Grippe in der ersten Woche im neuen Job oder ein bereits gebuchter Urlaub, der leider in die Probezeit im neuen Unternehmen fällt: Vielen Arbeitnehmern bricht der Schweiß aus, wenn sie solche Themen in der Probezeit ansprechen müssen. Aber muss das sein? Ich kläre die fünf größten Irrtümer zur Probezeit auf.

Irrtum 1: Eine Probezeit hat nur Vorteile für Arbeitgeber

In einer Probezeit sollen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber kennen lernen. Und tatsächlich können Arbeitgeber in der Probezeit das Arbeitsverhältnis mit einer verkürzten Kündigungsfrist wieder lösen. Das gleiche gilt jedoch auch für Arbeitnehmer. Wenn eine Seite unzufrieden mit dem neuen Arbeitsverhältnis ist, kann sie es mit einer Kündigungsfrist von zwei Wochen wieder beenden.

Irrtum 2: Die ersten sechs Monate sind Probezeit

Häufig wird eine Probezeit von sechs Monaten vereinbart, eine kürzere Probezeit ist aber durchaus möglich. Richtig ist: Die Probezeit darf höchstens sechs Monate lang sein. Bei Ausbildungsverträgen liegt sie zwischen einem und vier Monaten. Besonders vor Kündigungen durch den Arbeitgeber geschützt sind allerdings Schwangere, Frauen im Mutterschutz und Eltern in Elternzeit.

Irrtum 3: Das Kündigungsschutzgesetz gilt nach der Probezeit

Egal, wie lang die Probezeit ist: Das Kündigungsschutzgesetz greift erst nach einem halben Jahr im neuen Job und nur in Unternehmen mit mehr als zehn Mitarbeitern. Bis dahin kann eine Kündigung ohne Angaben von Gründen erfolgen – nur ist außerhalb der Probezeit die Kündigungsfrist nicht mehr verkürzt.

Irrtum 4: In der Probezeit gilt Urlaubssperre

In der Probezeit gibt es keine allgemeine Urlaubssperre, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Arbeitnehmer haben auch in der Probezeit Anspruch auf Urlaub. Eine Urlaubssperre kann trotzdem unter bestimmten Umständen angeordnet oder vertraglich vereinbart werden.

Auch können sie erst nach einem halben Jahr im neuen Unternehmen über ihren vollen Urlaubsanspruch für das Jahr verfügen. Diese Regelung ist unabhängig von der Probezeit. In den ersten sechs Monaten haben Arbeitnehmer nur Anspruch auf die Urlaubstage, die sie sich schon “erarbeitet” haben. Pro gearbeitetem Monat können sie dann über ein Zwölftel ihres Jahresurlaubs verfügen.

Beispiel 1:
Sie haben 30 Tage Jahresurlaub. Das entspricht 2,5 Tagen pro Monat. Nach drei Monaten im neuen Job wollen Sie 10 Tage Urlaub nehmen. Der Antrag wird zu Recht abgelehnt. Sie können nur über 7,5 Urlaubstage (3 x 2,5) verfügen.

Beispiel 2:
Sie haben 26 Tage Jahresurlaub. Nach sechs Monaten möchten Sie 25 Tage Urlaub nehmen. Der Antrag muss bewilligt werden, da Ihnen jetzt der gesamte Jahresurlaub zur Verfügung steht.

Irrtum 5: Bei Krankheiten gelten für alle Beschäftigten die gleichen Regeln

Im Wesentlichen gelten bei Krankheiten in der Tat für Mitarbeiter in der Probezeit die gleichen Regeln wie für andere Beschäftigte. Wer in der Probezeit krank wird, wird eben krank. Der Arbeitgeber darf Ihnen das nicht anlasten.

Hinweis: Kündigung während Krankheit
Eine wichtige Regel zu Krankheit, die viele nicht kennen: Ihnen kann während einer Krankheit gekündigt werden – unabhängig von der Probezeit.

Allerdings bekommen Sie in den ersten vier Wochen im neuen Job keinen Lohn für Tage, an denen Sie krank waren. Wenn Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung sind, haben Sie dann Anspruch auf Krankengeld.

 

Quellen: