Eine teure Modernisierung am Haus, hohe Kosten für Medikamente oder Ausgaben für die Berufskleidung: Viele Maßnahmen können Sie zumindest steuerlich absetzen. Steuern sparen fängt längst vor der Steuererklärung an: Erfahren Sie, wo Sie überall Steuervorteile erlangen können.

Steuerliche Vorteile in Anspruch nehmen

Jährlich wird eine immense Summe an Steuern verschenkt, statistisch gesehen bekommt jeder Steuerzahler pro Jahr über 800 EUR zurück. Daher gilt: Ohne Steuererklärung keine Ersparnis. Dieser Grundsatz gilt für alle, die Lohn- und Einkommenssteuer zahlen. Der Staat trägt dem Steuerzahler zu viel abverlangte Steuern aber nicht nach.

Alle Ausgaben und Voraussetzungen, die den Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Sonderausgaben und Werbungskosten übersteigen, müssen nachgewiesen werden. Grundlegende Steuerfreibeträge können vorab für einen Zeitraum von zwei Jahren gewährt werden, bei anderen Steuerfreibeträgen wiederum ist die regelmäßige Überprüfung notwendig, ob sie noch zu Recht bestehen.

Steuern sparen durch den Wechsel der Steuerklasse?

Gut beraten ist, wer seine Steuerklasse vorab auf Richtigkeit und Zweckmäßigkeit überprüft. Die vom Finanzamt vorgenommene Zuordnung muss nicht automatisch richtig oder gar ideal für den einzelnen Arbeitnehmer sein. Insbesondere Änderungen wie

  • Eheschließung
  • Geburt eines Kindes
  • Behinderungsgrade
  • und sonstige außergewöhnliche Umstände

erfährt das Finanzamt nicht automatisch. Diese Sonderfälle müssen dem Finanzamt mitgeteilt werden, oft ist gleichlaufend ein Antrag auf Änderung der Steuerklasse notwendig.

Beispiel: Bessere Steuerklasse trotz volljährigem Kind

Das Kind einer in Steuerklasse 2 veranlagten, alleinerziehenden Person wurde im vergangenen Jahr volljährig. Automatisch wird dieses Elternteil in Steuerklasse 1 eingestuft. Hat dieses volljährige Kind aber weiterhin einen Anspruch auf Kindergeld – durch Schulbesuch, Ausbildung oder Studium -, so wäre nach wie vor Steuerklasse 2 richtig. Dies muss aber dem Finanzamt unter Vorlage eines Nachweises mitgeteilt werden.

Wie können Sie durch Freibeträge Steuern sparen?

Einige Freibeträge gibt es automatisch, wie die Pauschalbeträge für Werbungskosten und Sonderkosten. Andere müssen Sie beantragen. Dies kann jedoch bereits im Voraus geschehen, so dass monatlich mehr Geld auf dem Konto verbleibt. Dazu gehören unter anderem

  • Kosten für doppelte Haushaltsführung
  • Besonders hohe Pendlerkosten
  • Kinderfreibeträge für Unterbringung etc., die das Kindergeld übersteigen
  • Außergewöhnliche Kosten durch Krankheit oder Behinderung
  • Negative Einkünfte aus einer Selbstständigkeit, dem Gewerbebetrieb oder aus Vermietung und Verpachtung

Voraussetzung für die Eintragung dieser Freibeträge auf der elektronischen Lohnsteuerkarte ist jedoch, dass die Belastung aller Wahrscheinlichkeit nach über das ganze Steuerjahr hindurch bestehen wird.

Welche besonderen Vorteile haben Alleinerziehende?

Singles als Alleinverdiener sind von vorn herein erst einmal der Steuerklasse 1 zugeordnet. Sind sie aber zusätzlich alleinerziehender Elternteil, macht ihnen der Staat diese Aufgabe zumindest finanziell etwas leichter. Sie können auf Antrag in die Steuerklasse 2 wechseln. Für jedes Kind wird seit 2015 ein Entlastungsbetrag von jährlich 1.908 EUR gewährt.

