Die Zinsen für Ratenkredite können sich ändern. Sinken die Zinsen, haben Sie die Möglichkeit bei Ihrem Kredit Kosten zu sparen, indem Sie einen preiswerteren Kredit abschließen und den alten Kredit umschulden. Wie eine Umschuldung funktioniert und wann diese sinnvoll ist, erfahren Sie hier.

Vorteile von einer Umschuldung

Eine Umschuldung bietet viele Vorteile. So haben Sie die Möglichkeit einen neuen Kredit abzuschließen, um mehrere kleinere Kredite abzulösen. Zudem können Sie in einer Niedrigzinsphase ggf. erhebliche Zinskosten sparen, wenn Sie eine Umschuldung in Betracht ziehen. 

Wie funktioniert die Umschuldung?

Zunächst müssen Sie in Erfahrung bringen, welche Kreditsumme Sie aufnehmen müssen, um den alten Kredit ablösen zu können. Ausgangspunkt für diese Frage ist die aktuelle Restschuld. Also der Betrag den Sie der Bank noch schulden, damit der alte Kredit vollständig abgezahlt ist. Sie können aber nicht nur einen Kredit ablösen. Vielmehr haben Sie die Möglichkeit mehrere Kredite zusammenzuführen. Hierzu kann auch ein Dispo-Kredit gehören. 

Wie hoch die bestehende Restschuld ist, können Sie dem Tilgungsplan entnehmen, den Sie von der Bank bei Abschluss des Kredites erhalten haben. In diesem Tilgungsplan ist festgehalten, wie viel Sie der Bank nach den bereits erbrachten Monatsraten noch schulden. Sollten Sie keinen Tilgungsplan erhalten haben, können Sie auch bei der Bank direkt nachfragen. 

Hinweis: Rückfrage auch bei Sondertilgungen

Im Tilgungsplan sind die festgelegten Raten enthalten. Jedoch kann es vorkommen, dass Sie bei der Bank eine Sondertilgung geleistet haben. Dann ist der Tilgungsplan veraltet und Sie sollten ebenfalls bei der Bank nachfragen wie hoch die aktuelle Restschuld ist. 

Kann die Bank eine Entschädigung für die vorzeitige Ablösung verlangen?

Weil die Bank mit der Sie den vorherigen Kredit abgeschlossen haben darauf vertraut hat, dass der Kredit bis zur vollständigen Tilgung abbezahlt wird, kann diese eine Entschädigung bei vorzeitiger Ablösung des Kredites verlangen. Diese Entschädigung nennt man Vorfälligkeitsentschädigung

Bei Ratenkrediten dürfen Banken seit dem 10.06.2010 höchstens 1 % der Restschuld als Entschädigung verlangen. Dieser Prozentsatz gilt für alle Kredite, die noch eine Laufzeit von über zwölf Monaten haben. Ist die Laufzeit geringer, kann die Bank höchstens eine Entschädigung von 0,5 % der Restschuld verlangen. Einigen Banken verzichten jedoch auch auf eine Entschädigung. 

Welche Voraussetzungen müssen bei der Umschuldung erfüllt werden?

Natürlich müssen Sie auch gewisse Voraussetzungen erfüllen, damit Sie einen neuen Kreditvertrag für eine geplante Umschuldung abschließen können. Diese Voraussetzungen entsprechen in der Regel denen eines Erstantrages für einen Kredit. Wenn sich an Ihren Lebensumständen und an Ihrerer finanziellen Situation also nichts verändert hat, sollten Sie eigentlich keine Probleme beim Abschluss eines neuen Kreditvertrages haben. 

Folgende Voraussetzungen müssen Sie erfüllen: 

