobald Sie den Antrag gestellt haben und die staatliche Förderungsbank Sie als förderungsberechtigt eingestuft hat, erhalten Sie einen Bescheid. Hier wird auch das Datum der ersten Auszahlung mitgeteilt. Sollte sich an Ihrer Lebenssituation nichts ändern, erfolgt die Auszahlung des Baukindergeldes zehn Jahre lang am gleichen Datum

Die Voraussetzungen für das Baukindergeld

Um von dem Baukindergeld zu profitieren, müssen Sie einige Voraussetzungen erfüllen. Hier kommt es z.B. auf 

  • Ihr Einkommen
  • das Alter Ihrer Kinder 
  • und wann Sie eine Baugenehmigung erhalten haben 

an.

Wie hoch darf das Einkommen sein?

Da das Ziel des Baukindergeldes ist, Familien oder Alleinerziehenden mit einem geringeren Einkommen den Kauf oder Bau eines Hauses schmackhaft zu machen, spielt das Einkommen der Familie bei der Bewilligung des Baukindergeldes eine entscheidende Rolle. 

Um die staatliche Förderung in Anspruch nehmen zu können, darf Ihr jährlich zu versteuerndes Einkommen nicht über 75.000 EUR liegen. Pro Kinder erhalten Sie zudem einen Freibetrag von 15.000 EUR. Wenn Sie also zwei Kinder haben, würde Ihre Einkommensgrenze bei 105.000 EUR liegen. Maßgebend ist das familiäre Einkommen der letzten beiden Kalenderjahre vor dem Hausbau oder -kauf. 

Hoehe Einkommen Baukindergeld

Hinweis: Versteuerndes Einkommen niedriger als Bruttoeinkommen

Sofern Sie Kinder haben, ist Ihr Bruttoeinkommen nicht automatisch auch das zu versteuernde Einkommen. Grund hierfür ist der Kinderfreibetrag. Wenn Sie also herausfinden wollen, wie hoch Ihr zu versteuerndes Einkommen ist, dann können Sie dies aus Ihrem letzten Steuerbescheid entnehmen. 

Sind Kinder eine Voraussetzung für das Baukindergeld?

Um die Voraussetzungen des Baukindergeldes zu erfüllen, müssen Sie zudem mindestens ein Kind haben. Dieses muss bei der Antragstellung zudem noch unter 18 Jahre alt sein und Sie müssen für dieses noch einen Anspruch auf Kindergeld haben. Ältere Kinder werden bei der Beantragung des Baukindergeldes nicht berücksichtigt. Sind Sie alleinerziehend, muss Ihr Kind zudem mit in die von Ihnen gekaufte oder gebaute Immobilie einziehen. 

Wird jeder Kauf oder Bau einer Immobilie gefördert?

Wenn Sie oder Ihr Partner bereits eine Immobilie besessen haben, dann haben Sie leider keinen Anspruch mehr auf Baukindergeld. Dies gilt auch für Immobilien, die Sie geschenkt oder vererbt bekommen. Förderungsfähig sind Sie nur, wenn Sie zum ersten Mal eine Immobilie erwerben oder kaufen. Weiterhin darf der Preis für die Immobilie nicht unterhalb des Baukindergeldzuschusses liegen. 

Für welchen Zeitraum wird das Baukindergeld vergeben?

Da das Baukindergeld einen finanziell begrenzten Rahmen hat, gilt der Förderungszeitraum nur vom 01.01.2018 bis 31.12.2020. Damit Sie in diesem Jahr noch eine Förderung in Form des Baukindergeldes erhalten, sollten Sie entweder die Baugenehmigung oder den Kaufvertrag bis spätestens 31.12.2020 vorlegen können. Den Antrag auf Baukindergeld müssen Sie nicht bis zum 31.12.2020 stellen, die staatliche Förderungsbank nimmt die Anträge bis zum 31.12.2023 entgegen. 

Gibt es noch ungeklärte Sachverhalte bei der Wunschimmobilie, können Sie sich mittels eines Vorvertrages beim Hauskauf absichern. Dieser Vertrag kann ggf. ebenfalls als Nachweis gelten.

Folgende Fristen müssen Sie bei der Beantragung des Baukindergeldes berücksichtigen: 

Beachten Sie jedoch, dass die Förderungsmittel für das Baukindergeld begrenzt sind. Das Baukindergeld kann daher nur solange genehmigt werden, wie auch Förderungsmittel zur Verfügung stehen. Sollten diese bereits vor dem 31.12.2023 aufgebraucht sein, erhalten Sie auch kein Baukindergeld, da kein rechtlicher Anspruch auf die staatliche Förderung besteht. 

Was passiert, wenn sich die Lebenssituation verändert?

Das Baukindergeld wird nur solange ausgezahlt, wie Sie auch tatsächlich in der Immobilie wohnen. Sollten Sie aus der Immobilie ausziehen, diese vermieten oder verkaufen, werden auch die Baukindergeldzahlungen eingestellt. 

Auch eine Trennung oder Scheidung kann Probleme nach sich ziehen. Hier müsste zumindest ein Elternteil mit den Kindern in der Immobilie wohnen bleiben, um weiterhin Baukindergeldzahlungen zu erhalten. 

Berechnung des Baukindergeldzuschusses

Wie hoch Ihr Baukindergeldzuschuss anhand Ihres Einkommens und der Anzahl der vorhandenen Kinder ausfällt, können Sie der nachfolgenden Tabelle entnehmen: 

Beispiel: Kosten für den Erwerb müssen höher sein als der Baukindergeldzuschuss

Wenn Sie zwei Kinder haben und Ihr Einkommen unterhalb von 105.000 EUR liegt, erhalten Sie jährlich 2.400 EUR und insgesamt einen Baukindergeldzuschuss von 24.000 EUR (2.400 EUR x 10 Jahre Förderungsdauer). Die Kosten für den Eigentumserwerb ohne Erwerbsnebenkosten (Notargebühren) müssen somit höher ausfallen als die Förderung durch das Baukindergeld. In diesem Beispielsfall also höher als 24.000 EUR. 

Anwendungsmöglichkeiten des Baukindergeldes

Da das Baukindergeld nicht in einer Summe, sondern jährlich ausgezahlt wird, kann dieses nicht als Eigenkapital für den Kauf oder Bau einer Immobilie genutzt werden. Man muss sich daher die Frage stellen, inwieweit man das Baukindergeld sinnvoll einsetzt. 

Kann das Baukindergeld für die Sondertilgung genutzt werden?

Durch die jährliche Auszahlung des Baukindergeldes erscheint es sinnvoll, diesen Betrag als Sondertilgung einzusetzen. Hierdurch reduziert sich die Restschuld schneller und auch die Zinskosten reduzieren sich. Ob eine Sondertilgung bei Ihrem Kredit möglich ist, müssen Sie dem Kreditvertrag entnehmen. Bei den meisten Kreditverträgen ist dies jedoch möglich. Eine Sondertilgung kann jedoch auch Kosten verursachen. Daher müssen Sie schauen, wie viel Prozent der Restschuld Sie im Jahr ohne Zusatzkosten tilgen können. 

Ist es sinnvoll, dass Baukindergeld für ein Eigenkapital-Ersatz-Darlehen einzusetzen?

In der Regel benötigt man für die Baufinanzierung ein gewisses Eigenkapital. Ist dies nicht vorhanden, müssen Sie einen weiteren Ratenkredit (Eigenkapital-Ersatz-Darlehen) aufnehmen, um von den niedrigen Zinsen bei der Baufinanzierung zu profitieren. Dies bedeutet für Sie, dass Sie neben der Hauptfinanzierung und den Nebenkosten für das Haus noch einen weiteren Kredit tilgen müssen. 

Hinweis: Bei schlechten Konditionen Widerrufsmöglichkeiten prüfen

Sie haben bereits eine Baufinanzierung abgeschlossen und ein deutlich lukrativeres Angebot erhalten? Prüfen Sie, ob Sie Ihre Baufinanzierung widerrufen können.

Die Zinsen für dieses Eigenkapital-Ersatz-Darlehen sind relativ hoch, sodass es sinnvoll ist, diesen Kredit schnellstmöglich zurückzuzahlen. Daher kann es sinnvoll sein, das Baukindergeld als Sondertilgung für diesen Kredit zu verwenden. Aber auch hier müssen Sie prüfen, inwieweit und in welcher Höhe eine Sondertilgung jährlich möglich ist. 

Ist es sinnvoll, das Baukindergeld in einen Bausparvertrag zu stecken?

Für die Baufinanzierung ist in der Regel eine Sollzinsbindung vereinbart. Viele Kreditnehmer entscheiden sich bei der Finanzierung einer Immobilie für eine Sollzinsbindung von zehn Jahren. Innerhalb von zehn Jahren haben Sie jedoch Ihre Immobilie höchstwahrscheinlich nicht vollständig abbezahlt. Es bedarf daher einer Anschlussfinanzierung

Problem bei der Anschlussfinanzierung kann allerdings sein, dass die Zinsen hier höher ausfallen. Es kann daher sinnvoll sein, das Baukindergeld in einen Bausparvertrag zu investieren. Mit der Bausparsumme können Sie die bestehende Restschuld dann entweder vollständig oder teilweise tilgen.

Die Nachteile des Baukindergeldes

Das Baukindergeld unterstützt einkommensschwache Familien zwar bei der Finanzierung Ihres Eigenheims, jedoch bringt das Baukindergeld auch einige Nachteile mit sich: 

  • Die Nachfrage nach Immobilien steigt

Durch die staatliche Unterstützung steigt die Nachfrage nach Baugrundstücken und Eigentumswohnungen. Dies kann dazu führen, dass die Immobilienpreise erheblich ansteigen. Dies führt dann dazu, dass das Baukindergeld genau das Gegenteil von dem bewirkt, wofür es anfangs eingeführt wurde, nämlich dass sich einkommensschwache Familien weiterhin kein Eigenheim leisten können. 

  • Finanzielle Belastung

Das Baukindergeld wird lediglich für zehn Jahre gezahlt. Nach zehn Jahren hat eine Familie, die keine großen finanziellen Möglichkeiten zur Verfügung hat, eine Immobilie jedoch nicht abbezahlt. Wenn bei der Anschlussfinanzierung nunmehr höhere Zinsen verlangt werden, können einige Familien Zahlungsschwierigkeiten bekommen. 

  • Umverteilung der Steuergelder

Da das Baukindergeld eine staatliche Unterstützung darstellt, wird dieses aus den Steuergeldern finanziert. Somit kommt es zu einer Umverteilung der Steuergelder. Diese Gelder fehlen dann in anderen Bereichen wie z.B. dem Bildungsbereich.

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