Für das zweite und jedes weitere Kind gibt es zusätzlich 240 EUR pro Monat. Ändern sich die Voraussetzungen während des Jahres, so wird für jeden vollen Kalendermonat, an denen die Bedingungen für den Entlastungsbetrag nicht vorliegen, dieser um ein Zwölftel gekürzt.

In welcher Steuerklasse sind Sie

 

Steuern sparen für Arbeitnehmer und Selbstständige

Dass Fahrtkosten vom zu versteuernden Einkommen absetzbar sind, ist sicher fast allen Arbeitnehmern bekannt. Daneben gibt es aber weitere steuerliche Vorteile, die mit beruflich bedingten Fahrten zu tun haben: Ein Unfall auf Weg zur Arbeit kann zum Beispiel zu einer Steuererleichterung führen. Die Kosten für

  • die Reparatur
  • Nutzungsausfall
  • oder Mietwagen

wirken sich in vielen Fällen steuermindernd aus. Ein eigenes Arbeitszimmer steuerlich abzusetzen, ist an strenge Vorgaben geknüpft. Wer diese nicht erfüllen kann, geht jedoch nicht unbedingt leer aus. Das Regal für Arbeitsmaterial oder der Computer werden durchaus in begründeten Fällen vom Fiskus als berufsbedingte Ausgabe akzeptiert. Zu einer Steuerminderung führen können weiterhin:

  • Berufskleidung und ihre Reinigung
  • Fachliteratur
  • und Fortbildungen etc.

Tipp: Geltend machen statt verzichten

Nicht immer ist von vorne herein klar, ob Ausgaben für Ihren Arbeitsplatz, die Fahrt zur Arbeit oder das Seminar vom Finanzamt anerkannt werden. Sind Sie jedoch der Überzeugung, dass der Aufwand eindeutig beruflich bedingt oder vorteilhaft war, so sollten Sie die Belege dafür sammeln und die Kosten im Einkommensteuerbescheid in Abzug bringen.

Wie können ausländische Arbeitnehmer eine Doppelbesteuerung vermeiden?

Zwar wird bei Arbeitnehmern, die im Ausland arbeiten, eine ungerechte Steuerlast durch das Doppelsteuerabkommen weitgehend vermieden. Dennoch gibt es Sinn zu überprüfen, Beträge insgesamt, Freibeträge und Steuerlasten in den jeweiligen Ländern zu vergleichen. Besteht ein Wahlrecht, lohnt sich das Durchrechnen.

Ehegatten haben zum Beispiel das Recht, getrennte Optionen in Anspruch zu nehmen. Für Grenzgänger wiederum gelten zum Teil eigene Regelungen. Mit fachlicher Hilfe durch einen Steuerberater kann bei ausländischen Steuern ein Zuviel vermieden werden. Fragen wie die Rentabilität eines Zweitwohnsitzes oder der steuerliche Vorteil durch einen eventuellen Umzug lassen sich nur individuell – und eben durch den Fachmann – zuverlässig klären.

Wie können Selbstständige Steuern sparen?

Hier sind es vor allem die Existenzgründer, die so manche Gelegenheit zum Steuern sparen versäumen. Wer vorhat, sich selbstständig zu machen, sollte die freiberufliche Tätigkeit oder das Gewerbe beim Finanzamt – und Gewerbeamt – anmelden, ehe er den ersten Schritt unternimmt. Alle Ausgaben, die mit der künftigen Selbstständigkeit in Zusammenhang stehen, dürfen nämlich auch dann abgesetzt werden, wenn mit dieser Tätigkeit noch keine Einnahmen erzielt werden. Dazu gehören unter anderem Kosten für

  • Beratung für den Einstieg (z. B. Marktanalyse oder Rechtsberatung) und Erstellung eines Businessplans
  • Kosten für steuerliche Beratung im Vorfeld ebenso wie bei späterer Tätigkeit des Steuerberaters
  • Ausgaben für Büro und Geschäftsräume, wie Einrichtung und Miete
  • Anschaffung von Waren
  • Kosten für Personalsuche und Werbung

Wichtig: Zusammenhang mit der Gründung

Bei diesen vorweggenommenen Betriebsausgaben, wie der steuerliche Begriff lautet, ist es wichtig, dass der Zusammenhang mit der Gründung klar erkennbar ist. Auch muss die Gründung entsprechend erfolgen, damit keine Rückzahlungspflicht entsteht.

