Unfälle im Kreisverkehr sind keine Seltenheit, da viele Verkehrsteilnehmer nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten müssen. Das Landgericht Saarbrücken musste nun in einem Fall entscheiden, in dem ein Fahrschüler aufgrund einer unvorhergesehenen Bremsung einen Auffahrunfall verursachte.

Fahrschüler bremst und verursacht Auffahrunfall

Der Unfall ereignete sich im Bezirk Völklingen an der Saar. Ein Fahrschulwagen, gesteuert durch einen Fahrschüler und im Beisein des Fahrlehrers, befuhr einen Kreisverkehr. Hinter dem Fahrschulwagen fuhr ein Mann in einem Ford Fiesta.

Bereits an der ersten Ausfahrt sollte der Fahrschüler den Kreisverkehr wieder verlassen. Dafür betätigte er ordnungsgemäß den rechten Fahrtrichtungsanzeiger. Kurz darauf bremste er allerdings so unvermittelt stark ab, dass ihm der Ford Fiesta auffuhr. An diesem entstand ein Schaden von rund 6.800 EUR sowie eine Wertminderung in Höhe von 650 EUR.

Klägerin fordert Übernahme des hälftigen Schadens

Die Besitzerin des Ford Fiestas, die Ehefrau des Fahrers, beantragte die Übernahme des hälftigen Schadens durch die Haftpflichtversicherung des Fahrschulfahrzeugs. Diese lehnte den Anspruch allerdings ab. Die Begründung: Der Bremsvorgang sei erforderlich gewesen, weil ein älterer Herr angedeutet habe auf die Straße zu laufen.

Die Besitzerin des Ford Fiestas reichte eine Klage beim Amtsgericht Völklingen ein. Sie begehrte nach wie vor die Erstattung des hälftigen Schadens. Das Amtsgericht hat der Klage in einem Urteil vom Juni 2018 im Wesentlichen stattgegeben. Gegen das erstinstanzliche Urteil legte die Haftpflichtversicherung des Fahrschulfahrzeuges jedoch Berufung ein, welche wiederum zum Teil Erfolg hatte.

LG hält plötzliches Bremsen für typisches Verhalten eines Fahrschülers

Für das Landgericht Saarbrücken deutet das Auffahren daraufhin, dass der Fahrer des Ford Fiestas

  • entweder einen zu geringen Abstand hielt
  • oder aber unaufmerksam war.

Ferner sollte jeder Verkehrsteilnehmer, der einem deutlich gekennzeichneten Fahrschulfahrzeug folgt, mit plötzlichen und sonst nicht üblichen Reaktionen rechnen und seine Fahrweise darauf einstellen.

Plötzliches Bremsen sowie das Abwürgen des Motors seien für das Gericht typische Fehler eines Fahrschülers. Das hätte bei der Wahl des Sicherheitsabstandes mit einkalkuliert werden müssen. Die Richter hielten daher eine Erstattung des hälftigen Schadens nicht für angebracht.

Sie entschieden sich für eine Haftungsverteilung von 70 % zu Lasten der Klägerin, also der Halterin des Ford Fiestas. Die Kfz-Haftpflichtversicherung des Fahrschulfahrzeugs hatte demnach noch 30 % des entstandenen Schadens zu tragen.

Hinweis: Seien Sie besonders aufmerksam, wenn Sie hinter einem Fahrschulfahrzeug fahren.

Sofern ein Fahrzeug vor Ihnen mit dem Schild „Fahrschule“ gekennzeichnet ist, sollten Sie als der nachfolgende Kraftfahrer äußerste Sorgfalt walten lassen. Fahrschüler begehen bekannterweise Fehler, die nicht selten auch den Fahrlehrer zum sofortigen Eingreifen und Abbremsen zwingen. Rechnen Sie mit Fahrfehlern und halten Sie einen ausreichenden Sicherheitsabstand ein.

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Quellen: