Ryanair-Kunden staunten nicht schlecht: Denn der Billigflieger verschickt derzeit E-Mails, in denen er nachträglich Zahlungen verlangt – und zwar für bereits bezahlte Flüge. Hintergrund ist die Erhöhung der Luftverkehrssteuer ab dem 01.04.2020. Aber darf Ryanair die Kosten für schon bezahlte Tickets einfach nachträglich erhöhen?

Luftverkehrssteuer steigt ab April

Die Bundesregierung hat jüngst ihr viel diskutiertes Klimapaket verabschiedet. Darin hat sie unter anderem eine Erhöhung der Luftverkehrssteuer beschlossen, gültig ab April 2020. Der Effekt: Flugtickets werden ab April teurer.

Die Erhebung der Steuer richtet sich allerdings nach dem Flugdatum, nicht nach dem Buchungsdatum. Das bedeutet, die Fluggesellschaften müssen die höhere Steuer ab April zahlen, egal, ob sie diese bei der Buchung schon eingerechnet hatten oder nicht.

Flüge kosten zwischen 5 EUR und 17 EUR mehr

Ryanair löst dieses Problem nun, indem es seine Kunden nachträglich zur Kasse bittet. Für Flüge ab April sollen die Kunden zwischen 5 EUR und 17 EUR nachzahlen. Dieses Vorgehen ist zwar ungewöhnlich, aber rechtens.

Hinweis: Pauschalurlauber und andere Fluggesellschaften nicht betroffen

Lufthansa, Eurowings, Condor, Tuifly und Easyjet wollen die erhöhten Kosten nicht auf die Kunden umlegen, sondern zahlen die Mehrkosten selbst. Auch Pauschalurlauber müssen keine Angst vor Nachforderungen haben, erklärt der Deutsche Reiseverband.

Ronald Schmid, der Luftverkehrsrechtler der TU Dresden sagt, Ryanair habe das Recht, die Steuer nachzufordern: “Denn damals wusste man nicht, dass sie auf den Flug erhoben werden wird. Und jetzt kann Ryanair tatsächlich sagen: Wenn Sie fliegen, dann ist diese Steuer für uns fällig. Und nachdem das eine Steuer des Staates ist, muss Ryanair die auch tatsächlich abführen.”

Verbraucherschützer nennen Vorgehen unangemessen

Das Vorgehen von Ryanair allerdings bringt Verbraucherschützer auf die Barrikaden. Denn Ryanair fordert seine Kunden per E-Mail zur Nachzahlung oder Stornierung innerhalb von acht Tagen auf. Erfolgt dann keine Zahlung, droht Ryanair, dass die Forderung innerhalb von 48 Stunden beglichen werden muss, sonst könne man für seinen Flug nicht einchecken.

„Dass man innerhalb von 48 Stunden den Betrag begleichen muss, dafür gibt es im Grunde gar keine Regelung und das ist auch aus unserer Sicht nicht angemessen,“ kritisiert Robert Bartel von der Verbraucherschutzzentrale Brandenburg.

 

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