Steuern sparen mit Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

Die Möglichkeit, die Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UstG in Anspruch zu nehmen, klingt erst einmal verlockend. Sie wird in vielen Internetgruppen als scheinbar nützlicher Tipp für Selbstständige gehandelt. Danach wird man erst umsatzsteuerpflichtig, wenn die Erlöse jährlich 17.500 EUR übersteigen, man spart sich zudem die Mühe, die Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben.

Ob die Kleinunternehmerregelung jedoch wirklich von Vorteil ist, hängt nicht zuletzt vom Geschäftszweig ab, den Sie betreiben wollen. Wer keine Umsatzsteuer abführt, darf nämlich auch keine aus Lieferantenrechnungen absetzen. Spätestens dann, wenn Sie Ware verarbeiten möchten, entsteht ein Nachteil. Aber auch, wenn Sie nur als Dienstleisters tätig werden, sind Sie mit der Regelung nach § 19 UstG nicht immer gut beraten.

  • Versicherungen
  • Büromaterial
  • Büroausstattung
  • Fahrzeug
  • und Fahrzeugkosten

all diese Posten sind mit Steuern belegt, die als sogenannte Vorsteuer nur dann absetzbar ist, wenn Umsatzsteuer gezahlt und verlangt wird. Eine fachlich qualifizierte Beratung stellt hier eine wertvolle Entscheidungshilfe dar.

Steuern sparen im Alter

Auch Rentner werden in den nächsten Jahren verstärkt zur Kasse gebeten. Das Argument, dass es sich bei der Besteuerung der Rente um eine Doppelbesteuerung handle, wurde vom Bundesfinanzhof nicht anerkannt. Immerhin hat der Gesetzgeber eine Staffelung geschaffen, sodass Arbeitnehmer Vorsorge treffen können, damit sie die zu erwartende Besteuerung nicht allzu sehr trifft.

  • Wer vor 2006 in Rente gegangen ist, muss 50 % der Rente versteuern.
  • Wer 2040 das Rentenalter erreicht, ist für seine Rente – abzüglich des Grundfreibetrages – zu 100 % steuerpflichtig.

Wie können arbeitende Renter Steuern sparen?

Wer im Rentenalter noch arbeiten möchte – oder arbeiten muss -, kann wie jeder andere Arbeitnehmer auch die Kosten, die durch die Berufstätigkeit entstehen, von der Steuer absetzen. Der Altersentlastungsbetrag, der 2018 19,2 % betrug, gilt für all die Rentner, die Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit haben.

Jedoch sinkt diese Vergünstigung Jahr für Jahr, bis sie 2040 ganz gestrichen wird. Auch das Lebensalter bei Renteneintritt spielt hier eine Rolle, damit der jeweilige Höchstbetrag an Entlastung gewährt wird.

Welche Kosten in Sachen Gesundheit können Sie absetzen?

Alle Medikamente und Zahlungen für medizinische Hilfen, die zwar ärztlich verordnet, aber von der Krankenkasse nicht übernommen wurden, dürfen als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Dies gilt sogar dann, wenn es sich um Stärkungsmittel handelt, vorausgesetzt, der Arzt hat sie verschrieben.

  • Die Zahlungen an Zugehfrau
  • und Reinigungshilfe
  • nicht anderweitig erstattete Kosten für eine Pflegekraft
  • und Haushaltshilfe

sind ebenfalls Posten, die von einer zu zahlenden Steuer in Abzug gebracht werden können. Muss Wohnraum barrierefrei gemacht werden, so gelten die Umbaukosten ebenfalls als außergewöhnliche Belastung. Gleiches gilt für

  • den Treppenlift
  • die Einstiegshilfe in die Badewanne
  • den speziellen Sessel
  • oder das verstellbare Bett,

wenn der Arzt dies als Erfordernis betrachtet und attestiert.

