Um ein Baby muss sich jemand kümmern. Und die meisten Menschen müssen arbeiten gehen, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Damit sich beides vereinbaren lässt, gibt es die Elternzeit, eine Arbeitspause mit dem Recht, danach auf den alten Arbeitsplatz zurückkehren. In der Praxis aber finden sich besonders Frauen nach der Elternzeit oft auf dem Abstellgleis wieder. Eine Arbeitsvermittlerin aus Brandenburg wehrte sich erfolgreich vor Gericht.

Frauen bekommen nach Babypause oft einen unattraktiveren Job

Nach einer längeren Abwesenheit werden Arbeitnehmer häufig auf einen anderen, unattraktiveren Arbeitsplatz verwiesen. Und weil vor allem Frauen in der Regel länger zu Hause bleiben, betrifft das Problem besonders Mütter. Dabei ist die Rechtslage eindeutig und verbietet ein solches Vorgehen.

Wenn Frauen gegen eine solche Behandlung klagen, haben sie vor Gericht damit häufig Erfolg. Das zeigt exemplarisch ein Fall, den das LAG Berlin-Brandenburg bereits 2017 entschieden hat (Az. 3 Sa 123/17).

Arbeitsvermittlerin sollte in anderer Stadt arbeiten

Eine Frau war als Arbeitsvermittlerin für die Stadt Brandenburg tätig. Sie bekam zwei Kinder und nahm deswegen eine mehrjährige Elternzeit. Bei der Rückkehr aus der Elternzeit erwartete sie eine neue Arbeitsplatzzuweisung. Sie sollte nun nicht mehr in Brandenburg arbeiten, sondern in der 36 Kilometer entfernten Stadt Werder.

Hinweis: Männer werden eher vertreten, Frauen eher ersetzt

Frauen verlieren nach der Elternzeit ihre alten Jobs häufiger als Männer. Männer nehmen oft nur wenige Monate Elternzeit. Das überbrücken Arbeitgeber häufig mit Urlaubsvertretungen. Frauen haben oft länger Elternzeit, sodass Arbeitgeber in der Zwischenzeit jemanden neu anstellen und die Frauen dann nicht mehr auf ihre alten Stellen zurückkehren lassen.

Die Begründung des Arbeitgebers: In ihrem Arbeitsvertrag stand nicht explizit, dass ihr ein Arbeitsplatz in Brandenburg zugewiesen war. Es gab zwar auch zwölf Kollegen, die für die Stelle in Werder infrage gekommen wären, doch von denen war keiner zum Ortswechsel bereit gewesen – obwohl manche der Kollegen zwischen Werder und Brandenburg wohnten und keine Familie hatten. Daher hatte man die Elternzeitrückkehrerin auf die unbeliebte Stelle versetzt.

Arbeitgeber hätte soziale Belange berücksichtigen müssen

Die Versetzung war so nicht in Ordnung, befanden die Richter. Der Arbeitgeber hätte die sozialen Belange der Mitarbeiter nach billigem Ermessen gemäß § 106 S.2 GewO berücksichtigen müssen. Und dabei hätte die zeitintensive Beaufsichtigung der zwei kleinen Kinder ins Gewicht fallen müssen.

Der Arbeitgeber hätte deswegen einen der Mitarbeiter mit Wohnort zwischen Brandenburg und Werder nach Werder schicken müssen. Die Elternzeitrückkehrerin wie eine Neueinstellung auf irgendeinen freien Arbeitsplatz zu versetzen, war nicht zulässig.

 

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