Damit Käufer eines gebrauchten Fahrzeugs auch nach Ablauf der Herstellergarantie im Fall von Mängeln abgesichert ist, hat der Gesetzgeber die Gebrauchtwagengarantie geschaffen. Sie gilt vorwiegend für das Geschäft zwischen Händler und Käufer, doch auch Privatverkäufer müssen unter Umständen haften.

Schutz für Autokäufer

Garantien sind laut ihrer Definition im kaufmännischen Alltag vom Hersteller oder Händler gegebene Zusicherungen, dass Defekte am gekauften Gegenstand kostenlos beseitigt werden. Die Garantie ist per Gesetz oder Einzelvertrag auf einen bestimmten Zeitraum befristet. Zuwiderhandlungen gegen eine oder mehrere Garantiebedingungen können zum Erlöschen der Garantie führen.

Beim Kauf eines Fahrzeuges können drei unterschiedliche Garantiearten erwachsen:

  • Herstellergarantie
  • gesetzliche Händlergewährleistung
  • Gebrauchtwagengarantie

Gilt die Herstellergarantie nur für den Erstkäufer?

Die Herstellergarantie ist nicht käuferbezogen, sondern gilt immer für das Fahrzeug. Sie läuft in der Regel zwei bis drei Jahre. Einige Hersteller gewähren sogar eine Garantie von bis zu sieben Jahren. Bei anderen Fabrikaten wiederum ist die Km-Leistung des Fahrzeugs ausschlaggebend für die Garantiezeit.

Erwerben Sie ein gebrauchtes Fahrzeug, das relativ neu ist, kommen Sie während dieses Zeitraums in den Genuss der Herstellergarantie. Ihre Ansprüche können Sie dann, soweit sie nicht der gesetzlichen Händlergewährleistung unterliegen, direkt gegenüber dem Hersteller geltend machen.

Was fällt unter die gesetzliche Händlergewährleistung?

Die gesetzliche Händlergewährleistung, umgangssprachlich auch gesetzliche Gebrauchtwagengarantie genannt, bewirkt, dass der Verkäufer beim Verkauf seiner Ware dafür haften muss, dass sie frei von Mängeln aller Art ist. Diese Mängel können versteckt sein. Unter die gesetzliche Händlergewährleistung fallen aber auch teils Mängel, die erst nach dem Kauf auftreten.

Dies gilt dann, wenn Alter und Beschaffenheit der Ware – hier des Fahrzeugs – einen solchen Mangel nicht vermuten ließen und er üblicherweise nicht auftreten dürfte. Ein Gebrauchtwagen muss folglich immer einen Zustand aufweisen, wie man es dem Alter und dem Kilometerstand erwarten zurechnen würde.

Auch weitere Kriterien, beispielsweise ob der Wagen scheckheftgepflegt ist (also regelmäßig gewartet wurde) aus erster Hand und unfallfrei ist, entscheiden neben der Aussage des Händlers über den Zustand über Gewährleistungsansprüche.

Was unterscheidet Garantie und Gewährleistung?

Ein zusätzliche Händlergarantie, die über die gesetzliche Garantie bzw. gesetzliche Gewährleistung hinausgeht, ist eine freiwillige Sache. Sie wird oft gegeben, damit sich Interessenten entschließen, bei diesem Händler zu kaufen.

Eine Garantie kann an Bedingungen geknüpft werden, beispielsweise, dass das Fahrzeug bei diesem Händler oder einer Fachwerkstatt gewartet werden muss. Die Garantie muss ausdrücklich zugesagt werden, die Schriftform ist jedoch nicht unbedingt nötig.

Frist und Umfang der gesetzlichen Garantie

Die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistungsfrist für Gebrauchtwagen beträgt zwei Jahre. Sie darf zeitlich nicht unterschritten werden. Die Rechtsgrundlage hierfür sind die §§ 437 ff. BGB. Eine längere Garantie zu Ihrem Vorteil ist jedoch möglich, wenn der Verkäufer dies so mit Ihnen vereinbart.

Was besagt die 6-Monats-Frist?

Tritt nach dem Kauf eines Gebrauchtwagens innerhalb der ersten sechs Monate ein Mangel auf, dürfen Sie laut Gesetz davon ausgehen, dass der Mangel bereits beim Kauf vorhanden war. Sie müssen dem Händler nichts beweisen, denn der reine Umstand, dass der Mangel vorhanden ist, verpflichtet ihn zur Abhilfe.

Nach Ablauf dieser sechs Monate liegt es an Ihnen, dem Händler glaubhaft zu machen, dass kein Bedienungsfehler oder sonstiges Versäumnis Ihrerseits vorliegt.

Was dürfen Sie vom Händler verlangen?

Wer bei seinem kürzlich erworbenen Gebrauchtwagen einen Mangel entdeckt, reagiert verständlicherweise empört. Auch wenn Sie nun am liebsten den Wagen zurückgeben möchten, ist dies nicht sofort möglich. Erst müssen Sie dem Verkäufer die Möglichkeit geben, den Wagen in den versprochenen und naturgemäß zu erwartenden Zustand zu versetzen.

