Eine Selbstbeteiligung kann die private Krankenversicherung günstiger machen: Sie tragen einen Teil der anfallenden Krankheitskosten selbst, sparen dafür Beiträge. Allerdings gibt es unterschiedliche Varianten, die ebenso bedacht werden wollen, wie die Folgen bei Steuern oder dem Arbeitgeberzuschuss.

Selbstbeteiligung für die private Krankenversicherung: Ein Überblick

Die Tarife zur privaten Krankenversicherung werden in der Regel mit unterschiedlich hohen Eigenanteilen angeboten – bis hin zu sogenannten Großschadentarifen. Hier muss der Versicherer erst leisten, wenn im Versicherungsjahr Krankheitskosten von mehreren tausend Euro anfallen. Das Prinzip ähnelt also dem der Kasko-Versicherung: Machen Sie Leistungen geltend, zieht der Krankenversicherer Ihren Eigenanteil von der Kostenerstattung ab.

Die Versicherer honorieren dies mit günstigeren Beiträgen. Vereinbaren Sie eine Selbstbeteiligung für Ihre private Krankenversicherung, können Sie durchaus erheblich sparen. Doch auch wenn Sie Ihre Kosten im besten Fall um einen größeren Betrag reduzieren können, als der Eigenanteil aufs Jahr gerechnet ausmacht, sind einige Details zu beachten. Nicht immer lohnt sich dieses Vorgehen.

Welche Arten von Selbstbeteiligungen für die private Krankenversicherung gibt es?

Die Krankenversicherer gehen in puncto Selbstbeteiligung für die private Krankenversicherung unterschiedliche Wege. Doch eines haben alle gemeinsam: Je mehr Sie von Ihren Krankheitskosten selbst tragen, desto größer ist das Einsparpotenzial bei den Beiträgen. Allerdings kann ein solcher Eigenanteil die persönlichen Finanzen auch stark belasten – Ihr Kostenrisiko steigt also ebenfalls.

Umso wichtiger sind einige Vorüberlegungen, die Ihnen Klarheit bringen und eine tragfähige Entscheidung ermöglichen. Eine Selbstbeteiligung kann in der privaten Krankenversicherung nämlich in verschiedenen Varianten vereinbart werden.

Was ist eine generelle Selbstbeteiligung?

In diesem Fall gilt der Selbstbehalt für alle Leistungsbereiche – also sowohl für ambulant und stationär, als auch für den Zahnbereich. Sie werden dieses Modell bevorzugt bei Kompakttarifen antreffen, wenn Sie alle Leistungsbereiche in einem absichern und nicht die Tarife einzeln zusammenstellen. Positiv ist, dass einige Krankenversicherer den Selbstbehalt nicht bei den anerkannten Vorsorgeuntersuchungen ansetzen – hier bekommen Sie also die Kosten vollständig erstattet.

Begrenzte und prozentuale Selbstbeteiligung

Stellen Sie Ihre Tarife in der privaten Krankenversicherung je nach Leistungsbereich selbst zusammen, gilt der Selbstbehalt auch immer nur für diesen Bereich. Auf diese Weise können Sie beispielsweise auch nur für den Zahnbereich einen Eigenanteil vereinbaren – während ambulante und stationäre Leistungen ohne erstattet werden. Dann reduzieren Sie Ihr Kostenrisiko auf die anfallenden Kosten für: 

  • Zahnbehandlungen
  • Zahnersatz 
  • Kieferorthopädie

Wie funktioniert eine prozentuale Selbstbeteiligung für die private Krankenversicherung?

Diese Variante wird auch als Quotenselbstbeteiligung bezeichnet, denn Sie erklären sich bereit, einen bestimmten prozentualen Anteil der anfallenden Kosten eines Versicherungsjahres selbst zu tragen. Wichtig ist die Höchstgrenze für diese Selbstbeteiligung, die durchaus mehrere tausend Euro betragen kann. 

Was ist unter einem leistungsdynamischen Selbstbehalt zu verstehen?

Auf diese Variante werden Sie nur selten treffen: Sie müssten in einem solchen Fall pro Behandlung und Verschreibung eines Medikamentes oder Heil- und Hilfsmittels einen festen Betrag selbst übernehmen, bis ein vereinbarter Gesamtbetrag pro Jahr erreicht ist.

Tipp: Beachten Sie die maximale finanzielle Belastung

So lukrativ sich die Beitragsermäßigung auch darstellen mag, behalten Sie bitte immer im Blick, dass Sie im Ernstfall den Eigenanteil selbst übernehmen müssen. 

Pflichten und Grenzen der Selbstbeteiligung

Eine Pflicht auf Selbstbeteiligung besteht nicht: Die privaten Krankenversicherer bieten diese Möglichkeit ebenso an wie Tarife ohne Selbstbeteiligung, die naturgemäß deutlich teurer sind. Es geht also immer um das Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben, das sich in der Beitragshöhe widerspiegelt. Je höher die Wahrscheinlichkeit eines Leistungsfalls wird, desto teurer wird auch die Krankenversicherung. 

Wo liegt die Höchstgrenze der Selbstbeteiligung?

Die gesetzliche Höchstgrenze für eine Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung beträgt 5.000 EUR pro Jahr. Sie müssten also alle in einem Versicherungsjahr anfallenden Krankheitskosten – von der Behandlung wegen einer Grippe bis hin zur Operation oder zum Zahnersatz – bis zu dieser Grenze selbst tragen, erst darüber hinaus würde ein solcher Tarif zu Leistungen führen.

In der Regel werden aber niedrigere Selbstbeteiligungen vereinbart. Sollte der Krankenversicherer trotzdem überdurchschnittlich hohe Kosten im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen verzeichnen, schaltet er einen unabhängigen Treuhänder ein. Dieser prüft die Schieflage und genehmigt die Beitragsanpassung. Die kann in Form von Beitragserhöhungen ebenso realisiert werden wie als Erhöhung des Selbstbehaltes – sofern der Tarif grundsätzlich einen vorsieht.

Hinweis: Selbstbeteiligung darf nicht im Nachhinein eingeführt werden

Bei einem Krankenversicherungstarif ohne Selbstbeteiligung darf der Versicherer also auch nicht im Zuge einer Beitragsanpassung einen solchen nachträglich einführen. Hier dürfen nur die Versicherungsbeiträge erhöht werden.

In einem solchen Fall erhalten Sie rechtzeitig vor Ablauf des Versicherungsjahres ein Informationsschreiben Ihres Versicherers, in dem er Ihnen die neuen Konditionen explizit erläutern muss. Sie hätten dann die Möglichkeit, sich nach einer Alternative umzuschauen. Zum angekündigten Termin treten die Vertragsänderungen ansonsten in Kraft.

Kann eine Erhöhung der Selbstbeteiligung auch wieder zurückgenommen werden?

Wollen Sie Ihre Krankenversicherung von einer hohen auf eine niedrigere Selbstbeteiligung umstellen, ist eine erneute Gesundheitsprüfung notwendig – es handelt sich um eine Leistungsverbesserung. Mit zunehmendem Alter und bei naturgemäß schlechterem Gesundheitszustand wird dieser Schritt also immer schwieriger.

Beruflicher Status

Die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung für Ihre private Krankenversicherung zieht jedoch einige über den finanziellen Aspekt hinausgehende Folgen nach sich. Ausschlaggebend ist Ihr beruflicher Status. So ist es relevant, ob Sie verbeamtet, selbstständig oder arbeitslos sind.

Gibt es einen Arbeitgeberzuschuss?

Ihr Arbeitgeber beteiligt sich durchaus an Ihren Kosten für eine PKV, wenn Sie ihm den erforderlichen Nachweis vorlegen. Der wird Ihnen vom Krankenversicherer ausgestellt und sollte folgende Angaben enthalten:

  • Art der vertraglichen Leistungen
  • zuschussberechtigte versicherte Personen
  • Höhe der Beiträge
  • Bestätigung der Erfüllung der Voraussetzungen

Sie können den Arbeitgeberzuschuss auch für Ihre privat versicherten Familienmitglieder beanspruchen, sofern diese in der gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert wären. Wichtig ist, dass diese Angehörigen nicht im Hauptberuf selbstständig sind und nicht mehr als 455 EUR monatlich verdienen.

Die Höhe des Zuschusses richtet sich nach den Beiträgen zur PKV. Der Arbeitgeber zahlt 50 %, allerdings darf der Gesamtbetrag für alle zuschussfähigen Versicherten den Arbeitgeberanteil für eine GKV nicht übersteigen. Damit ergibt sich ein Höchstbetrag für den Arbeitgeberzuschuss von 367,97 EUR monatlich.

Tipp: Höhe der Selbstbeteiligung genau abwägen

Reduzieren Sie mit einer Selbstbeteiligung Ihren monatlichen Beitrag zur PKV, reduziert sich ggf. auch der Arbeitgeberzuschuss. Der muss sich jedoch nicht an Ihrem Selbstbehalt beteiligen.

Gibt es eine Steuerersparnis für Arbeitnehmer, Beamte oder Selbstständige?

