Einen Flug zu stornieren und die Flugkosten zurückzuerhalten ist nicht immer einfach. Die AGB der Fluggesellschaften enthalten mitunter Klauseln, die rechtsunwirksam sind. Der volle Preis muss zudem nicht bezahlt werden, Stornokosten hingegen sind üblich.

Gründe für eine Flugstornierung

Gründe für eine Flugstornierung gibt es viele. Nicht alle sind jedoch gegenüber der Fluggesellschaft ausreichend wichtig, um Ihnen die Flugkosten zurückzuerstatten. Zudem kommt es auch darauf an, ob Sie nur den reinen Flug, eine Individualreise oder eine Pauschalreise gebucht haben. Ist der Flug lediglich ein Bestandteil eines abgeschlossenen Vertrages, so gelten gesonderte Bedingungen. 

Wann kann eine Fluggesellschaft einen Flug stornieren?

Annulliert die Gesellschaft den Flug, haben Sie einen Anspruch auf volle Erstattung des Flugpreises. Häufig bekommen Sie eine Entschädigung bei einem Flugausfall. Auch wenn durch die Airline Ihr Flug umgebucht wird oder Sie von einer Flugverspätung betroffen sind, können Sie Ausgleichszahlungen bekommen. Dies gilt jedoch nicht, wenn außergewöhnliche Umstände zum Flugausfall und der Stornierung Ihres Fluges geführt haben. Dazu zählen unter anderem

  • Extreme Witterungsbedingungen
  • Naturkatastrophen
  • Terroranschläge oder Kriegsausbruch
  • Vogelschlag
  • Streik, ohne Vorsorge der Airline

Ausserordentliche Umstaende die eine Kostenerstattung ausschliessen

Dürfen Sie Ihren Flug stornieren? 

Im Grunde können Sie als Fluggast jeden Flug stornieren, wenn dies innerhalb der von der Gesellschaft festgelegten Frist geschieht, sogar mit Rückzahlungsanspruch. Die Angabe, warum Sie den Flug stornieren möchten, ist dabei nicht unbedingt notwendig, kann sich aber im Einzelfall auf die Rückzahlung des Flugpreises auswirken. 

Tipp: Storno nach Fristablauf

Auch eine spätere Stornierung kann zur Rückzahlung des Flugpreises oder eines Teils davon führen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn nach Buchung und verstrichener Stornofrist eine offizielle Reisewarnung für das Zielland ausgesprochen wurde. Meist zeigen sich hier die Fluggesellschaften kulant, im Zweifelsfall berät Sie ein Anwalt. 

Stornierungsgebühren und Kostenerstattung

Dass eine Fluggesellschaft Unkosten haben kann, wenn sie ein Ticket storniert, ist kaum von der Hand zu weisen. Unklar ist jedoch in vielen Fällen, wie viel an Stornierungsgebühren tatsächlich anfallen und abgezogen werden dürfen. Die Rechtsprechung in Sachen Stornierungsgebühren ist dem Grunde nach ebenfalls klar: Wird weit im Vorfeld des Fluges dieser storniert, so muss unter Umständen sogar der ganze Ticketpreis erstattet werden.

Das Gericht stellt sich in seinen entsprechenden Urteilen auf den Standpunkt, dass bei einer Stornierung sechs Monate vor dem Abflugdatum die Chancen für die Fluglinie durchaus gegeben sind, den Flug erneut zu verkaufen. Je näher der Stornierungstermin an das Abflugdatum rückt, desto geringer wird die Möglichkeit, dass der Platz im Flugzeug durch einen anderen Reisenden besetzt werden kann. Deshalb verlangen Airlines umso höhere Rücktrittsgebühren, desto näher die Stornierung am Flugdatum liegt.

Achtung: Vorsicht Klauselfalle!

Wer einen Flug bucht und dabei sich durch die Anerkennung der AGB ausdrücklich auf einen Stornierungsverzicht einlässt, darf im Ernstfall nur damit rechnen, dass ihm die nicht angefallenen Gebühren und Unkosten erstattet werden.

