Wer als Anleger dem Wirecard-Skandal in den Medien folgt, kann leicht den Eindruck bekommen, dass er oder sie unbedingt schnell Klage erheben sollte. Wir zeigen andere Handlungsmöglichkeiten auf und erklären, warum Sie so am wahrscheinlichsten zu Ihrem Recht kommen.

Anleger sollten Forderungen beim Insolvenzverwalter geltend machen

Im Moment scheint alle Welt Klage gegen Wirecard zu erheben – ob das nun sinnvoll ist oder nicht. Einen wichtigen anderen Schritt können Anleger dabei leicht aus den Augen verlieren: Sie sollten zunächst ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter geltend machen. Das ist möglich, sobald das Insolvenzverfahren eröffnet ist.

Hinweis: Woher weiß ich wann das Insolvenzverfahren gegen Wirecard eröffnet wird?

Der konkrete Termin der Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird in den Medien veröffentlicht. Aktionäre können sich aber auch selbst informieren. Das Insolvenzverfahren wird beim Landgericht München unter dem Aktenzeichen 1542 IN 1308/20 geführt.

Wenn der Insolvenzverwalter die Forderung nicht bestreitet, was ein durchaus realistisches Szenario ist, erhalten Anleger durch dieses Vorgehen automatisch eine Insolvenzforderung, ohne dafür eine kostspielige Klage erheben zu müssen. Die Anmeldung können Anleger selbst durchführen oder einen Anwalt damit beauftragen. Zweiteres verursacht allerdings Kosten.

Wird es einen Wettlauf der Gläubiger geben?

Sobald das Verfahren eröffnet ist, können Anleger sich in die Insolvenztabelle eintragen. Dabei ist allerdings keine besondere Eile geboten. Die Forderungen werden nicht in der Reihenfolge ihres Eingangs bedient, sondern alle Gläubiger werden gleich behandelt. Gläubiger werden hier aber nicht vom Insolvenzverwalter angeschrieben, sondern müssen selbst tätig werden.

Sollten Anleger jetzt gegen Ernst&Young klagen?

Im Insolvenzverfahren werden Anleger wohl nur einen kleinen Teil ihrer Forderungen zurückbekommen – schließlich gibt es hunderttausende Gläubiger. Trotzdem ist nicht alles verloren. Beim jetzigen Stand der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist es noch nicht mit Sicherheit zu sagen, doch als vermutlich aussichtsreichster Klagegegner zeichnet sich der Wirtschaftsprüfer Ernst & Young ab.

Die Wirtschaftsprüfer haben in den vergangenen Jahren immer wieder positive Testate ausgestellt, ohne die Bilanzen ausreichend zu prüfen. Und im Unterschied zur Wirecard AG können die Wirtschaftsprüfer voraussichtlich einige Forderungen bedienen, so dass eine Klage hier deutlich lukrativer sein dürfte als beim bankrotten Finanzdienstleister selbst. Sobald genug Fakten bekannt sind, um eine substantiierte Klage zu begründen, wird ein spezialisierter Rechtsanwalt dies für seine Mandanten durchführen.

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