Der Mieter eines Leihwagens fuhr mit einer Geschwindigkeit von rund 200 Kilometer pro Stunde über die Autobahn. In dem Moment, als er das Informationssystem des Fahrzeugs nutzen wollte, prallte er gegen die Mittelleitplanke. Trotz Versicherung muss der Fahrer den entstandenen Schaden selbst zahlen. Das entschied das Oberlandesgericht Nürnberg.

Fahrer verursacht 12.000 Euro Schaden bei Leihwagen

Der Mann lieh sich bei einer Autovermietung ein Fahrzeug, das in die Kategorie Luxuswagen einzustufen ist. Mit diesem fuhr er gerade 200 km/h auf der Überholspur der Autobahn, als er das Infosystem des Fahrzeugs nutzen wollte.

Der Fahrer wollte in dem Moment nach eigenen Angaben mit der rechten Hand das System bedienen, um Informationen im Navigationssystem abzurufen. Mit der linken Hand steuerte er das Fahrzeug.

Durch die Ablenkung durch das System verlor er kurzzeitig die Kontrolle über das Fahrzeug. Dieses stieß dadurch gegen die Mittelleitplanke der Fahrbahn und wurde stark beschädigt. Der entstandene Schaden beläuft sich auf rund 12.000 EUR.

Versicherung verlangt teilweise Kostenübernahme des Unfallverursachers

Der Fahrer hatte im Vorfeld eine Versicherung mit der Vermietung abgeschlossen. Diese sah im Falle eines Schadens eine Haftungsbeschränkung ohne Selbstbeteiligung vor. Allerdings sehen die Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Autovermietung vor, dass diese dazu berechtigt ist, zumindest teilweise Regress zu nehmen, wenn der entstandene Schaden am Mietfahrzeug grob fahrlässig herbeigeführt wurde.

Die Autovermietung reichte daher Klage beim LG Nürnberg-Fürth ein und verlangte 50 % der Kostenübernahme durch den Fahrer. Die Klage wurde abgewiesen und der Fall wurde schließlich vor dem Oberlandesgericht Nürnberg verhandelt.

OLG bestätigt grob fahrlässiges Verhalten des Fahrers

Das Oberlandesgericht Nürnberg entschied, dass der Fahrer den gesamten Schaden in Höhe von 12.000 EUR zahlen muss. Das Gericht begründete die Entscheidung mit der Tatsache, dass der Fahrer die verkehrserforderliche Sorgfalt in diesem Fall in hohem Maße verletzt und sich  grob fahrlässig verhalten habe.

Hinweis: Eigene Pflichtverletzung entbindet Versicherung aus Zahlpflicht

Das Verhalten stelle eine objektiv schwere und unentschuldbare Pflichtverletzung dar. Basierend auf der Aussage des Mitarbeiters der Autovermietung, bei dem der Fahrer das Auto nach dem Unfall abgeben wollte, habe der Fahrer auf Nachfrage wie es zu dem Unfall gekommen sei selbst geantwortet, dass er 200 km/h gefahren sei.

Als er Informationen im Navigationssystem abrufen wollte, kam es zu dem Unfall. Die hohe Geschwindigkeit stellt für das Gericht ein hohes Gefahrenpotenzial dar. Deshalb muss die Versicherung nicht für den entstandenen Schaden aufkommen, sondern der Fahrer. Die Revision ist nicht zugelassen.

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