Grundsätzlich können Sie die Kosten der Pflegepflichtversicherung komplett steuerlich absetzen. Die Leistungen der Pflegeversicherung unterscheiden sich jedoch von denen der Krankenversicherung. In puncto Krankenversicherung akzeptiert der Fiskus nur die Beiträge für die Basiskrankenversicherung. Sollten Sie also deutlich mehr versichert haben, wie beispielsweise Chefarztbehandlung und Einzelzimmer im Krankenhaus oder andere Mehrleistungen, dann werden diese ebenso wenig berücksichtigt wie die Kosten einer Krankentagegeldversicherung. Prüfen Sie, ob für Sie eine Krankentagegeldversicherung sinnvoll ist.

Die Kosten für über den Basisversicherungsschutz hinausgehenden Versicherungsschutz können Sie dem Prinzip nach auch steuermindernd geltend machen. Zum Beispiel im Rahmen der sonstigen Vorsorgeaufwendungen. Voraussetzung ist jedoch, dass Sie die Höchstgrenzen nicht schon mit den regulären Beiträgen ausgeschöpft haben:

  • Arbeitnehmer und Beamte: Maximum 1.900 EUR pro Jahr
  • Selbstständige: Maximum 2.800 EUR pro Jahr

Tipp: Je höher die Selbstbeteiligung, desto niedriger die Steuerersparnisse

Sollten Sie die Höchstgrenzen nicht ausschöpfen, weil Sie eine hohe Selbstbeteiligung für Ihre private Krankenversicherung vereinbart haben, verzichten Sie auf einen Steuervorteil. Ihren Eigenanteil können Sie nämlich nur in ausgesprochenen Ausnahmefällen steuerlich geltend machen.

Ist eine Selbstbeteiligung bei einer PKV für Beamte sinnvoll?

Unter dem Strich: Nein. Beamte erhalten Beihilfe von Ihrem Dienstherrn, d. h. sie müssen ohnehin nur zwischen 50 % und 20 % der Krankheitskosten absichern. Die Beihilfe-Ergänzungstarife sind also grundsätzlich sehr günstig, sodass sich die Vereinbarung einer größeren Selbstbeteiligung in der Regel nicht lohnt.

Wie verhält es sich mit der Selbstbeteiligung bei Hartz 4?

Geraten privat Krankenversicherte in die Arbeitslosigkeit und müssen schließlich Hartz 4 beziehen, übernimmt das Jobcenter unter bestimmten Voraussetzungen die Krankenversicherungsbeiträge zum Teil oder sogar komplett. Eine hohe Selbstbeteiligung kann hier zu großen Problemen führen: Während die Beitragskosten für die Leistung relevant sind, beteiligt sich das Jobcenter nicht am Eigenanteil. Müssen Sie also im Leistungsfall einen erheblichen Betrag aus eigener Tasche bezahlen, dann bleiben Sie auf diesen Kosten sitzen.

Tipp: Sicherheitshalber Spezialisten konsultieren

Sollten Sie vor einer solchen Situation stehen, lassen Sie sich am besten zum optimalen Versicherungsschutz beraten. Sie vermeiden noch größere finanzielle Probleme.

Gibt es private Krankenversicherung für Studenten ohne Selbstbeteiligung?

Ja, gibt es. Aber es ist auch hier eine Frage des Preises: Die Krankenversicherer bieten spezielle Tarife für Studierende an, die durchaus unterschiedliche Leistungen aufweisen können. In der Regel ist ein Selbstbehalt im Zahnbereich vorgesehen, es gibt aber auch die Ausnahmen.

Vor- und Nachteile der Selbstbeteiligung

Fakt ist, der größte Pluspunkt einer Selbstbeteiligung in der privaten Krankenversicherung ist die Beitragsersparnis. Die Versicherungsgesellschaften sparen sich nicht nur die Leistungen innerhalb der vereinbarten Spanne selbst, sondern auch den Verwaltungsaufwand. Viele kleine Rechnungen werden ganz einfach nicht mehr eingereicht.

Dem stehen aber auch einige Nachteile gegenüber, wie beispielsweise in Bezug auf den Arbeitgeberzuschuss oder den Steuervorteil. Der Effekt ist insbesondere bei Selbstständigen von Relevanz, da diese keinen Zuschuss erhalten und deswegen einen höheren Betrag steuerlich geltend machen können.

Tipp: Gesundheitszustand unbedingt beachten

Grundsätzlich sollten Sie die Wahrscheinlichkeit einer Leistung mit in Ihre Abwägungen einbeziehen. Sind Sie jung und gesund, realisieren Sie mit einem Selbstbehalt die größten Vorteile. Benötigen Sie regelmäßig Behandlungen, wählen Sie maximal eine moderate Selbstbeteiligung.

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