Bei Wirecard war schon länger einiges im Argen, so viel ist klar. Je mehr Fakten ans Licht kommen, desto stärker drängen sich Fragen auf: Warum hat es so lange gedauert, bis der Betrug ans Licht gekommen ist? Und wer trägt die Verantwortung dafür?

Olaf Scholz setzte sich noch im Herbst für Wirecard ein

Seit dem Wochenende steht auch das Kanzleramt in der Kritik. Noch im Herbst 2019 hatte sich das Kanzleramt in China für Wirecard eingesetzt. Damals hatte Wirecard einen Markteintritt in China geplant. Gut ein halbes Jahr vorher war allerdings Finanzminister Olaf Scholz schon bekannt gewesen, dass bei der Bafin Ermittlungen gegen Wirecard wegen Marktmanipulation laufen.

Der haushaltspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Otto Fricke, forderte weitere Aufklärung darüber, wer was wann wusste. Denn natürlich könne von einer Bundesregierung erwartet werden, dass sie sich für deutsche Firmen und den Wirtschaftsstandort einsetze. Aber die Gründe seien entscheidend und damit verbunden die Frage, wann das Kanzleramt über Unregelmäßigkeiten bei Wirecard informiert war.

Hat die Regierung eine Mitschuld an der Mega-Pleite?

Die Obleute des Finanzausschusses beraten nun vor diesem Hintergrund darüber, ob der Ausschuss in der Sommerpause eine Sondersitzung zu Wirecard hält. Trägt also auch die Regierung eine Mitschuld daran, dass die Wirecard-Pleite derart dramatisch ausfiel und am Ende die Anleger die Leidtragenden waren?

Hinweis: Was ist passiert bei Wirecard?

Wirecard hat zugegeben, das in der Bilanz 1,9 Milliarden EUR fehlen. Daraufhin stürzte der Börsenkurs des Dax-Unternehmens ins Bodenlose. Wirecard hat inzwischen Insolvenz angemeldet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Dass der Wirecard-Skandal sich bis in deutsche Regierungskreise ausweitet, ist nicht die einzige dramatische Entwicklung in dem Fall. Am Wochenende wurde auch der Aufenthaltsort des zunächst untergetauchten Wirecard-Ex-Vorstandes Jan Marsalek bekannt.

Ex-Manager Marsalek hat sich nach Russland abgesetzt

Der Ex-Manager hat sich nach Berichten des Handelsblatt nach Russland abgesetzt und vorher erhebliche Summen in Form von Bitcoins über Dubai nach Russland geschafft. Nun hält sich Marsalek offenbar in einem Anwesen bei Moskau unter Aufsicht des russischen Militärgeheimdienstes auf. Ob die deutsche Justiz Zugriff auf Marsalek erhält, ist noch nicht bekannt.

Juristische Aufarbeitung wird viel Zeit in Anspruch nehmen

Unterm Strich lässt sich bisher nur eines mit Sicherheit sagen: Die Causa Wirecard hat der deutschen Wirtschaft und den Aktionären enormen Schaden zugefügt. Die moralische und juristische Aufarbeitung des Wirecard-Debakels wird wohl noch lange Zeit in Anspruch nehmen. Für Anleger gilt weiterhin, dass es beim jetzigen Stand der Dinge noch nicht sinnvoll ist, Klage zu erheben, weil noch nicht geklärt ist, gegen wen Ansprüche am besten durchzusetzen sind. Es ist also weiter Abwarten angezeigt.

 

Quellen:

  • AFP