Mehrere Kanzleien drohten bereits an, die Finanzaufsicht BaFin zu verklagen. Nun liegt dem Landgericht Frankfurt die erste Klage vor. Laut dem Anwalt hätte die BaFin den Wirecard-Skandal verhindern können.

Zehntausende Geschädigte erhoffen sich  Schadensersatz

Durch den Skandal rund um Wirecard haben zehntausende Anleger zum Teil hohe Summen verloren. Investoren wurden getäuscht, zahlreiche Kreditgeber um ihr Geld gebracht. Nun wartet eine Vielzahl von Geschädigten darauf, von dem verlorenen Geld etwas zurückzubekommen.

Allerdings gibt es bei dem insolventen Unternehmen kaum noch etwas zu holen. Am vergangenen Mittwoch war in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft die Rede von 3,2 Milliarden Euro, die verloren seien. Weder die Vermögen der früheren Vorstände und Manager, gegen die derzeit wegen mehrerer schwerer Delikte ermittelt wird, noch die Mittel aus der Insolvenzmasse werden für die Summe der Entschädigungen ausreichen.

Klage gegen die Finanzaufsicht BaFin

Daher versucht jetzt der Tübinger Rechtsanwalt Andreas Tilp, den Schadensersatz auf einem anderen Weg zu erstreiten. Er reichte für seine Mandanten Klage gegen die Finanzaufsicht BaFin ein. Er wirft der Behörde vor, dass diese durch früheres Handeln den Wirecard-Skandal hätte verhindern können. Im Erfolgsfall würde die Klage den Staat Milliarden kosten.

Hinweis: Wofür steht BaFin?

BaFin setzt sich aus “Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht” zusammen. Die Aufgabe der BaFin ist nach eigenen Angaben, die verschiedenen Geldinstitute und deren Stabilität im Interesse aller zu überwachen und somit für die Integrität des gesamten Finanzsystems zu sorgen.

Mehrere Kanzleien haben eine Klage bereits angekündigt. Tilp reichte diese nun als erster ein. Im selben Zuge beantragte er eine Musterverfahren gegen die BaFin. Mit dieser plant er im Namen Tausender Anleger, Schadensersatz zu erstreiten. Allerdings handelt es sich bei dieser Vorgehensweise um ein bisher noch selten erprobtes Instrument.

BaFin hätte Skandal laut Anwalt verhindern können

Konkret wirft Tilp der BaFin jahrelangen Machtmissbrauch im Zusammenhang mit Wirecard vor. Die Behörde habe leichtfertig ihre gesetzlichen Pflichten verletzt. Nicht früh genug sei sie dem Verdacht nachgegangen, dass Wirecard seine Bilanzen beschönigt.

Folglich hätte die BaFin viel früher ermitteln müssen. Hätte sie das getan, wäre der Finanzbetrug schon zu Beginn des Jahres 2019 öffentlich bekannt gewesen. Viele nun geschädigte Anleger hätten dann nicht mehr in Wirecard investiert.

Hinweis: Ist es sinnvoll, Klage gegen die BaFin einzureichen?

Nein, zum aktuellen Zeitpunkt raten wir davon ab, Klage zu erheben. Die Aufgabe der BaFin ist öffentlich-rechtlicher Natur. Der Schutz privater Anleger gehört nicht in ihren Aufgabenbereich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass deshalb keine Ansprüche gegen die Behörde durchgesetzt werden können.

 

Quellen: