Im Wirecard-Skandal trudeln die ersten Klagen von Anlegervertretern ein. Musterverfahren werden angestrengt, Ansprüche gegen Aufsichtsbehörden, Wirtschaftsprüfer und Wirecard selbst geltend gemacht. Als Anleger dabei den Überblick zu behalten ist nicht leicht. Wir ordnen die neuesten Entwicklungen für Sie ein.

BaFin-Klage wenig erfolgversprechend

Die Klage gegen die BaFin hat große mediale Wellen geschlagen. Wir halten die Klage allerdings für wenig erfolgversprechend. Zu dieser Einschätzung kommen wir nicht, weil die BaFin sich nichts hätte zuschulden kommen lassen. Die Aufgabe der BaFin liegt allerdings im öffentlich-rechtlichen Bereich und besteht nicht im Anlegerschutz. Wegen einer Pflichtverletzung gegenüber privaten Anlegern wird man sie nicht belangen können, denn eine derartige Pflicht besteht unseres Erachtens nicht.

Die einzige rechtliche Konsequenz, die wir bei diesem Verfahren für wahrscheinlich halten, ist dass eventuell einzelne Mitarbeiter dienstrechtlich belangt werden. Privatrechtliche Ansprüche gegen die Behörde selbst werden sich wohl kaum durchsetzen lassen.

Musterverfahren gegen Wirecard in München anhängig

Die Klage gegen die BaFin ist nicht das einzige viel diskutierte Verfahren im Wirecard-Skandal. Beim Landgericht München ist ein Musterverfahren gegen die Wirecard AG anhängig. Bis jetzt haben sich schon mehrere 10.000 Kläger registriert.

Hinweis: Klage gegen E&Y könnte sich lohnen

Eine Klage auf Schadensersatz lohnt sich in der Regel nur, wenn der Klagegegner auch um die finanziellen Mittel verfügt, die nötig sind, um die Forderung zu bedienen. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint es, als könnte eine Klage gegen den Wirtschaftsprüfer Ernst&Young erfolgversrechend sein.

Risiken bei Musterklage überwiegen Erfolgsaussichten

Zunächst klingt diese Klage also nach einem relativ unaufwändigen Weg für den einzelnen Anleger, um zu seinem Recht zu kommen. Wir raten trotzdem zur Vorsicht. Denn anders als bei der Musterfeststellungsklage im Dieselskandal ist bei diesem Verfahren die Anmeldung für die Kläger nicht kostenlos.

Bei einer Anmeldung tragen sie also ein erhebliches Prozessrisiko. Dem gegenüber steht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass selbst ein positiver Ausgang des Verfahrens für die Kläger nicht zu einem finanziellen Ausgleich führt. Denn wenn bei Wirecard keine Mittel vorhanden sind, kann es gut sein, dass die Kläger für ihr Geld nur einen wertlosen (da nicht vollstreckbaren) Titel bekommen.

Vom Wirecard-Skandal betroffen?

Jetzt Erstberatung einholen