Jährlich kommt es deutschlandweit zu etwa 13.000 Problemflügen, was 1,5 % aller Flugbewegungen im Passagierverkehr entspricht. Zu Problemflügen zählen Ausfälle oder deutliche Verspätungen. Als betroffener Passagier haben Sie Rechte und können bei einem Flugausfall eine Entschädigung erhalten.

Fluggastrechteverordnung prüfen

Sind Sie von einem Flugausfall betroffen, sollten Sie Ihre Rechte kennen. In vielen Fällen haben Sie die Möglichkeit auf Ausgleichszahlungen oder weitere Zuwendungen. Geregelt ist dieses Recht auf dem Gebiet der EU in der Fluggastrechteverordnung. Sie können sich immer dann auf dieses Recht berufen, wenn der betroffene Flug in der EU startet.

Bei einer Landung auch dann, wenn die zuständige Airline in einem Land der EU ihren Sitz hat. Nach der EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 ist eine Airline dazu verpflichtet, betroffene Passagiere über ihre Rechte zu informieren.

Gibt es ein Angebot zur alternativen Beförderung?

Bevor Sie Ausgleichszahlungen in Anspruch nehmen können, müssen Sie der Fluggesellschaft eine alternative Beförderung zugestehen. Wird Ihnen eine alternative Beförderung angeboten, die als angemessen gilt, haben Sie kein Recht auf eine Ausgleichszahlung.

Eine angemessene alternative Beförderung liegt dann vor, wenn diese

  • mindestens sieben Tage vorher angekündigt wurde und nicht zwei Stunden früher als geplant startet oder nicht vier Stunden später als geplant landet.
  • kurzfristiger als sieben Tage vorher angekündigt wurde und nicht mehr als eine Stunde früher als geplant startet oder nicht mehr als zwei Stunden später landet.

Sie müssen die alternative Beförderung jedoch nicht annehmen, sondern können sich alternativ den Flugpreis erstatten lassen. Welche Form Sie hierbei wählen, hat keine Auswirkungen auf zusätzliche Ausgleichszahlungen.

Tipp: Entscheidung über alternative Beförderung

Ob Sie eine alternative Beförderung annehmen oder sich den Ticketpreis erstatten lassen, liegt am Ersatzangebot. Finden Sie selbst einen Flug, der günstiger ist oder besser passt, lassen Sie sich den Ticketpreis erstatten. Ist dies nicht der Fall, nehmen Sie die alternative Beförderung an.

Haben Sie Anspruch auf eine Ausgleichszahlung?

Konnte die Airline Ihnen keine alternative Beförderung anbieten, haben Sie im Normalfall das Recht, bei Flugausfall eine Entschädigung zu fordern. Einzige Ausnahme ist dann noch der Grund der außergewöhnlichen Umstände, welchen wir Ihnen im späteren Verlauf noch vorstellen werden.

Welche Ausgleichszahlung Ihnen zusteht, hängt von den Faktoren Zeitpunkt der Annullierung, Distanz und Verspätung ab. Je größer die Flugverspätung ist, desto höher fällt die Entschädigung bei einem Flugausfall aus. Der Ihnen zustehende Betrag variiert zwischen 125 EUR und 600 EUR. Wird Ihr Flug weniger als 14 Tage vor Abflug storniert, gelten die üblichen Ansprüche bei Flugstornierung.

Ein Flug, der um mehrere Stunden nach vorne verlegt wurde, gilt nach BGH-Urteil Az. X ZR 59/14 als annulliert. In diesem Fall haben Sie ebenfalls Rechte auf Ausgleichszahlungen. Auch wenn Ihr Flug umgebucht wird, können Sie unter Umständen Ansprüche bei Flugumbuchung geltend machen.

Was gilt als außergewöhnlicher Umstand?

Viele Airlines versuchen, eine Ausgleichszahlung zu vermeiden, indem Sie sich auf außergewöhnliche Umstände berufen. Diese schützen die Fluggesellschaften vor einer Zahlung und sind gesetzlich nicht klar geregelt, weshalb immer wieder Streitfälle darüber entstehen.

Die Gründe für Flugausfälle sind vielseitig:

  • Schlechtes Wetter
  • Streik
  • Überbuchung
  • Politische Unruhen
  • Krankes Personal
  • Technischer Defekt

In welchem Fall es sich um einen außergewöhnlichen Umstand handelt, hängt vom Einzelfall ab. Ein Blick auf das Wetter macht dies deutlich. Schlechtes Wetter ist ein undefinierter Begriff, weshalb die Fälle geprüft werden müssen. Ein Vulkanausbruch oder ein Blitzschlag zählen zu den außergewöhnlichen Umständen. Eine fehlende Enteisungsanlage bei Frost zählt wiederum nicht dazu.

Streiks sind ebenfalls außergewöhnliche Umstände, wenn diese nicht vorhersehbar waren. Ebenso Krieg, politische Unruhen oder Terror zählen zu den außergewöhnlichen Umständen. Eine Überbuchung hingegen ist immer ein Fehler der Airline.

Nahezu alle Arten von technischen Defekten oder krankheitsbedingte Gründe verantwortet die Fluggesellschaft. Aus diesen Fällen können Sie erkennen, dass die Klärung von außergewöhnlichen Umständen die häufigsten Streitgründe bei den Ausgleichszahlungen hervorrufen. Die Beweispflicht liegt bei der beklagten Airline. Bevor Sie sich auf Streitereien mit einer Airline einlassen, sollten Sie sich Rechtsbeistand durch einen Rechtsanwalt holen.

Zusätzliche Leistungen bei einem Flugausfall

Neben der Ausgleichszahlung haben Sie die Möglichkeit, weitere Leistungen von der Airline zu bekommen. Insbesondere während der Wartezeit hat die Fluggesellschaft eine Fürsorgepflicht. Außerdem gibt es Sonderfälle, die bei besonderen Flugkonstellationen auftreten können.

Was beinhaltet die Fürsorgepflicht während der Wartezeit?

Sie haben bei Wartezeiten das Recht auf zusätzliche Leistungen. Müssen Sie am Flughafen warten, weil die alternative Beförderung später stattfindet, so erhalten Sie eine Verpflegung. Sie haben das Recht auf kostenlose Erfrischungen und Nahrungsmittel. Außerdem dürfen Sie auf Kosten der Airline zwei Telefonate führen oder zwei Faxe bzw. Mails versenden. Haben Sie den Nachteil, dass der Alternativflug erst am nächsten Tag startet, muss die Fluggesellschaft Sie in einem Hotel unterbringen und zudem den Transfer dorthin bezahlen.

Die Airlines haben in der Regel Hotelkontingente, die sie Ihnen zur Verfügung stellen. Ist dies nicht der Fall, bekommen Sie eigene Kosten für Übernachtungen erstattet. Diese Rechte stehen Ihnen in Anhängigkeit von Distanz und Verspätung zu: Bei einer

  • Kurzstrecke bis 1.500 km ab zwei Stunden Verspätung
  • Mittelstrecke bis 3.500 km ab drei Stunden Verspätung
  • Langstrecke über 3.500 km ab vier Stunden Verspätung

Es spielt dabei keine Rolle, ob die Airline eine Schuld an der Wartezeit trifft oder nicht. Zum Nachweis sollten Sie dringend alle Belege über die Kosten sammeln, die Sie für Ihre Verpflegung aufwenden.

Was passiert bei verpassten Anschlussflügen und Pauschalreisen?

Haben Sie eine Flugreise gebucht, die mehrere Flüge beinhaltet, so muss die Fluggesellschaft Ihre Reise bis zum Endziel organisieren, wenn sie das Verpassen des Anschlussflugs zu verursachen hat. Kann die Airline keinen passenden Flug für die Weiterreise anbieten, dürfen Sie auf eine Reise per Bahn oder Bus bestehen. Etwaige Kosten können Sie sich erstatten lassen. Dies ist nach Urteil des EuGH sogar der Fall, wenn der Anschlussflug außerhalb der EU stattfindet.

Viele Flüge werden über Webseiten gebucht, die zusätzlich zum Preis der Airline eine Provision für die Vermittlung verlangen. Diese Provision können Sie sich bei Erstattung der Ticketpreise von der Fluggesellschaft erstatten lassen. Aber nur, wenn die Airline etwas von der Provision der Vermittler wissen konnte.

Empfehlung: Direkt gegen die Airline vorgehen

Haben Sie eine Pauschalreise inklusive Flug gebucht, können Sie bei einer Verspätung stets gegen die Fluggesellschaft selbst vorgehen. Ansprüche gegen den Reiseveranstalter können daneben bestehen, sind aber wegen der Beweislast viel schwieriger durchzusetzen, sodass es sich immer anbietet, direkt gegen die Airline vorzugehen.

Die Airline verweigert die Zahlung

Für Fluggesellschaften sind Ausgleichszahlungen unerfreuliche Kosten. Aus diesem Grund werden die Airlines alles versuchen, Ihre Ansprüche abzuwenden. Sind Sie von einem solchen Fall betroffen, stehen Sie nicht alleine da. Die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr gilt als von Regierungen anerkannter Vermittler zwischen Passagieren und Airlines. Sie richtet sich an Privatpersonen, die bereits selbst vergeblich versucht haben, für ihren Flugausfall eine Entschädigung zu erhalten.

90 % aller Fälle konnten über die Schlichtungsstelle geklärt werden. Dabei prüfen Juristen die jeweiligen Streitigkeiten und geben eine nicht bindende Empfehlung an Passagier und Fluggesellschaft.

Möchten Sie sich nicht selbst mit der Airline in Verbindung setzen, stehen Ihnen als zweite Möglichkeit die Dienstleistungen eines Sofortentschädigers oder Inkassodienstleisters zur Verfügung. Diese Unternehmen nehmen Ihre Forderung auf und erledigen im Anschluss alle Arbeiten für Sie.

Hinweis: Honorare unterscheiden sich erheblich

Sofortentschädiger überweisen Ihnen das Geld sofort und nehmen daher das Risiko der Vorleistung. Hierfür berechnen sie bis zu 50 % der Entschädigungshöhe für sich selbst. Inkassodienstleister setzen ebenfalls Ihre Forderungen durch, doch müssen Sie hier als Passagier dem Vergleich mit der Airline vorab zustimmen. Außerdem bekommen Sie das Geld erst nach einem erfolgreichen Vergleich. Hierfür werden Honorare um die 30 % der Entschädigungshöhe fällig.

Welche Verjährungsfristen gibt es?

Die Verjährungsfrist für Ausgleichszahlungen richtet sich nicht nach EU-Fluggastrechteverordnung sondern nach den nationalen Reiserechten. In Deutschland beträgt diese Frist drei Jahre. Bei internationalen Flügen können Sie wählen, ob Sie sich auf das nationale Recht des Ankunftsflughafens, des Abflugflughafens oder der Airline berufen.

Prüfen Sie Ihren Fall und überlegen sich Ihre weiteren Schritte. Bei Zweifeln kontaktieren Sie einen Rechtsanwalt, der Ihnen bei Fragen unterstützend zur Seite steht.

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