Das Landgericht entschied kürzlich, dass Reisende, die erst 90 Minuten vor Abflug am Check-In-Schalter erscheinen, keinen Anspruch auf Schadensersatz haben. Auch dann nicht, wenn aufgrund fehlenden Personals die Sicherheitskontrolle länger dauert.

Reisende planten zu wenig Zeit am Flughafen ein

Der Kläger des Falls buchte für sich und seine Ehefrau bei dem beklagten Reiseunternehmen eine Pauschalreise nach Bali von Ende Oktober bis Mitte November 2018. Der Preis lag insgesamt bei rund 2.800 EUR.

Der Reisende gab an, dass er sich um 16.00 Uhr am Frankfurter Flughafen eingefunden habe, um sein Gepäck aufzugeben. Also 90 Minuten vor Abflug, da der Flug für 17.35 Uhr terminiert war. Nach der Gepäckaufgabe ging das Ehepaar unmittelbar weiter zur Passkontrolle.

Fünf Minuten vor Abflug wurde der Einstieg verweigert

Nach ihren Angaben befanden sich zu dem Zeitpunkt rund 400 weitere Passagiere dort, die von nur zwei Bundespolizisten kontrolliert wurden. Folglich musste das Ehepaar deutlich länger warten, als sie zunächst eingeplant hatten. Erst gegen 17.30 Uhr, also fünf Minuten vor Abflug, erreichten sie den Flugsteig.

Dort wurde ihnen der Zustieg verweigert. Ihr Gepäck war bereits wieder ausgeladen worden. Das Reiseunternehmen bot dem Paar einen Ersatzflug an, für den sie 1.600 EUR zu zahlen sollten. Aufgrund der hohen Kosten lehnten sie das Angebot jedoch ab.

Kläger fordert Schadensersatz

Das beklagte Reiseunternehmen zahlte den Eheleuten vorgerichtlich 500 EUR von den 2.800 EUR zurück. Die Reisenden forderten mit einer Klage jedoch den Gesamtbetrag zurück. Das Amtsgericht gab der Klage zunächst statt. Zudem sah es einen Anspruch auf Schadensersatz als gegeben an.

Allerdings ist das Gericht in seinem Urteil davon ausgegangen, dass die Reise mangelhaft war, da das Reiseunternehmen die Flugleistung und somit auch die Reiseleistung insgesamt nicht erbracht habe. Ferner sei es dem Reiseunternehmen zuzurechnen, dass nicht ausreichend Bundespolizisten für die Passkontrolle vor Ort waren. Dagegen wendet sich dieses in seiner Berufung.

Landgericht lehnt Klage ab

Der Fall ging vor das Landgericht Koblenz. Dieses schloss sich allerdings der Auffassung des beklagten Reiseunternehmens an und lehnte die Klage ab. Für das Landgericht sei zwar die Annahme zutreffend, dass der Reiseveranstalter grundsätzlich auch ohne Verschulden für Reisemängel hafte. Allerdings muss dieser nur haften, soweit sich nicht ein allgemeines Lebensrisiko verwirklicht oder der Reisende den Mangel selbst verschuldet habe.

Für das Landgericht war deshalb die Tatsache entscheidend, dass die Eheleute für die Sicherheitskontrolle und das Boarding nur knapp 90 Minuten als ausreichend empfanden. Aus den Informationen des Reiseveranstalters ist jedoch zu entnehmen, dass Reisenden empfohlen wird, spätestens zwei Stunden vor Abflug am Check-In-Schalter zu sein.

Dieser Empfehlung ist der Kläger jedoch nicht nachgekommen. Somit habe er das Risiko wissentlich in Kauf genommen und es selbst zu verantworten, dass die Zeit nicht ausreichend war. Daher stehe dem Kläger auch kein Anspruch auf Schadensersatz zu.

Hinweis: Wenn es bei Ihrer Reise unerwartet zu Komplikationen kommt

Sollten Sie auch einmal eine Flugverspätung oder gar einen Flugausfall haben, empfehlen wir Ihnen unsere Ratgeber zum Thema Reisen. Dort finden Sie zahlreiche Tipps, wie Sie sich in einer unerwarteten Situation verhalten sollten und welche Ansprüche Ihnen gegebenenfalls zustehen.

 

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