Mit Immobilien Steuern sparen

Immobilien sind nach wie vor eine beliebte Option, um Steuern zu sparen. Dies gilt für reine Kapitalanleger ebenso wie für diejenigen, die ihr Wohnungs- oder Hauseigentum selber beziehen möchten.

Welche Steuerersparnis haben Kapitalanleger?

Die Errichtung von Wohnraum wird vom Staat steuerlich gefördert. Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, um sie zu vermieten, profitiert nach wie vor. Zwar müssen Sie Mieteinnahmen versteuern, Schuldzinsen und Rückzahlungen sind dagegen steuermindernd. Ebenfalls absetzen können Sie

  • Reparaturen und Modernisierungen
  • die Kosten für die Gartenerneuerung
  • oder die Abschreibung bezüglich der Wertminderung der Immobilie.

Letzteres sowie eine laufende Finanzierung machen sich vor allem in den ersten Jahren in Sachen Steuern vorteilhaft bemerkbar.

Tipp: Spekulationsfrist beachten und Steuern sparen

Um reinen Immobilienspekulationen vorzubeugen, hat der Staat eine Spekulationsfrist eingerichtet. Sie beträgt beim Immobilien- oder Grundstücksverkauf zehn Jahre. Wenn zwischen Kauf und Verkauf mehr als diese zehn Jahre liegen, so müssen Sie einen möglichen Gewinn nicht versteuern!

Sparen bei Erbschaft und Vermögensübertragung

Auch wer viel zu vererben hat, möchte, dass sein Nachlass bei den Bedachten und nicht beim Fiskus landet. Damit eine Erbschaft nicht die Freibeträge übersteigt, können Sie Beträge als Vorwegnahme der Erbschaft durch eine sogenannte Schenkung an bestimmte Personen vermachen.

Wie funktioniert das Steuernsparen beim Hauserbe?

Hier setzt der Staat deutliche Grenzen: Voraussetzung dafür, dass das Hauserbe für die eigenen Kinder steuerfrei bleibt, ist eine Wohnflächenobergrenze von 200 qm. Auch was die Nutzung angeht, ist die Steuerfreiheit an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Der oder die Erblasser müssen das Haus in den letzten zehn Jahren selber als Wohnraum genutzt haben.

Diese zehn Jahre sind für die Erben ebenfalls eine wichtige Frist. Sie müssen zehn Jahre im vererbten Objekt mit dem Hauptwohnsitz gemeldet sein und dort auch tatsächlich wohnen. Ist dies nicht der Fall, wird die Immobilie in das Erbe und die jeweils gültigen Freibeträge eingerechnet.

Steuerfreibeträge bei Erbe

Wie steht es um Schenkungen von Sachwerten?

Werden im Hinblick auf ein zu erwartendes Erbe teure Geschenke wie Autos, Schmuck oder Kunstgegenstände gemacht, so kann dies ebenfalls zu steuerlichen Nachteilen führen. Die Freibeträge bei Hausrat sind hier am höchsten. Niedrigere Freibeträge erhalten Sie bei

  • Autos
  • Kunstwerken
  • und dem Familienschmuck.

Für Wertpapiere oder Vermögen an Edelmetallen und Edelsteinen dagegen gibt es solche Freigrenzen nicht. Eine genaue Beratung durch einen Steuerberater, wie hier möglichst viel vom – zu erwartenden – Nachlass für die Erben erhalten bleibt, bewahrt vor so manch unangenehmer Überraschung.

Steuern sparen durch das Minimieren des Erbes?

Mit kompetenter Hilfe kann es gelingen, Erbschaftssteuer und Schenkungssteuer zu minimieren oder gar auszuschließen. Wer beispielsweise in seinem 250 qm großes Haus eine Einliegerwohnung mit 60 qm errichtet und diese vorab an Dritte verkauft, ermöglicht seinen Erben, dort ohne Zahlung von Erbschaftssteuern zu wohnen.

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