Der Bundesgerichtshof hat die Verbraucherrechte gegenüber Online-Diensten gestärkt. Das betrifft auch den digitalen Nachlass. Das Facebook-Urteil dazu hat 2018 die Runde gemacht. Eine Mutter hatte geklagt, den Facebook-Account Ihrer Tochter einsehen zu können. Doch was gilt eigentlich?

Digitaler Nachlass: Online-Dienste kündigen, Nutzerkonten schließen

Im Todesfall muss nicht nur der Mietvertrag gekündigt, die Wohnung geräumt und bei der Bankfiliale vorgesprochen werden. Mittlerweile betrifft der Nachlass auch ein anderes Gebiet: Das digitale Erbe. Erben werden auf eine Reihe von kostenpflichtigen Online-Diensten zugreifen wollen. Vielleicht liegt Geld auf dem Paypal-Konto, Spotify muss gekündigt werden und auf diversen Plattformen sind Bankverbindungen mit Einzugsermächtigung hinterlegt, die Sie widerrufen müssen?

Alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen an Online-Diensten gehen auf die Erben über. Erben müssen die Verpflichtungen aus bestehenden Verträgen übernehmen. Und: Sie können über alle persönlichen Daten des Verstorbenen und seine Konten verfügen.

Hinweis: Lizenzen werden nicht vererbt

Auch der Rechner, das Smartphone, USB-Stick, externe Festplatten gehören zum digitalen Erbe, deren Besitz an die Erben übergeht. – Lizenzen für ein E-Book werden nicht vererbt. iTunes untersagt die Fortführung der Nutzungslizenz, die an das Konto des Nutzers gebunden ist.

Damit ist immerhin Ihre Rechtsstellung geklärt. Sie können sich darauf berufend an die Betreiber wenden, die notwendigen Kündigungen vornehmen und dafür sorgen, dass von nun an keine Beträge mehr abgebucht werden. Streamingdienste, TV-Abos, Datingportale. Ein wichtiger Schritt ist gemacht. Allerdings: Nachdem Sie die Bezahldienste gekündigt haben, ist es dennoch mitunter ein weiter Weg zur Schließung der Nutzerkonten und Löschung der Daten. Mehr dazu haben wir weiter unten ausgeführt.

Diese Möglichkeiten zur Vorbeugung haben Sie

Wer soll sich um Ihren digitalen Nachlass kümmern? Den digitalen Nachlass zu verwalten, verlangt eine nicht zu unterschätzende Beharrlichkeit, vor allem, wenn es um den Umgang mit den Daten geht, die auch nach dem Tod noch online sind. Finden Sie den Richtigen dafür, der dies nach Ihrem Tod vollstreckt oder bereits zu Ihren Lebzeiten, wenn Sie sich nicht mehr selbst um Ihre Belange kümmern können.

Wir zeigen Ihnen drei Methoden auf, wie Sie Ihren digitalen Nachlass regeln können:

  1. Einfache Vollmacht
  2. Vorsorgevollmacht
  3. Testament

Reicht eine einfache Vollmacht?

Die Vollmacht hat einen unschätzbaren Vorteil gegenüber allen anderen Methoden, den digitalen Nachlass in andere Hände zu geben: Sie ist einfach zu erstellen: Sie kann noch heute gemacht werden. Laden Sie den Vordruck herunter und füllen ihn aus, und der digitale Nachlass ist fürs Erste geregelt. Das Schwierigste daran ist die Findung einer Person, die bereit, die Arbeit auf sich zu nehmen. Also:

  • Erstellen Sie eine Vollmacht für den digitalen Nachlass. In dieser legen Sie fest, welche Person Ihren digitalen Nachlass regeln soll
  • Wichtig: die Vollmacht muss ausdrücklich „über den Tod hinaus“ gültig sein
  • Eine Muster-Vollmacht stellt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zur Verfügung

Empfehlung: Email-Konten des Verstorbenen möglichst spät kündigen

Es empfiehlt sich, die Email-Konten möglichst spät zu kündigen, denn viele Onlinedienste senden Ihre Mails, die in Verbindung mit der Löschung der Nutzerkonten zusammenhängen, an die Email-Adresse des Verstorbenen. Wiederhergestellte Passwörter gehen ebenfalls an seine Email-Adresse.

  • Auf einem separaten Dokument haben Sie alle Nutzerkonten notiert mitsamt den Passwörtern und am besten auch den Internetadressen. Sie drucken das Dokument aus und legen es dorthin, wo Sie Ihre wichtigen Papiere aufbewahren. Oder Sie speichern das Dokument auf einem USB-Stick.
  • Teilen Sie der Person, die Sie gerade bevollmächtigt haben, den Aufbewahrungsort Ihrer Nutzerkontenliste mit. Sie ihm auszuhändigen, ist nicht ratsam. Sonst müssten Sie z. B. bei jeder Passwortänderung Ihre Liste zurückverlangen.
  • Der von Ihnen Bevollmächtigte muss nicht zwingend ein Erbe sein.

Hinweis: Erteilen Sie Anweisungen, was genau mit Ihren Daten geschehen soll

Nachdem Sie Vollmacht erteilt haben, notieren Sie Anweisungen, wie die Erben mit den Konten verfahren sollen. Was soll mit Blog-Beiträgen, Bildern und Videos geschehen? Haben Sie Urheberrechte an Bildern und Texten? Vielleicht verkörpern sie einen Nachlass, den Sie bewahrt wissen wollen und sei es für eine begrenzte Zeit. Wenn es Daten gibt, auf die die Erben nicht zugreifen sollen, vermerken Sie das bitte.

Ist die Vorsorgevollmacht auch für den digitalen Nachlass nützlich?

Mit Ihrer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie einen gesetzlichen Vertreter für den Fall, dass Sie selbst wichtige Entscheidungen nicht mehr treffen können. Das kann Angelegenheiten im Krankenhaus betreffen, ebenso gut Mietsachen, wie halt auch Ihre Online-Verträge. Ihr Bevollmächtigter kann sich auf den betreffenden Seiten einloggen und dringende Angelegenheiten für Sie regeln.

Gilt die Vorsorgevollmacht über den Tod hinaus, dann kann die von Ihnen gewählte Person auch den digitalen Nachlass regeln.

Empfehlung: Vorsorgevollmacht für digitale Angelegenheiten separat erstellen

Sie können auch separat eine Vorsorgevollmacht für digitale Angelegenheiten treffen. Eine ausdrückliche Nennung des digitalen Nachlasses kann die Akzeptanz der Vollmacht im Rechtsverkehr stärken.

Die Vorsorgevollmacht hat gegenüber dem Testament den Vorteil, dass der Bevollmächtigte eben schon vor Testamentsvollstreckung und der Erteilung eines Erbscheins tätig werden kann.

Kann man den digitalen Nachlass auch im Testament regeln?

In Ihrem Testament können Sie einen Passus einfügen, der regelt, wer sich um das digitale Erbe kümmern soll oder das auf einem separaten Blatt ausdrücklich festlegen. Dies hat eine stärkere Rechtskraft als eine Vollmacht. Denn ein Erbe kann eine erteilte Vollmacht widerrufen.

Wenn der Verstorbene keine Liste mit Login-Daten hinterlassen hat

Gibt es keine Verfügung zum digitalen Nachlass, werden Sie den Erbschein brauchen. Einige Online-Diensteanbieter verlangen ihn ohnehin, wenn die Erben die Schließung des Benutzerkontos wollen.

Gibt es keine Aufzeichnungen über Login-Daten, dann wird es mühsam. Eine harte Arbeit für die Erben wird es so oder so. Denn sind Ihre Rechte auch gestärkt, müssen Sie alle Dienste, die ein Login verlangen, einzeln kündigen. Und sitzt der Online-Anbieter weit weg in Kalifornien, dann sind manche Hürden zur Nutzerkontenschließung hoch.

Muss man sich an jeden Online-Dienst einzeln wenden?

Die Erben müssen sich auf mühsame Spurensuche machen, sofern der Verstorbene keine Aufzeichnungen zu seinen Online-Logins gemacht hat. Sollte es einen Tisch-Rechner geben, dann können die Lesezeichen Auskunft geben, wo Nutzerkonten angelegt worden sind. Beim Smartphone ginge es über die Apps. Die mühevolle Anfragen an die entsprechenden Websites können beginnen.

Zwar hat der Verstorbene seine Nachlassverfügungen gemacht und Sie rechtskräftig eingesetzt, seinen digitalen Nachlass zu verwalten. Dennoch müssen Sie sich mit den unterschiedlichen Regeln der Online-Dienste befassen, wenn Sie das Nutzerkonto des Verstorbenen auflösen wollen.

Nutzerkonto löschen: Welche Nachweise verlangen die Online-Dienste?

Die Sterbeurkunde reicht oft aus. Gelegentlich wollen die Online-Dienste noch den Erbschein sehen. Sie können diesen Erbschein beantragen.

  • Ein Twitter-Nutzerkonto zu schließen, verlangt wiederum umfangreiche Dokumente, Kopie des Personalausweises, notarielle Beglaubigungen.
  • Die Email-Dienste bei web.de und gmx verlangen ebenfalls etliche Unterlagen. Aber auf web.de können Sie, sofern Sie die Login-Daten haben, den Account im Nutzerbereich löschen. Was Cloud-Dienste von den Erben erwarten, ist weitgehend ungeklärt.
  • LinkedIn macht es den Hinterbliebenen leicht. Snapchat und WhatsApp haben keine definierte Vorgehensweise, die Kontolöschung betreffend.
  • Amazon bietet im Benutzerkonto die Option an, das Konto zu schließen.
  • Derzeit können Sie sowohl bei Google als auch bei Facebook festlegen – sofern Sie einen Account dort haben – wie nach Ihrem Tod mit dem Nutzerkonto verfahren werden soll.

Das leisten digitale Nachlassverwalter

Es gibt Bestattungsunternehmen, die die Ermittlung des Nachlasses anbieten. In der Regel beauftragen sie im Anschluss Dienstleister, die bei Internetplattformen nachfragen, ob der Verstorbene dort Nutzerkonto hat. Besonders dort, wo der Verstorbene seinen Klarnamen und seine Adresse hinterlassen hat, sind die Chancen gut, fündig zu werden. Natürlich wird Ihnen diese Dienstleistung in Rechnung gestellt.

Andere „digitale Nachlassverwalter“ lesen den Rechner des Verstorbenen aus und kündigen gegebenenfalls die gefundenen Nutzerkonten. Es ist auch möglich, bei einem digitale Nachlassverwalter ein digitales Testament zu hinterlegen mitsamt der Nutzerdaten. Das dürfte allerdings nicht jedermanns Fall sein.

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