Sogar eine zweite Nachbesserung müssen Sie ihm in den meisten Fällen zugestehen. Schafft es der Verkäufer dennoch nicht, den Mangel zu beseitigen, haben Sie Anspruch auf Minderung des Kaufpreises bzw. Schadensersatzes. Auch ein Rücktritt vom Kauf ist möglich.

Müssen Sie eine Garantie vom Händler erwerben?

Die gesetzliche Gewährleistung beim Auto ist keine Leistung, für die Sie bezahlen müssen. Sie steht jedem Käufer zu. Eine weitergehende Garantie können Sie ablehnen. Sollte diese allerdings sehr großzügig bemessen sein, lohnt sich die Überlegung, ob Sie für die zusätzliche, freiwillige Garantie bezahlen wollen.

Der Vorteil einer über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehende Garantiezeit liegt auch darin, dass es in diesem Fall unerheblich ist, wann der Mangel zutage tritt. Die Garantie gilt über die gesamte Laufzeit. Der Aufpreis für die verlängerte Garantie kann sich durchaus lohnen.

Tipp: Gesetzliche Gewährleistung und Garantiebedingungen vergleichen

Lesen Sie die Garantievereinbarungen gründlich durch, ehe Sie sich zum Abschluss entscheiden. Sie enthalten in der Regel Details darüber, welche Teile des Fahrzeuges versichert sind und was Sie tun müssen, damit der Garantieanspruch bestehen bleiben.

Gesetzliche Gebrauchtwagengarantie beim Kauf von Privatpersonen

Kaufen Sie Ihren Gebrauchtwagen bei einer Privatperson, kann die gesetzliche Gewährleistung ausgeschlossen werden. Dies geschieht meist dadurch, dass der Verkäufer eine entsprechende Klausel in den Kaufvertrag aufnimmt.

Beispiel: Klausel für Haftungsausschluss

„Das Fahrzeug (Marke, Modell, nähere Daten) verkaufe ich an … unter Ausschluss jeglicher Sachmangelhaftung. Unberührt davon bleiben meine Pflichten als Verkäufer, soweit sie nicht die Haftung auf Schadensersatz wegen Verletzungen von Leben, Körper und Gesundheit und/oder vorsätzlich begangener Verletzungen betreffen.“

Kaufen Sie Ihr gebrauchtes Fahrzeug bei einer Person, die es als Firmenfahrzeug zugelassen hatte, handelt es sich nicht mehr um einen Privatverkauf. Es spielt dabei keine Rolle, ob dieser Gebrauchtwagen von

  • einer Autowerkstätte
  • einem Taxiunternehmen
  • Ihrem Friseur
  • oder von einer Bäckerei

stammt.

Hier entsteht in allen Fällen der Anspruch auf die gesetzliche Gewährleistung.

Streitfall, ob ein Mangel vorliegt

Die Ansichten, was ein Mangel ist, gehen oft weit auseinander. Tatsächlich ist ein Mangel nicht immer klar zu definieren. Normale Gebrauchsspuren und typischer Verschleiß führen keinesfalls zu einer Sachmängelhaftung des Verkäufers. Ein Mangel wäre jedoch, wenn während der Sachmängelfrist bei einem drei Jahre alten Fahrzeug der Bremskraftverstärker ausfällt. Hier muss der Händler nachbessern.

Tipp: Ziehen Sie einen Sachverständigen hinzu

Lehnt der Verkäufer die kostenlose Beseitigung eines solchen Mangels ab, sollten Sie dies nicht ungeprüft hinnehmen. Ein Sachverständigengutachten gibt Auskunft und dient in einem eventuell notwendig werdenden Gerichtsverfahren als Beweis.

Gebrauchtwagenkauf: Das müssen Sie beachten

Schauen Sie genau hin, von wem Sie Ihren Gebrauchtwagen kaufen. Automobilclubs und Versicherer veröffentlichen regelmäßig Statistiken, mit welchen Mängeln Sie bei Gebrauchtfahrzeugen einer bestimmten Marke rechnen müssen. Achten Sie besonders darauf, ob diese anfälligen Teile in Ordnung sind.

Bei hochpreisigen Gebrauchtwagen empfiehlt es sich, einen Sachverständigen hinzuzuziehen. Ein seriöser Gebrauchtwagenhändler wird kaum etwas dagegen haben. Sperrt er sich, so kann dies ein Hinweis sein, dass Sie sich besser woanders umsehen sollten.

Wie sollten Sie bei der Besichtigung des Wagens vorgehen?

Schauen Sie den Fahrzeugbrief hinsichtlich der Vorbesitzer an. Wie lange wurde jeweils das Fahrzeug gefahren, kann die auf dem Tacho angezeigte Laufleistung tatsächlich stimmen? Vielfach werden alte Fahrzeuge nur optisch aufgebessert und der Tacho zurückgedreht. Auch das Inspektionsheft kann einen Anhaltspunkt bieten.

Verzichten Sie nicht auf eine Probefahrt und nehmen Sie eine Person mit, die sich mit Gebrauchtwagen auskennt. Kaufen Sie einen Gebrauchtwagen beim Händler, recherchieren Sie im Internet, ob es Hinweise auf unseriöse Geschäfte gibt. Die gesetzliche Gebrauchtwagengarantie nützt Ihnen nur wenig, wenn der Händler nach dem Verkauf nicht mehr auffindbar ist.