  • Ihr Lebensmittelpunkt muss in Deutschland sein. Dies bedeutet, dass Sie in Deutschland gemeldet sind und auch eine deutsche Bankverbindung haben. 
  • Sie müssen voll geschäftsfähig sein, sprich Sie müssen das 18. Lebensjahr vollendet haben und dürfen in Ihrer Geschäftsfähigkeit nicht eingeschränkt sein.
  • Ein unbefristeter Arbeitsvertrag ist bei einer Kreditvergabe von Vorteil. Ist Ihr Vertrag nämlich nur befristet, rechnet die Bank mit möglichen Zahlungsausfällen und wird der Vergabe eines Kredites ggf. nicht zustimmen. 
  • Sie befinden sich nicht mehr in der Probezeit. Banken benötigen für die Vergabe von Krediten eine entsprechende Sicherheit. Da innerhalb der Probezeit ohne Angaben von Gründen gekündigt werden kann, wird Ihnen die Bank in diesem Fall vermutlich keine Zusage für einen Kredit erteilen. 
  • Sie können mit Ihrem Gehalt auch die Tilgungsraten zahlen. Aus diesem Grund müssen Sie der Bank ihre Gehaltsnachweise einreichen. Hierzu gehören Gehaltsabrechnungen aber auch Rentenbescheide. In manchen Fällen kann die Bank auch die Vorlage der Kontoauszüge verlangen, um sich so Auskunft über die Zahlungs- und Zahlungsausgänge zu verschaffen. 
  • Sie haben weitere Sicherheiten. Je mehr Sicherheiten Sie vorweisen können, wie z.B. ein Hausgrundstück, desto höher ist die Chance, dass die Bank Ihrem Antrag auf Kreditvergabe zustimmt. Zudem haben Sicherheiten den Vorteil, dass die anfallenden Zinsen für den Kredit ggf. geringer ausfallen, da die Bank bei Zahlungsausfällen die Möglichkeit hat, auf Ihre Sicherheiten zurückzugreifen. 
  • Positive Schufa-Auskunft. Eine Schufa-Anfrage wir immer gestellt, wenn jemand einen Kredit beantragen möchten. Je weniger negative Eintragungen vorliegen, desto höher wird Ihre Kreditwürdigkeit eingeschätzt. 

Wann ist eine Umschuldung sinnvoll?

Eine Umschuldung ist immer nur dann sinnvoll, wenn sie auch tatsächlich eine Ersparnis nach sich zieht. Wann eine Umschuldung in Ihrem Fall sinnvoll ist, kann nicht pauschal beantwortet werden, da hier Ihr alter Kredit, die Restlaufzeit und die Zinsen relevant sind. In der Regel können Sie jedoch in einigen Fällen bereits auf den ersten Blick erkennen, dass eine Umschuldung nicht mehr sinnvoll erscheint: 

  • Die Restlaufzeit Ihres Kredites beträgt weniger als ein Jahr

Hier ist es bereits schwierig einen passenden Kredit für die Umschuldung zu finden, da der neue Kredit vermutlich eine längere Laufzeit haben wird. Hier muss anhand der restlichen Kredithöhe und den zu zahlenden Zinsen geprüft werden, ob eine Umschuldung ggf. noch positive Auswirkungen für Sie haben kann. 

  • Die Restschuld ist geringer als 1.000 EUR

Auch hier wird Ihnen die Umschuldung vermutlich keine Vorteile bringen, da sich die Ersparnis eher im zweistelligen Bereich bewegen wird. Ob Sie hierfür den Aufwand auf sich nehmen möchten, müssen Sie sich in solch einem Fall selbst fragen. 

Richtige Herangehensweise bei Umschuldung

Bevor Sie unüberlegt einfach einen neuen Kredit abschließen um einen älteren Kredit oder mehrere Kredite abzulösen, sollten Sie sich zunächst einmal über folgenden Punkte Gedanken machen: 

  1. Ermitteln Sie zunächst einmal die Rückzahlungssumme und den festgelegten Zins für Ihren bereits bestehenden Kredit. 
  2. Informieren Sie sich über die aktuelle Zinslage. Liegt gerade eine Niedrigzinsphase vor oder sind die Zinsen gerade extrem hoch? Nur wenn die aktuellen Zinsen niedrig sind, im Vergleich zu Ihren zu zahlenden Zinsen, ist eine Umschulung empfehlenswert. 
  3. Suchen Sie sich mehrere Kreditangebote raus und vergleichen Sie diese miteinander. 
  4. Rechnen Sie durch, welche finanziellen Vorteile Sie durch einen niedrigeren Zins haben. Beachten Sie auch die Vorfälligkeitsentschädigung. 

Wie schulden Sie eine Baufinanzierung um? 

Möglicherweise haben Sie bei der Finanzierung Ihres Eigenheims damals einen Kredit mit erheblich höheren Zinsraten abgeschlossen. Eine Umschuldung einer Baufinanzierung kann daher gerade bei Niedrigzinszeiten zu einer erheblichen monatlichen Ersparnis führen. 

Sie haben als Kreditnehmer bei der Baufinanzierung drei Möglichkeiten, diesen Kredit umzuschulden. 

