Der Wirecard-Bilanzskandal nimmt derzeit immer größere Dimensionen an. Scheinbar plante die Führungsriege des Konzerns den Betrug über mehrere Jahre. Lange galt der Konzern als Vorzeigeunternehmen.

1,9 Milliarden Euro fehlen bei Wirecard

Der Konzern Wirecard ist seit Herbst 2018 Mitglied im wichtigsten deutschen Aktienindex, dem DAX. Der Wirtschaftsprüfer KPMG stellte ungeheuerliche Aufsichtsmängel im Konzern fest. Am Donnerstag, den 18.06.2020, sollte der Konzern seine Bilanz für 2019 vorlegen. Die Präsentation wurde bereits im Vorfeld mehrmals verschoben.

Statt den Jahresabschluss vorzulegen, erklärte das Unternehmen schließlich, dass der Bilanzprüfer Ernst & Young den Nachweis über ein angebliches Bankguthaben von 1,9 Milliarden EUR vermisse. Deshalb könne der Geschäftsbericht nicht testiert werden.

Wirecard fälschte Dokumente

Es folgte ein historischer Absturz der Wirecard Aktie um über 60 %. Viele Anleger könnten deswegen Anspruch auf Schadensersatz gegen Wirecard haben. Wirecard selbst sieht sich als Opfer und stellte Anzeige gegen Unbekannt. Unterdessen meldeten sich jedoch zwei philippinische Banken zu Wort. Bei ihnen sollen den Wirecard-Berichten zufolge die fraglichen Treuhandkonten unterhalten werden, bei denen die 1,9 Milliarden EUR fehlen. Die Banken geben jedoch an, dass Wirecard kein Kunde ist. Die Dokumente, die die Konten bei den Banken belegen, sind demnach gefälscht.

Hinweis: Tochtergesellschaften ebenfalls von Insolvenz betroffen

Sechs deutsche Tochtergesellschaften von Wirecard meldeten ebenfalls Insolvenz an. Weitere Verfahren können nicht ausgeschlossen werden. Ziel der Insolvenzanträge der Tochtergesellschaften ist es, diese nach Möglichkeit fortzuführen.

Konzern stand schon länger unter Verdacht des Betrugs

Besonders brisant: Das Unternehmen steht bereits seit Jahren im Verdacht, seine Zahlen frisiert zu haben. Demnach soll der insolvente Zahlungsdienstleister bereits im Jahr 2015 seine Umsätze und Erlöse in der Jahresbilanz mit vorgetäuschten Milliardeneinnahmen aufgebläht haben. Der Plan war, den Konzern finanzkräftiger und attraktiver dastehen zu lassen. Schon seit 2016 berichten Zeitungen über mutmaßlich fiktive Umsätze von Wirecard.

Politik weist Schuld Finanzaufsicht und Wirtschaftsprüfern zu

Es wird bereits Kritik an der Bundesregierung ausgeübt. Diese habe trotz kritischer Berichte über mögliche Ungereimtheiten in der Wirecard-Bilanz wenig Kontakt zu den Wirecard-Managern gesucht und sich kaum mit dem Unternehmen beschäftigt. SPD-Chef Norbert Walter-Borjans sieht die Probleme im Wirecard-Skandal jedoch bei der Finanzaufsicht und den Wirtschaftsprüfern, anstatt in der Politik.

Quellen: