Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung gehört das Internet unweigerlich zu jedem Haushalt. Bei einem Umzug oder Unzufriedenheit mit dem Internetprovider stellt sich die Frage, wie und wann Sie Ihr Internet kündigen können.

Die Bedingungen für eine Kündigung

Egal, ob Sie einen Mobilfunkvertrag kündigen oder Ihr Internet: Es gilt immer Kündigungsfristen zu beachten. Wer einen Vertrag mit einem Internetprovider schließt, vereinbart grundsätzlich eine Mindestlaufzeit. Im Normalfall kommen Sie auch nicht vor Ablauf des Zeitraums aus dem Vertrag heraus. Wenn Sie das Internet kündigen wollen, müssen Sie folglich zunächst die Vertragslaufzeit berücksichtigen. Dies sind normalerweise 12 oder 24 Monate.

Trotz beiderseitigem Einverständnis und einer vertraglichen Vereinbarung gibt es besondere Umstände, in denen Sie Sonderregelungen geltend machen können. Insbesondere bei den folgenden Fällen ist es möglich, Ihr Internet zu kündigen – und zwar vor Ablauf der eigentlichen Vertragslaufzeit:

  • Widerruf des Vertragsschlusses
  • Sonderkündigungsrechte
  • sonstige Möglichkeiten zur Kündigung

Der Widerruf eines Vertragsschlusses

Der Gesetzgeber verpflichtet die Internetprovider, den Vertrag auf Grundlage eines gesetzlichen Widerrufsrechts zu beenden. Als Verbraucher können Sie innerhalb von 14 Tagen nach Abschluss des Internetvertrags diesen ohne Angabe von Gründen widerrufen. Haben Sie den Vertrag online abgeschlossen, gelten die Fristen des Widerrufsrechts beim Online-Kauf.

Beispiel: Wenn das Internet zu schlecht ist
Sie merken bereits nach einer Woche, dass das Internet nicht Ihren Ansprüchen in puncto Leistung und Verfügbarkeit genügt. Während aus diesen Gründen keine Kündigung möglich ist, können Sie den Vertrag innerhalb der ersten 14 Tage einfach widerrufen.

Dafür genügt es, dem Internetprovider per Post den Widerruf zu senden. Zudem müssen Sie die erhaltenen Produkte zurücksenden. Beim Internetprovider handelt es sich dabei oftmals um ein Modem. Dieses können Sie gemeinsam mit dem Widerruf zurücksenden, um den Vertrag umgehend zu beenden.

Tipp: Leistungen prüfen

Um die Frist für den Widerruf gegebenenfalls wahrnehmen zu können, sollten Sie die Leistungen des Internetproviders nach Vertragsschluss umgehend prüfen.

Das gesetzliche Widerrufsrecht ermöglicht eine einfache Beendigung des Vertrags – allerdings innerhalb eines eng gesteckten Zeitrahmens. Aus diesem Grund sollten Sie die Leistungen des Internetproviders auf Ihre Zufriedenheit prüfen und ggf. den Vertrag widerrufen.

Die außerordentliche Kündigung

Der Zeitraum für den Widerruf ist abgelaufen – die Vertragslaufzeit hingegen noch lange nicht. In einigen Situationen steht Ihnen jedoch ein Recht zur Sonderkündigung des Internetvertrags zu. Insbesondere beim Umzug und weiteren Fällen hat der Gesetzgeber ein Recht zur außerordentlichen Kündigung geschaffen, um den Verbraucher zu schützen.

Gibt es beim Umzug ein Sonderkündigungsrecht?

Ein Sonderkündigungsrecht gibt es nicht bei jedem Umzug. Vielmehr müssen Sie Ihren alten Anbieter nur informieren, dass Sie umziehen. Grundsätzlich nehmen Sie Ihre Geräte und den Internetprovider folglich auch mit in die neue Wohnung.

