Wer heute nach der großen Liebe sucht, greift meist auf Partnerbörsen im Internet zurück, denn dort ist die Auswahl an potenziellen Partnern unendlich. Diese Suche nach der Liebe wird von Betrügern jedoch ausgenutzt, um sich finanziell zu bereichern.

Das Romance/Love Scamming

Romance bzw. Love Scamming beschreibt die moderne Form des Heiratsschwindels. Man spricht in diesem Zusammenhang von Liebesbetrug. Der Täter erstellt bei dieser Form des Betruges gefälschte Profile auf Social Media Plattformen und Partnerbörsen, um anderen eine Verliebtheit vorzuspielen. Ziel dieses Betruges ist es, finanzielle Zuwendungen von der getäuschten Person zu erhalten. 

Wie sieht das Vorgehen der Scammer aus?

Der Scammer (Betrüger) kann sowohl eine Frau als auch ein Mann sein. Diese Betrüger schaffen es, sich für das ausgesuchte Opfer unverzichtbar zu machen und das, obwohl sich beide Personen im wirklichen Leben noch nie begegnet sind. 

  • Kontaktaufnahme

Die Vorgehensweise ist hierbei in der Regel immer die gleiche. Das Opfer wird meist unter falscher Identität auf einer Single-Plattform angeschrieben. Hier wird bereits versucht, das Interesse zu wecken, und das Opfer auf eine andere Plattform wie Facebook oder Instagram zu locken.

Hierbei achtet der Täter immer darauf, dass die gefälschte Identität auf allen Plattform identisch ist. 

  • Vertrauen aufbauen

Um das Vertrauen des Opfers zu gewinnen, denken sich die Täter häufig eine detaillierte Biografie aus, wie z.B. beruflicher Werdegang, vorherige gescheiterte Beziehungen, Hobbys und Reiseziele.

Möchte das Opfer das Kommunikationsmittel wechseln, bei der der Betrüger seine wahre Identität preisgeben muss, wie beispielsweise beim Kommunizieren über Webcam, reagiert dieser in den meisten Fällen abweisend oder hat bereits zahlreiche passende Ausreden parat. 

  • Liebesbekundungen

Am Anfang ist der Täter noch nicht so offensiv mit seinen Liebesbekundungen. Diese kommen erst nach wenigen Tagen, wenn sich dieser sicher sein kann, dass er beim Opfer Interesse geweckt hat. Diese Liebesbekundungen bleiben dann auch konstant. Durch die räumliche Entfernungen und den wenigen ausgewählten Informationen, glaubt das Opfer dann, seinen idealen Partner gefunden zu haben. 

  • Treffen vereinbaren

Nach einiger Zeit vereinbart der Betrüger dann ein Treffen mit dem Opfer. Hier gibt er natürlich vor, sich zu freuen, was auch bei dem Opfer dann eine große Vorfreude erzeugt. 

  • Treffen platzen lassen

Zu einem Treffen kommt es jedoch in der Regel nicht. Stattdessen sagt der Betrüger das Treffen ab und teilt dem Opfer den Grund für die Absage mit. Der Grund ist hierbei immer mit Geldproblemen verbunden. Mit folgenden Aussagen versucht der Betrüger dann, sich Geld vom Opfer zu erschleichen:

  1. Schulden: Der Täter gibt vor Schulden zu haben und diese dringend zurückzahlen zu müssen, da er ansonsten Probleme bekommt. 
  2. Kranke Familienmitglieder: Ein Familienmitglied ist plötzlich krank und muss operiert werden. Für diese Operation wird aber dringend Geld benötigt, da diese ansonsten nicht stattfindet.
  3. Geld für einen Flug: Der Betrüger möchte das Opfer besuchen kommen, benötigt aber Geld für einen Flug. Entweder gibt er vor, gar keins zu haben oder aber sein Geld verloren zu haben.

Im Ergebnis ist der Täter immer unverschuldet in eine finanzielle Notlage gekommen und kann sich nur mit Hilfe des Opfers aus dieser befreien.

Hinweis: Bei einer einmaligen Aufforderung zur Zahlung bleibt es nicht 

Die einmalige Zahlung eines Geldbetrages reicht dem Täter häufig nicht aus. Der Täter erfindet neue Ausreden, um das Opfer dazu zu bewegen erneut Geld zu verschicken. Weigert sich das Opfer, setzt der Täter das Opfer emotional unter Druck. Erst wenn das Opfer zahlungsunfähig ist, lässt der Betrüger von diesem ab.

Wie kann man einen Love-Scammer erkennen bzw. entlarven?

Wer auf einer Plattform nach der Liebe sucht, der sollte auch die Augen nach Love-Scammern aufhalten. Love-Scammer treiben sich auf fast allen Kanälen wie Facebook, Instagram oder Partnerbörsen rum.

Sollten Sie eine interessante Person kennengelernt haben, dann ist Ihnen anzuraten, das Profil einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Folgende Anhaltspunkte können für ein Fake-Profil sprechen:

  • Profil existiert erst seit wenigen Tagen

Ob ein Profil erst seit wenigen Tage bzw. Wochen besteht, erkennen Sie möglicherweise anhand weniger “Likes” oder einer wenigen Follower-Anzahl. Die bereits vorhandenen Follower haben zudem meist das gleiche Geschlecht und stammen aus unterschiedlichen Ländern.

  • Verdächtige Bilderauswahl

Auch die Auswahl der Bilder kann verdächtig sein. Betrüger verwenden in den meisten Fällen keine Bilder auf denen man deren Zuhause erkennt. Zusätzlich befinden sich auf dem Profil nur attraktive Fotos des angeblichen Profil-Inhabers. Ein Schnappschuss werden Sie vermutlich vergebens auf dem Profil suchen.

  • Betrüger ist charmant

Love-Scammer sind immer charmant und machen viele Komplimente. So versuchen diese, eine emotionale Abhängigkeit aufzubauen. Auch wenn Sie immer umgehend eine Rückantwort erhalten, sollten Sie stutzig werden und sich fragen, wie es möglich sein kann, dass der Gegenüber zu jeder Zeit antworten kann.

  • Aufregendes Leben

Zudem hat der Betrüger nie ein einfaches oder langweiliges Leben. Meist hat dieser entweder schwierige Beziehungen hinter sich oder der Partner ist gestorben. Viele Krankheiten in der Familie oder Tod von Familienmitgliedern sind ebenfalls häufig Bestandteil des Lebens des Betrügers, denn so versucht dieser, Mitleid zu erregen.

Sollte der Gegenüber aus dem Ausland kommen, sollten Sie diesen auffordern, telefonisch Kontakt aufzunehmen, so können Sie sicherstellen, dass dieser auch die Wahrheit im Hinblick auf seine Herkunft sagt.

  • Der Täter will alles wissen

Der Täter will zudem alles über Sie in Erfahrung bringen. Was Ihre Hobbys sind, wie viele Partner Sie hatten und ob Sie bereits Kinder haben. Passen Sie besonders auf, wenn der Täter bereits nach kurzer Zeit Heiratspläne schmiedet. 

So können Sie sich vor Love-Scamming schützen

Damit Sie erst gar nicht in die Situation kommen, Opfer eines Liebes-Betruges zu werden, sollten Sie folgende Punkte dringend beachten: 

  • Keine Anfragen auf Plattformen annehmen

Werden Sie sofort stutzig, wenn Sie plötzlich eine Freundschaftsanfrage von einer völlig fremden Person auf Facebook oder einer ähnlichen Plattform erhalten. Nehmen Sie diese nicht an, wenn Sie die Person nicht aus dem wirklichen Leben kennen.

  • Schalten Sie den gesunden Menschenverstand ein

Klar sehnt sich jeder Mensch nach der großen Liebe. Doch fragen Sie sich bitte einmal, warum irgendein gut aussehender erfolgreicher Mensch, plötzlich eine Fernbeziehung mit Ihnen eingehen will, obwohl dieser Sie noch nie zuvor gesehen hat.

  • Fallen Sie nicht auf Liebesbekundungen rein

Wenn ein erwachsener Mensch nach kürzester Zeit ohne ein wirkliches Treffen von Liebe spricht, dann sollten Sie ebenfalls die Reißleine ziehen.

  • Verschicken Sie kein Geld

Sympathie hin oder her, verschicken Sie niemals Geld. Gleiches gilt für Wertgegenstände. Wer Sie wirklich mag, wird Sie nicht übers Internet nach Geld fragen.

  • Geben Sie Ihre Kontodaten nicht weiter

Stellen Sie Ihr Konto zudem nicht für irgendwelche Überweisungen zur Verfügung. Im schlimmsten Fall können Sie sich dann nämlich auch strafbar machen, und zwar wegen Geldwäsche. 

  • Google als Freund und Helfer

Rufen Sie sich ins Gedächtnis, das im Internet alles gefälscht sein kann. Googeln Sie daher Namen, Telefonnummer, E-Mail-Adressen aber auch Bilder. 

Die Folgen des Love-Scammings

Sollte das Opfer Geld an den Betrüger überweisen, dann erfüllt das Love-Scamming den Straftatbestand des Betruges gemäß § 263 StGB. Der Betrüger verlangt nämlich vom Opfer Geld und lässt das Opfer meist in dem Glauben, dass er diesem das Geld zurückzahlt, sobald er sich aus seiner finanziellen Schieflage befreit hat. 

Dem Täter droht hier eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Handelt es sich nur um einen geringen Geldbetrag oder um ein erstmaliges Vergehen, dann wird der Täter vermutlich mit einer Geldstrafe davonkommen. Ist der Täter jedoch kein unbeschriebenes Blatt im strafrechtlichen Sinne, muss dieser auch mit einer Freiheitsstrafe rechnen. 

Sind mehrere Personen an dem Betrug beteiligt, dann kann sogar von einem gewerbsmäßigen Betrug als Bande ausgegangen werden. Hier droht den Täter dann eine Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahre. 

Was können Sie tun, wenn Sie bereits Opfer von Love-Scamming geworden sind?

Sollten Sie bereits Opfer eines Betrügers geworden sein, dann sollten Sie folgende Hinweise und Verhaltensregeln beachten: 

  • Ignorieren: Sobald Sie erkannt haben, dass Sie Opfer eines Betruges geworden sind, nehmen Sie keine Geldüberweisungen mehr vor. Versuchen Sie zudem, bereits geleistete Überweisungen bei der Bank zurückzuholen. Ignorieren Sie zudem die Nachrichten des Betrügers, in denen er versucht, Sie emotional unter Druck zu setzen bzw. Sie zurückzugewinnen.
  • Beweise sichern: Um den Täter erfolgreich strafrechtlich verfolgen zu können, müssen Sie alle vorhandenen Beweise sichern. Hierzu gehören Chatverläufe, E-Mails, Briefe aber auch Kontoauszüge oder Überweisungsträger. Sollten Sie selbst nicht so technikaffin sein, holen Sie sich entsprechende Hilfe von Freunden oder Bekannten.
  • Anzeige bei der Polizei: Stellen Sie Strafanzeige bei der Polizei. Zwar ist die Strafverfolgung schwierig, da die Täter meist vom Ausland aus handeln. Dies ist z.B. aber auch dann wichtig, wenn Sie Überweisungen über Ihr Konto haben laufen lassen und nun selbst strafrechtlich ins Visier der Banken rücken.
  • Brechen Sie den Kontakt ab: Sie sollten den Kontakt zum Täter vollständig abbrechen. Antworten Sie auf keine Nachrichten mehr, im Idealfall blockieren Sie den Täter auf allen Plattformen und legen sich selbst eine neue E-Mail-Adresse und Handynummer zu.
  • Schuldnerberater: Im schlimmsten Fall erkennen Sie erst, dass Sie ein Opfer von Love-Scamming geworden sind, wenn alle Ihre finanziellen Rücklagen aufgebraucht sind. Wenden Sie sich hier notfalls an einen Schuldnerberater, der mit Ihnen das weitere Vorgehen bespricht.
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