Gibt es eine Rückerstattung nicht beanspruchter Gebühren?

Mitunter finden sich Kostenfallen sogar in den AGB der Gesellschaften. Ein Passus, der pauschal einen nicht gerechtfertigten Betrag in Ansatz bringt, ist jedoch meist unwirksam. So müssen bei Nichtinanspruchnahme eines Fluges Gebühren für Flughafen und Steuern, die pro Fluggast zu entrichten sind, an den Kunden ausbezahlt werden.

Weigert sich die Airline, ist es wichtig, schriftlich auf Erstattung zu drängen. Lehnt die Fluggesellschaft die Zahlung weiterhin ab, so kann sich die Überprüfung durch einen Anwalt lohnen. Das Recht auf Rückerstattung nicht angefallener Kosten wie Flughafengebühren oder Luftverkehrssteuer haben Sie sogar dann, wenn Sie Ihre Flugreise ohne vorherige Stornierung nicht antreten. 

Welche tatsächlichen Kosten fallen an?

Dem Gesetz nach dürfen Fluggesellschaften vom Fluggast nur die Kosten als Stornogebühren verlangen, die tatsächlich für den gebuchten Flug anfallen. Durch Klauseln in den AGB oder pauschalen Stornierungsgebühren versuchen die Airlines jedoch des Öfteren, viel zu hohe Summen vom Fluggast einzubehalten. Nur der tatsächliche Mehraufwand, abzüglich der ersparten Steuern und Flughafengebühren, darf dem Kunden berechnet werden.

Kann der freigewordene Sitzplatz noch zum gleichen Preis verkauft werden, muss selbst bei anders lautenden Vereinbarungen der ganze Flugpreis – abzüglich des tatsächlich entstandenen Mehraufwandes – rückerstattet werden. Vom Gericht wird jedoch den Fluggesellschaften zugestanden, dass statt eines genau aufgelisteten Betrages auch eine – geringe – Pauschalgebühr für die Stornierung verlangt werden darf. Gesetzlich vorgesehen sind im Regelfall 5 % Abzug. 

Welche Rechte haben Sie bei Individual- und Pauschalreisen?

Bei einer Individualreise wird für jede einzelne Leistung ein Vertrag abgeschlossen. Vertragspartner ist der jeweilige Leistungsträger, für den Vertragsteil Flugreise also die Fluggesellschaft. Für die Stornierung des Fluges gelten deshalb die Rechte, die Sie auch bei der Stornierung eines einzeln gebuchten Fluges in Anspruch nehmen können. 

Bei Pauschalreisen sind jedoch die Kosten für den Flug selten einzeln aufgelistet. Leer ausgehen müssen Sie, was den reinen Flug angeht, bei einer Stornierung dennoch nicht unbedingt. Allerdings erweist sich in der Praxis eine solche Stornierung meist als problematisch

Gibt es ein grundsätzliches Recht auf Stornierung und Kostenerstattung bei Pauschalreisen?

Gründe, die ihre Ursache bei der Fluggesellschaft haben, berechtigen Sie ebenfalls zum Storno bei vollem Ausgleich des Ticketpreises. Dazu gehört zum Beispiel eine Preiserhöhung nach Buchung, wenn sie später als 20 Tage vor dem Abflug erfolgt. Vor diesem Zeitpunkt müssen Erhöhungen des Flugpreis bis zu 8 % der Summe akzeptiert werden, insbesondere dann, wenn steigende Treibstoffpreise, erhöhte Flugsteuern oder ähnliches dazu führen.

Eine reine Fehlkalkulation des Anbieters gehört allerdings nur selten dazu. Sollte dies Ihnen gegenüber als Grund angegeben werden, so überprüfen Sie – notfalls mit Unterstützung durch einen Rechtsanwalt – die Rechtmäßigkeit des Aufpreises.