Ein Sonderkündigungsrecht steht Ihnen zu, wenn Ihr Internetprovider am neuen Standort die Leistungen nicht in gleichem Umfang anbieten kann. Falls die Geschwindigkeit erheblich langsamer ist, können Sie das Internet kündigen. Dafür muss die Internetgeschwindigkeit allerdings weniger als die Hälfte betragen. Dann können Sie gem. § 46 VIII TKG innerhalb von drei Monaten kündigen.

Gibt es weitere außerordentliche Kündigungsgründe?

Falls kein Umzug ansteht, gibt es noch wenige weitere Gründe für eine Sonderkündigung des Internetvertrags. In den folgenden Fällen können Sie Ihr Internet kündigen:

  • außerordentliche Kündigung bei einer Preiserhöhung
  • außerordentliche Kündigung aufgrund einer AGB-Änderung
  • außerordentliche Kündigung wegen nicht erbrachter Leistung und keiner Nachbesserung

Weitere Möglichkeiten, das Internet zu kündigen

Falls Sie kein Sonderkündigungsrecht besitzen, sollten Sie trotzdem reagieren. Andernfalls verlieren Sie Geld. Zunächst ist es wichtig, dass Sie den Vertrag umgehend kündigen. Zudem können Sie den Vertrag auf einen eventuellen Nachmieter übertragen. Viele Provider erlauben diese Praxis, da es ihnen egal ist, von welchem Verbraucher sie das Geld bekommen.

Zudem können Sie sich einen neuen Internetvertrag suchen. Im Kampf um neue Kunden bieten viele Provider Neukunden die Übernahme der alten Vertragskosten für einen bestimmten Zeitraum an.

Inhalt der Kündigung

Falls Sie ein Recht zur außerordentlichen Kündigung besitzen oder das Internet fristgerecht kündigen wollen, müssen Sie eine ordnungsgemäße Kündigung aussprechen. Grundsätzlich müssen Sie sowohl Inhalt, Form und Frist genügen.

Was muss unbedingt in eine Kündigung rein?

Eine Kündigung sollte einen Mindestinhalt aufweisen. Neben Ihren persönlichen Daten sind es vor allem die folgenden Inhalte, die zwingend in jede Kündigung gehören:

  • Datum
  • Vertragsnummer
  • eigenhändige Unterschrift

Bei einer außerordentlichen Kündigung müssen Sie diese ggf. noch mit Gründen versehen. Während der Widerruf und die ordentliche Kündigung ohne jegliche Angabe von Gründen erfolgen können, bedarf es für die außerordentliche Kündigung schließlich eine besondere Situation.

Welche Form müssen Sie einhalten?

Hinsichtlich der Form bestehen Unterschiede. Während einige Internetprovider eine Möglichkeit anbieten, das Internet online zu kündigen, müssen Sie bei anderen die Kündigung schriftlich einreichen. Da eine Kündigung per E-Mail im Normalfall keine eigenhändige Unterschrift umfasst, sollten Sie den Postweg wählen.

In den meisten Fällen genügt auch eine Online-Kündigung oder die Kündigung per Brief. Falls Sie dem Internetprovider Ihre Kündigung beweisen müssen, ist ein Einschreiben sinnvoll.

Gibt es wichtige Fristen bei der Kündigung?

Die Fristen unterscheiden sich nach den einzelnen Kündigungsgründen. Bereits beim Vertragsschluss legen Sie und der Internetprovider die Rahmenbedingungen fest. Bei den meisten Verträgen ist eine Kündigung bis zu drei bis sechs Monate vor Vertragsende möglich. Falls Sie das Internet nicht kündigen, verlängert sich Ihr Vertrag meistens um ein Jahr.

Falls Sie sich nicht sicher sind, ob Ihnen ein außerordentliches Kündigungsrecht zur Seite steht, können Sie einen Rechtsanwalt beauftragen. Dank der umfassenden Expertise kann Ihnen dieser genauere Auskunft geben, wie Sie Ihren Internetvertrag am besten kündigen.

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