  • Sie kündigen nach zehn Jahren: Gemäß § 489 BGB haben Sie die Möglichkeit nach Ablauf von zehn Jahren unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten die Baufinanzierung ordentlich zu kündigen. Die Frist beginnt zu laufen, nachdem Sie die vollständige Kreditsumme erhalten haben.
  • Sie kündigen zum Ende der Zinsbindung: Der § 489 BGB regelt ebenfalls das Kündigungsrecht zum Ende der Sollzinsbindung. Somit können Sie die Baufinanzierung auch zu dem Tag kündigen, an dem die vertraglich vereinbarte Sollzinsbindung endet. Hier müssen Sie lediglich die Kündigungsfrist von einem Monat beachten.
  • Sie kündigen außerordentlich: Sollten Sie weder zehn Jahren noch das Ende der Zinsbindung abwarten wollen, können Sie auch jederzeit außerordentlich kündigen. Hier müssen Sie die Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten.

Wollen Sie außerordentlich kündigen müssen Sie grundsätzlich etwas beachten: Es muss ein berechtigtes Interesse für die außerordentliche Kündigung vorliegen. Ein solches Interesse wäre z.B., dass Sie die Immobilie verkaufen müssen. Zudem wird die Bank bei einer außerordentlichen Kündigung eine Vorfälligkeitsentschädigung von Ihnen verlangen. 

Unterschiedliche Kreditarten

Es gibt unterschiedlichen Arten von Krediten. Gerade bei Krediten die auf längere Zeit ausgelegt sind, wie der Baufinanzierungskredit gelten bestimmte Voraussetzungen bei der Umschuldung. So will die Bank verhindern, dass Kreditnehmer direkt den abgeschlossenen Kreditvertrag kündigen, sobald niedrige Zinsen in Aussicht sind. Wobei nicht nur niedrige Zinsen spielen dabei eine Rolle. Wollen Sie z. B. Ihre Baufinanzierung widerrufen, geschieht dies unabhängig von einer Umschuldung.

Neben dem Baufinanzierungskredit gibt es aber noch Kredite, die auf einen kurzfristigen Zeitraum ausgelegt sind, wie z.B. der Kredit für die Anschaffung eines Autos oder der Dispokredit. 

Wie schulden Sie einen Autokredit um? 

Wenn Sie Ihren Kredit direkt beim Autohändler abgeschlossen haben, kann sich eine Umschuldung lohnen. Händlerkredite sind nämlich vergleichsweise teurer im Gegensatz zu anderen Krediten. 

Dank der EU-Verbraucherkreditrichtlinie gilt für alle Verbraucherverträge die nach dem 11.06.2010 abgeschlossen wurden, und somit auch für den Autokredit, lediglich ein Monat Kündigungsfrist. Dies bedeutet für Sie, Sie können den Kredit nach Erhalt der Kreditsumme mit einer einmonatigen Kündigungsfrist direkt wieder kündigen. Sie müssen bei der Umschuldung eines Autokredit daher nicht bis zum Ende der Zinsbindung warten. Besondere Gründe für die Kündigung müssen nicht vorliegen. 

Wie schulden Sie einen Dispokredit um? 

Die Umschuldung eines Dispokredits ist in jedem Fall zu empfehlen, da der Dispokredit hoch verzinst wird. Bei keinem anderen Kredit sind die Zinsen so hoch wie bei einem Dispokredit. Die Zinsen können sich je nach Bank zwischen 9 und 15 % belaufen. Wenn Sie merken, dass Sie sich vermutlich dauerhaft im Dispo aufhalten werden, sollten Sie eine Umschuldung in Betracht ziehen, denn so können Sie unnötig hohe Zinsbelastungen vermeiden. 

Für die Umschuldung eines Dispokredites gibt es zwei Möglichkeiten: 

  1. Sie können einen Ratenkredit aufnehmen und den Dispokredit damit ausgleichen. Zwar muss der Ratenkredit auch zurückgezahlt werden, jedoch sind die Zinsen für diesen Kredit wesentlich geringer. Nachteil ist, dass Sie den Ratenkredit in festgelegten Raten zurückzahlen müssen und für den Abschluss oft eine hohe Mindestkreditsumme festgelegt wird.
  2. Sie können einen Rahmenkredit abschließen. Dies ist eine Mischung aus einem Dispo- und Ratenkredit. Die Zinsen fallen hier ein wenig höher aus als bei einem Ratenkredit. Der Rahmenkredit bietet jedoch Flexibilität, da es keine vorgeschriebenen Rückzahlungsraten gibt. Ein Nachteil bei dem Rahmenkredit ist, dass sich die Zinsen täglich ändern können. 

Umschuldung trotz negativer Schufa-Einträge

Bei mehreren negativen Schufa-Einträgen wird es für Sie schwierig eine Umschuldung umzusetzen, da viele deutsche Banken eine weitere Finanzierung in diesen Fällen ablehnen. Es gibt jedoch mehrere Möglichkeiten auch mit negativen Schufa-Einträgen eine Umschuldung vorzunehmen. Es gibt dennoch verschiedene Möglichkeiten. 

  • Fragen Sie Angehörige

Verwandte oder Freunde sind häufig bereit bei einem finanziellen Engpass zur Seite zu stehen. Da Schulden jedoch häufig auch zu Streitigkeiten führen können, sollten Sie die geliehene Summe in einem privaten Kreditvertrag festhalten. Das Gute bei Krediten von Angehörigen ist meist, dass Verwandte und Freunde keine Zinsen von Ihnen verlangen werden.

  • Private Plattformen

Weiterhin bieten private Plattformen häufig auch Kredite für Personen an, die aufgrund negativer Schufa-Einträge keine anderweitige Möglichkeit haben an einem Kredit zu kommen. Hier sind Sicherheiten wie ein Auto, Haus oder andere Wertgegenstände von Vorteil.

  • Ausländische Banken

Sie haben auch die Möglichkeit bei einer ausländischen Bank einen Kredit für die Umschuldung aufzunehmen. Diese Banken haben nämlich keinen Zugriff auf die Schufa-Auskünfte. Auch hier ist es von Vorteil Sicherheiten vorzuweisen, falls es zu einem Zahlungsausfall kommen sollte. Die Zinsen fallen bei diesen Krediten jedoch häufig höher aus, da auch das Risiko für einen Zahlungsausfall höher ist.

Hinweis: Sicherheiten können den Unterschied machen

Wenn Sie viele Sicherheiten vorweisen können wie ein Grundstück mit einem Haus, dann kann es gut möglich sein, dass Ihnen die Bank trotz negativer Schufa-Einträge einen Kredit bewilligt. 

Kosten für eine Umschuldung

In der Regel fallen lediglich bei der Umschuldung eines Baunfinanzierungskredites relevante Kosten an. Dies sind einmal die Vorfälligkeitsentschädigung, die die Bank unter Umständen von Ihnen verlangt, da Sie frühzeitig aus dem Vertrag ausscheiden. Zum anderen Fallen Gebühren für einen Notar und Grundbuchkosten an. 

Die Kosten für einen Notar und Grundbuchgebühren fallen deshalb an, da es durch die Umschuldung zu einem Gläubigerwechsel kommt. Ihre vorherige Bank war als Gläubiger im Grundbuch eingetragen. So war sichergestellt, dass diese Rechte an Ihrer Immobilie geltend machen kann wie z.B. eine Zwangsversteigerung, wenn Sie die Kreditraten nicht zahlen.

Diese Sicherheit muss auf die neue Bank übergehen. Aus diesem Grund muss die alte Bank aus dem Grund ausgetragen und die neue Bank eingetragen werden. Diese Änderung kann nur von einem Notar beantragt werden. 

Umschuldung bei Selbstständigen

Auch bei Selbstständigen gestaltet sich eine Umschuldung in der Regel nicht so einfach wie bei einem einfachen Arbeitnehmer. Grund hierfür ist, dass Selbstständige nicht über ein geregeltes Einkommen verfügen und daher das Risiko größer ist, dass Sie als Selbstständiger die Raten entweder zu spät oder gar nicht zahlen. Als Selbstständiger sollten Sie folgende Punkte bei einer Umschuldung beachten: 

  1. Legen Sie der Bank dar, dass Ihr Unternehmen gut läuft und Sie über genug Einnahmen verfügen, um die monatlichen Kreditraten zu zahlen. Dies können Sie mit Einkommenssteuernachweisen oder Überschussrechnungen belegen. 
  2. Zudem kann es von Vorteil sein, wenn Sie sich einen weiteren Kreditnehmer zur Hilfe holen. Im besten Fall ist dies eine Person, die über einen konstantes Arbeitseinkommen verfügt. So hat die Bank die Möglichkeit auf diesen Kreditnehmer zurückzugreifen. 
  3. Letztlich sind Sicherheiten immer eine gute Möglichkeit die Bank davon zu überzeugen Ihnen einen Kredit zu bewilligen. 

Wo finden Sie Hilfe bei der Umschuldung? 

Wenn Sie über eine Umschuldung nachdenken können Sie zunächst auf Ihre Hausbank zugehen. Diese wird im Falle einer geplanten Umschuldung versuchen Sie als Kunden zu behalten und Ihnen ggf. ein günstigeres Angebot machen. 

Es ist jedoch empfehlenswert sich andere Angeboten von anderen Banken einzuholen und diese dann alle miteinander zu vergleichen. Sollten Sie mehrere Kredite haben und den Überblick verloren haben, dann kann Ihnen auch eine Schuldnerberatung zur Seite stehen und Sie beraten.

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