Wirecard-Aktionäre können Insolvenzforderungen anmelden – wieso eigentlich? Normalerweise müssen Aktionäre das Risiko für Verluste selbst tragen. Was ist in diesem Fall anders? Und worauf müssen Sie achten, wenn Sie Ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden wollen?

Aktionäre tragen Pleite-Risiko selbst

Bei einer Firmenpleite gehen Aktionäre normalerweise leer aus. Das Geld aus der Insolvenzmasse geht an Angestellte und andere Gläubiger, Aktionäre haben eben Pech.

Die Wirecard-Pleite ist allerdings in dieser Hinsicht ein Sonderfall. Weil Wirecard so lange seine Bilanzen gefälscht hat, hatten die Aktionäre nicht die Möglichkeit, eine informierte Entscheidung über das Behalten oder Verkaufen der Aktien zu treffen.

Wegen dieser Betrügereien haben Wirecard-Aktionäre gute Aussichten, bei der Verteilung der Insolvenzmasse berücksichtigt zu werden. Eigentlich gilt ja an der Börse: Wenn es einem Unternehmen gut geht, profitieren die Aktionäre.

Verluste sind wegen Betrug bei Wirecard entstanden

Geht es dem Unternehmen schlecht oder wird es sogar insolvent, haben die Aktionäre eben Pech. Sie sind ein Risiko eingegangen und haben eben verloren. Schadensersatz wegen entgangener Profite steht da niemandem zu.

Weil der Verlust der Aktionäre auf den Betrug von Wirecard zurückzuführen ist, können Sie nun ihre Forderungen beim Insolvenzverwalter anmelden. Es ist aber dringend zu empfehlen, dass Sie einen rechtlichen Vortrag machen, in dem Sie darlegen, warum in diesem Fall, abweichend vom sonst geltenden Recht, Schadensersatzforderungen von Aktionären zulässige Insolvenzforderungen sind.

Hinweis: Vortrag den Anwalt machen lassen

Aktionären, die bei der Verteilung der Insolvenzmasse berücksichtigt werden wollen, ist daher zu empfehlen, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden, der einen entsprechenden Schriftsatz für sie aufsetzt.

Anleger sollten Klagen gegen EY vorbereiten

Parallel sollten Sie als geschädigter Anleger die weiteren Entwicklungen beim Wirtschaftsprüfer EY verfolgen. Aller Voraussicht nach wird EY grobe Fahrlässigkeit nachzuweisen sein, so dass es sich schon jetzt lohnt, eine Klage vorzubereiten und um schnell handeln zu können, wenn der Verdacht sich erhärtet.

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