Flüge richtig stornieren

Viele Reisende, ob geschäftlich oder privat, buchen ihre Flüge oft Monate im Voraus. Ob dann der Flug wirklich angetreten werden kann, ist keineswegs absehbar. Eigene Krankheit oder gar ein Todesfall in der Familie, die Streichung des Urlaubs oder eingetretene Arbeitslosigkeit machen es immer wieder unmöglich, zum gebuchten Zeitpunkt zu fliegen. 

Hinweis: Je eher Sie handeln, desto besser stehen Ihre Chancen

Sobald Sie wissen, dass Sie einen Flug sicher stornieren möchten oder müssen, sollten Sie dies schriftlich gegenüber der Fluggesellschaft bekannt geben. Versichern Sie sich zudem, dass Ihr Stornierungswunsch bei der Airline eingegangen ist.

Wer ist der richtige Ansprechpartner für die Stornierung?

Auch wenn Sie Ihren Flug über eine Vermittlungsplattform gebucht haben, so ist dennoch die Fluggesellschaft der richtige Ansprechpartner für eine Stornierung. Wer auf Nummer Sicher gehen möchte, schickt sowohl der Airline als auch dem Betreiber der Plattform seine ,,Rücktrittserklärung vom Beförderungsvertrag, wie die Stornierung offiziell heißt.

Gleichzeitig mit der reinen Stornierung ist die Rückzahlung des Flugpreises einzufordern. Nicht nur für die Vermittlung von Flügen, sondern auch für Reklamationen, Schadensersatzansprüche, Stornierungen und Rückerstattungsforderungen sind spezielle Plattformen im Internet tätig. Hier werden Ihnen viele Schritte erleichtert, die Chancen für eine möglichst komplette Rückzahlung steigen. 

Auf welchem Weg sollte eine Stornierung stattfinden?

Selbst wenn Sie im ersten Impuls lieber zum Telefonhörer greifen möchten, ist die Stornierung in schriftlicher Form der sicherere Weg. Zwar gilt auch eine E-Mail mit Lesebestätigung als zulässige Stornierung. Empfehlenswert ist es jedoch, per Einschreibebrief mit Rückschein Stornierung und Rückerstattungsansprüche bei der Fluggesellschaft anzumelden.

Stornierung und die Anmeldung von Ansprüchen können auch getrennt erfolgen. Ist die Bestätigung der Stornierung da, machen Sie in diesem Fall Ihre Ansprüche ebenfalls wieder per Einschreiben geltend. Entsprechende Vorlagen, die im Internet heruntergeladen werden können, helfen Ihnen bei der Formulierung. Wichtige Angaben in Ihrer Stornierung sind

  •  Name und Adresse des oder der Ticketinhaber
  •  Flugnummer, Flugdatum, Abflug– und Zielort
  •  Buchungs– oder Ticketnummer der Gesellschaft oder des Vermittlers

Nur, wer alle Angaben vollständig macht, darf mit einer schnellen Stornierung rechnen. 

Download Muster Stornierung eines Fluges

Ansprüche geltend machen

Für die Anmeldung von Erstattungsansprüchen ist es ebenso wesentlich, dass Sie alle Angaben zum Flug sowie zu einer eventuell bereits erfolgten Stornierung und/oder der Bestätigung machen. Je leichter Ihr Gesuch zugeordnet werden kann, desto eher kann es beantwortet werden.

Für vor dem Abflugdatum stornierte Flüge setzen Sie den ganzen Flugpreis für die Rückerstattung an, auch wenn die AGB andere Klauseln enthalten. Abstriche zu machen ist Sache der Fluggesellschaft. Nur einen Teil einzufordern könnte Ihnen jedoch als Einverständnis damit ausgelegt werden, dass nur dieser Betrag bezahlt wird.

Bei Flügen, die von Ihnen nicht angetreten wurden, können lediglich die für die Fluggesellschaft nicht angefallen Auslagen wie Flughafengebühren, Steuern, eingesparter Treibstoff und Verpflegung geltend gemacht werden. 

Tipp: Rückwirkende Geltendmachung

Erstattungsansprüche unterliegen der gesetzlichen Verjährungsfrist. Diese Frist beträgt drei Jahre. Sollten Sie also in der Vergangenheit auf die Rückerstattung von Steuern und Gebühren für nicht genutzte Flüge verzichtet haben, so können Sie diese noch nachträglich einfordern, solange sie nicht verjährt sind.

Absicherung durch eine Reiserücktrittsversicherung

Viele Vermittler von Flügen bieten bereits vor der Buchung die Möglichkeit an, sich durch verschiedene Versicherungsbausteine für die geplante Reise abzusichern. Zu einer umfassenden Reiseversicherung gehören neben einem Auslandsrechtsschutz oder der sogenannten Mallorca-Police für Mietwagen:

  • Reiserücktrittsversicherung
  •  Reiseabbruchversicherung
  •  Reisekrankenversicherung
  •  Reisegepäckversicherung

Welche Versicherungsmodule sinnvoll sind, ist stets eine individuelle Angelegenheit. Auch ist es abhängig davon, was bereits im Rahmen von bestehenden Versicherungen abgedeckt ist. 

Bei der Buchung von Flugreisen ist die Reiserücktrittsversicherung sinnvoll, vor allem dann, wenn es sich um teure Flüge handelt. Ist der Flug Teil einer Pauschalreise, kann die Reiserücktrittsversicherung Sie vor noch höherem Schaden bewahren, wenn Sie Ihren Urlaub nicht antreten können. 

Wie können Sie Ihren Reiserücktritt absichern?

Fast alle Versicherer bieten unterschiedliche Tarife für eine Reiserücktrittsversicherung an. Je nach Tarif dürfen Sie mit teilweiser oder vollständiger Kostenerstattung rechnen. Auch wenn Sie Ihre Reise aus nicht absehbaren Gründen nicht antreten können. Wer alle Anbieter und Leistungen im Detail vergleicht und auf die eigenen Bedürfnisse abstimmt, kann im Fall der Fälle einiges an Geld sparen.

Vielfach laufen Reiserücktrittsversicherung ein ganzes Jahr. Vielflieger sichern sich dabei für jede einzelne Reise ab, denn meist springt diese Reiserücktrittsversicherung bei privaten ebenso wie bei geschäftlichen Reisen und Flügen ein. Zudem sind oft nicht nur Flugreisen, sondern auch Reisen mit Bus oder Bahn ebenso abgedeckt wie Urlaubsreisen mit dem eigenen Auto. 

Tipp: Sparen durch Rechnen

Wer mehrmals im Jahr verreist, für den lohnt sich eine Reiserücktrittsversicherung nahezu immer. Auf die einzelne Reise entfallen dann nur noch geringe Versicherungsbeiträge, die weit unter den Reisekosten und unter verlangten Stornierungsgebühren liegen. 

Ausnahmefall Billiganbieter

Billiganbieter stellen sich in vielen Fällen quer, wenn ein Flugreisender für die Stornierung Rückerstattungsansprüche anmeldet. Teils verlangen sie pauschale Stornierungsgebühren, die nahe am Flugpreis liegen oder sogar identisch mit den Ticketkosten sind. Fachleute gehen davon aus, dass dieses Vorgehen reine Absicht ist.

Durch die geforderten, hohen Stornierungskosten sollen Flugreisende davon abgehalten werden, ihre Ansprüche durchzusetzen. In anderen Fällen wird auf ausländisches Recht verwiesen. Reiserechtsexperten und Gerichte stellen sich aber immer wieder auf den Standpunkt, dass für deutsche Kunden, die in Deutschland den Flug gebucht haben, auch deutsches Reiserecht gelten muss. Geben Sie nicht gleich auf, sondern fordern Sie auch von Billiganbietern ein, was Ihnen per Gesetz zusteht.

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